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Auf den Wogen des Glücks

Auf den Wogen des Glücks

Titel: Auf den Wogen des Glücks
Autoren: Kit Garland
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ruhen. »Ein seltsamer Ort, um Geschäfte zu tätigen«, bemerkte er.
    »So gut, wie jeder andere auch. Vielleicht sogar ganz passabel für das, was ich vorhabe.«
    Drews standen die Nackenhaare zu Berge. Für einen Mann, der etwas zu verbergen hatte - das hatte Drew nun einmal, und nicht zu knapp - war dieser Zeitgenosse viel zu unheimlich. Schuldgefühle veränderten die Gedankengänge eines jeden Mannes, und Verzweiflung brachte ihn dazu, sehr weit zu gehen. Wie eine Feuersbrunst bahnte sich der Alkohol seinen Weg durch Drews Körper. Er schenkte sich nach und dachte dabei an die Pistole, die er erst vor kurzem gekauft hatte. Drew wünschte sich, er hätte sie bei sich.
    »Ich brauche Schiffe«, brach der Unbekannte schließlich das Schweigen.
    »Schiffe«, wiederholte Drew langsam. Die plötzlich einsetzende Erleichterung schoss ihm mit einer derartigen Geschwindigkeit in die Glieder, dass er sich plötzlich sehr schwach fühlte.
    »Schoner. Ich brauche vier oder fünf Schoner, vornehmlich mit Schratsegeln versehen und mindestens dreißig Meter lang, wobei die Wasserlinie ungefähr vierundzwanzig ausmachen sollte. Des Weiteren sollten sie über eine luxuriöse Einrichtung verfügen und auf Schnelligkeit gebaut, mit Kupfer beschlagen und mit erlesener Tischlerarbeit ausgestattet sein - und natürlich hochseetaugliche Segel haben. Meinen Informationen zufolge baut Ihre Werft genau solche Schoner.«
    »Ja«, murmelte Drew in sein Glas hinein. »Sie haben anscheinend von unseren Pilotentwürfen in New York gehört.«
    »Ich mache es mir zur Aufgabe zu wissen, wer die schnellsten Schiffe baut.« Er grinste für einen flüchtigen Augenblick. »Außer mir, natürlich.«
    »Natürlich.« Drew starrte auf den Boden seines Glases.
    »Ich bezahle Sie mehr als gut«, versprach der Fremde und beobachtete Drew einen Moment, bevor er in sein Hemd aus erlesenem, papierdünnem Leinen schlüpfte. »Fünfzigtausend Pfund pro Schiff, nachdem ich mich von der Höchstgeschwindigkeit überzeugt habe, versteht sich.«
    »Selbstredend.« Drew registrierte, wie belegt seine Stimme mit einem Mal klang. Um das Zittern seiner Finger zu unterbinden, hielt er sich an der Glaskaraffe fest. Vier Schiffe zu je fünfzigtausend Pfund! Ein Vertrag in nur der Hälfte dieser Höhe würde ihn von seinem Schuldenberg befreien und die Londoner Außenstelle der Willoughby-Werften vor dem finanziellen Kollaps retten.
    Schuldnergefängnisse waren der Albtraum schlechthin.
    Fünfzig Prozent von Dominique zu verlangen war doch nicht zu viel, vor allem dann nicht, wenn er ihr den Kunden auf dem Silbertablett servieren konnte. Nie würde sie auch nur im Ansatz vermuten, dass er seine Chance verspielt hatte, sich als ehrwürdiger Erbe des väterlichen Rufes zu beweisen, und es würde auch nie zu den befürchteten Konfrontationen mit seinem Vater und den Erklärungsversuchen für seine Spiel-und Trinksucht und die völlige Apathie kommen müssen.
    Und dennoch, der Gedanke, diesem Mann zu geben, was er verlangte, ohne dabei eine Entschädigung für den Verlust von Sabine zu fordern, entsetzte ihn.
    »Mein Zwilling«, setzte Drew an, »schrieb mir erst kürzlich aus New York. Das Rennen in Cowes findet in ein paar Wochen statt.«
    »Richtig. Nahe der Isle of Wight, südlich von Portsmouth. Ausgeschrieben wird das Rennen vom Royal Yacht Squadron Club. Ich selbst nehme jedes Jahr an diesem Schonerrennen teil, bei dem es um einen hundert Pfund schweren Goldpokal von
    Charles dem Zweiten geht. Sagten Sie, Ihr Zwilling wird an dem Rennen teilnehmen?«
    »Ja, in der Hoffnung, dass wir mit unserem neuesten Modell, der Mischief, ein paar Verträge an Land ziehen.« Drews Lippen zuckten bei dem Gedanken an Dominiques Brief, der sich noch immer zusammengefaltet in der Tasche seines Mantels befand. »Außerdem wollen wir die maritime Welt ein wenig aufmischen, indem wir jeden bisher dagewesenen Geschwindigkeitsrekord brechen. Ach ja, und weil wir den steifen Briten ihre feinen Nadelstreifenhosen auszuziehen gedenken.«
    »Ehrgeiziger Zeitgenosse.«
    »Wen genau meinen Sie?«
    »Ihren Zwillingsbruder.«
    Drew zögerte nicht lange. »Ja, sehr ehrgeizig.« Es war ihm eine Genugtuung, diesen Mann in dem Glauben zu lassen, er hätte einen Zwillings bruder. Sollte er ruhig selbst feststellen, dass einer Frau - und Dominique würde mit Sicherheit siegen - das Privileg zuteil wurde, ihm die vornehmen Hosen auszuziehen. Ein befriedigendes Gefühl durchströmte ihn. Er war sich sicher,

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