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Auf den Wogen des Glücks

Auf den Wogen des Glücks

Titel: Auf den Wogen des Glücks
Autoren: Kit Garland
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Bereich des Etablissements durch verschlossene Doppeltüren eine dunkle Treppe in die Tiefen des Hauses hinunterzugehen. Dort sprudelten heiße Quellen, und Opium schwängerte die nebelige Luft. Nackte Nymphen entführten den Besucher an Orte, von deren Existenz er nie etwas geahnt hatte. In den Katakomben des Clubs lösten sich Sorgen in Schwefelschwaden auf. Ein Mann konnte nach diesem Ort genauso süchtig werden wie nach dem Kartenspiel Whist, wenngleich der Einsatz doppelt so hoch war. Jaye wusste genau, was sie tat. Was ein Mann an öffentlichem Ansehen einbüßte, konnte er bei ihr auf vielerlei Art und Weise wieder wettmachen. Jaye hatte schon immer eine Schwäche für Amerikaner, denen das Glück alles andere als hold war und die bereit waren, das Privileg des Zutritts zu den Quellen entsprechend zu entlohnen.
    »Wie sehen Ihre Präferenzen heute Abend aus, Mr. Willoughby?«, erkundigte sich Jaye, als sie den schweren Samtvorhang zur Seite schob und eine einladende Geste machte. Der geräumige, in Kerzenlicht getauchte Raum, den außer dem großen ovalen Bett, dem goldenen Kronleuchter und der in den Boden eingelassenen Badewanne in der Ecke nichts weiter zierte, war ein willkommener Zufluchtsort vor der bösen Welt draußen. Der aus der Wanne aufsteigende Wasserdampf lockte mit seiner stillen Einladung.
    Drew Willoughby griff in seine Hosentasche und fischte ein zerknittertes Bündel Scheine und einige lose Münzen heraus. Als seine Hand ein zweites Mal in die Tiefen der Tasche hinabtauchten, brachte er auch noch die letzten seiner Scheine hervor. »Sabine natürlich.«
    Für einen flüchtigen Moment senkte Jaye die Augen und legte ihre Hand über den schlaffen Spitzenbesatz seiner Manschetten, an denen die feine Kammwolle bereits fast völlig durchgewetzt war. »Ich fürchte, Sabine ist anderweitig vergeben. Vielleicht würden Sie mit einer anderen Dame vorliebnehmen?«
    Drews Gedärme zogen sich zusammen, und er zerknüllte die Scheine in seiner Hand. Die Wucht, mit der ihn die Enttäuschung traf, erstaunte ihn selbst. Sabine! Er kannte sie nur im schimmernden Kerzenlicht, dunkelblond, mit fröhlicher Stimme und drallen körperlichen Ausmaßen. So Aufsehen erregend in ihrer ausladenden Fülle, dass ihm jedes Mal die Knie weich wurden, wenn er an sie dachte. Sie schaffte es, seine Dämonen bis zum nächsten Sonnenaufgang zu vertreiben.
    Anderweitig vergeben ...
    Sein Mund fühlte sich trocken an, er brauchte jetzt schnell einen Whisky. »Das... das ist ja noch nie vorgekommen.« Drew registrierte den abscheulich wehleidigen Ton in seiner Stimme, und er konnte mit ansehen, wie sich Jayes gepuderte Gesichtszüge verhärteten und im schwachen Licht geisterhafte Züge annahmen. Er schluckte - seine Sucht nach Alkohol brannte stärker - und merkte, wie sich Schweißperlen auf seiner Stirn bildeten.
    Jaye schenkte ihm ein vages Lächeln. »Clothilde wird Ihnen genauso gut gefallen, das garantiere ich Ihnen. Sie ist auch blond ...«
    »Wer ist er?«
    »Sir?«
    »Der Mann, bei dem sie li egt. Wer ist er?«
    »Mr. Willoughby, Sie wissen doch um meine Diskretion. Sie können jetzt unmöglich ...«
    »Doch, ich kann!« Drew schüttelte Jayes Hand von seinem Ärmel, drängte sich an ihr vorbei und lief den Gang hinunter. Im
    Vorbeigehen schlug er auf beiden Seiten die Vorhänge zurück. Drew nahm weder das Rascheln von Jayes Röcken hinter sich wahr, noch ihre Rufe nach ihrem Cäsar, der ihr zu Hilfe eilen sollte, oder die Aufschreie aus den Separees, als er in diese intimen Oasen eindrang.
    Sollte sie ihn doch rausschmeißen! Wenn er nicht Sabine haben konnte, dann spielte das auch keine Rolle mehr. Sein Traum war zerstört, so wie schon zahlreiche seiner anderen Illusionen mit ähnlich erdrückender Endgültigkeit zerstört worden waren. Hatte er sich nicht einst für einen Geschäftsmann, einen wichtigen Schiffsbauer, einen Spieler, einen Schurken, einen erfahrenen Liebhaber und, allen Dingen voran, für einen würdigen Sohn gehalten? Drew schlug den letzten der Vorhänge beiseite, und dort erblickte er sie. Eine himmlische Pracht aus elfenbeinfarbener Haut und blondem Haar, das im starken Kontrast zu dem dunklen Bett stand. Für den Bruchteil einer Sekunde sah er sie nur durch eine fast undurchlässige Opiumwolke. War es dem Dunst zuzuschreiben, dass ein flehendes Glänzen in ihren Augen aufblitzte? Lag seiner, Drews Name, auf ihren leicht geöffneten Lippen? Oder war es der des anderen Mannes?
    Nicholas ...
    Mit

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