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antares

antares

Titel: antares
Autoren: Dale Brown
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Prolog
    Connecticut Academy, UdSSR
Samstag, 2. Mai, 07.48 Uhr OEZ
    Ken James stampfte mit den Füßen auf den halbgefrorenen Schlamm, rieb sich heftig die Hände und schloß sie dann fest um den Schaft eines großen Baseballschlägers.
    »Mach schon, verdammt«, rief er dem großen, schlaksigen Jungen auf dem Werfer-Hügel zu.
    »Du wirst's erwarten können!« schrie Tony Scorcelli, der Pitcher, zurück.
    James schwang den Schläger einige Male durch die Luft und schob sich die Jackenärmel bis zu den Ellbogen hoch. Scorcelli hieb sich den Baseball noch ein paarmal in seinen Handschuh und schleuderte ihn dann vorsichtig, als versuche er einen Ring über eine Colaflasche zu werfen, aus der Unterhand zur Home Plate.
    Der Ball segelte über Kens Kopf hinweg.
    »Was sollte das denn darstellen?« James trat von der Plate zurück, stützte sich auf seinen Schläger und schüttelte demonstrativ den Kopf.
    Der Catcher namens Tom Bell ging nach hinten, um den Ball aufzuheben, der in einen Grasrand hinter dem Backstop gefallen war. Er warf einen kurzen Blick zur Bank hinüber. Der unzufriedene Gesichtsausdruck des Schuldirektors, Mr. Roberts, war unübersehbar. Er notierte sich etwas auf sein Klemmbrett. Was das bedeutete, war klar - Ärger.
    Alle Studenten der Academy nahmen ihr wöchentliches Baseballspiel sehr ernst. Hier hatten sie schon vor der Perestroika gelernt, daß Wettstreit etwas Notwendiges war, ja sogar wünschenswert. Siegen war alles, verlieren bedeutete versagen.
    Jede Gelegenheit, seine eigene hervorragende Führungsstärke zu beweisen - durch körperliche Fitneß und Leistung ebenso wie durch intellektuelle Fähigkeiten -, mußte wahrgenommen werden und wurde genau registriert und vermerkt.
    »So«, sagte James, während Bell Scorcelli den Ball zurückwarf, »und jetzt mach gefälligst beim nächsten Wurf die Augen auf, ja?«
    Doch Scorcellis zweiter Wurf war nicht viel besser als der erste: ein hoher Bogen. Der Ball fiel fast senkrecht wie ein Stein auf die Home Plate herunter. Doch auch James lieferte keine Glanzleistung. Er nahm den Ball an, holte mit dem Schläger mächtig aus - und drosch daneben.
    »Lieber Gott, Junge, der Ball ist dazu da, daß man ihn trifft...!«
    Beim nächsten Schlag nahm sich James zusammen, holte noch weiter aus, aber er brachte nur einen foulball zustande, der über den Maschendrahtzaun hinter dem Backstop flog.
    »Noch ein foulball, und du bist draußen! «rief der Mann am ersten Mal, genannt Kelly Rogers, im üblichen Schrei-Singsang.
    »Unsere Campusregeln hier...«
    »Du kannst dir deine Campusregeln in den Hintern stecken!«
    schrie ihn James wütend an.
    Rogers war völlig verblüfft über diesen unerwarteten Zornesausbruch und schwieg. Direktor Roberts machte sich wieder eine Notiz. Scorcelli bereitete sich auf seinen nächsten Wurf vor.
    Dieser kam ganz niedrig. James reckte sich hoch, knirschte mit den Zähnen, unterbrach dann mitten im Schwung, faßte auch das andere Ende des Schlägers und hielt ihn dem heranfliegenden Ball entgegen. Der Ball tropfte vom Schläger wie ein Stein, der zu Boden fällt, direkt vor die Home Plate, und rollte noch ein Stückchen in Richtung auf den Werferhügel zurück, ehe er liegenblieb. James war bereits zum First Base unterwegs.
    Catcher Bell richtete sich verwundert aus seiner Hockstellung auf, starrte erst auf den Ball, dann auf James, dann wieder auf den Ball und schließlich auf Scorcelli, ob der nicht vielleicht die Güte... aber Scorcelli starrte genauso mit offenem Mund wie er selbst. Inzwischen war James längst am First Base und sogar schon auf dem Weg zum zweiten, ehe endlich einer auf die Idee kam, nach dem Ball zu schreien.
    Nun rannten Bell und Scorcelli beide gleichzeitig los und stießen fast zusammen, als sie nach dem Ball griffen. Scorcelli bekam ihn als erster zu fassen und warf ihn im herumdrehen dem Mann am zweiten Base zu. Aber statt ein direkter Schuß wurde es ein weiter Bogen, und statt des noch knappen Aus für James fiel der Ball kurz vor dem zweiten Base-Mann ins Gras, ohne noch einmal zu springen,kugelte nur seitlich weg und Ken James sauste bereits zum dritten Base. Der Rightfielder schnappte sich schließlich den rollenden Ball im Laufen, überlegte eine Sekunde, ob er ihn mit einem direkten Wurf hinüber zum dritten Base schaffen würde, und warf ihn dann kurz entschlossen Johnston zu, der dort stand. Johnston fing ihn sicher mit beiden Händen auf und stand. Perfekter Wurf. James war noch nicht einmal

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