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Anschlag auf die Achterbahn

Anschlag auf die Achterbahn

Titel: Anschlag auf die Achterbahn
Autoren: Stefan Wolf
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1. Eine
Blockflöte in Badehose
     
    Die Herbstferien waren zu Ende.
TKKG hatten sich zwei Wochen lang nicht gesehen. Obwohl sich in dieser Zeit
nicht viel getan hatte, gab es doch so einiges zu berichten, als sie sich am
ersten Schultag wiedertrafen. Zu dumm nur, dass in Kürze die erste
Unterrichtsstunde losging! Thema Nummer eins war natürlich der alljährliche
Herbstjahrmarkt, der am nächsten Tag eröffnet werden sollte. Und alle in der
Klasse diskutierten die brennende Frage, wie sich ein Besuch angesichts eines
nicht gerade prall gefüllten Geldbeutels verwirklichen ließe.
    Es herrschte eine gewaltige
Lautstärke im Klassenzimmer. Doch plötzlich zischte Gaby von der Tür her:
»Hinsetzen! Die Klamm kommt!«
    Sofort verstummte die
aufgeregte Debatte, und jeder beeilte sich, rechtzeitig an seinen Platz zu
kommen, denn in dieser Hinsicht war mit Frau Klamm, ihrer Klassenlehrerin,
nicht zu spaßen.
    Frau Klamm betrat mit gewohnt
energischen Schritten den Raum. Sie hielt aber die Tür offen, um einen
schmächtig aussehenden Jungen eintreten zu lassen, der ihr gefolgt war. Sofort
schloss sie die Tür hinter ihm, stellte sich vor das Lehrerpult und rief ein
betont fröhliches »Guten Morgen« in den Raum. Mit militärischer Disziplin wurde
es von den Schülern erwidert. Die Klassenlehrerin hielt sich gar nicht erst
damit auf, die Schüler nach ihrem Befinden während der vergangenen zwei Wochen
zu befragen, sondern winkte den Jungen gleich zu sich und begann, ihn
vorzustellen.
    »Wie ihr seht, habe ich Besuch
mitgebracht. Das ist Stefan Rüter. Stefan ist der Sohn einer
Schaustellerfamilie. Da ab morgen der Jahrmarkt in unserer Stadt gastiert und
Stefans Privatlehrer an einer starken Grippe erkrankt ist, haben sich seine
Eltern kurzerhand dazu entschlossen, ihn für die nächsten vier Wochen an
unserem Unterricht teilnehmen zu lassen.«
    Obwohl Stefan Rüter alles
andere als ein Schwergewicht war, wirkte er durchaus nicht schüchtern oder gar
ängstlich. Im Gegenteil — er strahlte eine gewisse Selbstsicherheit aus, die
ihn sehr sympathisch wirken ließ. Dadurch schmolz Frau Klamms angehängte Bitte,
man möge gut miteinander auskommen, zu einer überflüssigen Floskel zusammen.
    Tim hatte als Klassensprecher
die ehrenvolle Aufgabe, einige Worte an Stefan zu richten: »Hallo, Stefan. Im
Namen aller Schülerinnen und Schüler heiße ich dich herzlich willkommen. Mein
Name ist übrigens Tim.«
    »Hi! Coole Gang hier. Ich
glaube, bei euch lässt’s sich ‘ne Weile aushalten.«
    Sogar Stefans Stimme machte
einen angenehmen Eindruck.
    »Boah, ist das ‘n
Hungerhaken!«, entfuhr es Klößchen. »Ob der aufm Rummelplatz nichts zu mampfen
kriegt?«
    Willi hatte nur geflüstert.
Trotzdem drehte sich Stefan zu ihm um und grinste ihn breit an: »He, das hab
ich gehört! Das mit dem Hungerhaken lässt sich leider nicht ändern. Dabei bin
ich ständig nur am Futtern. Meine Eltern haben nämlich unter anderem auch eine
Würstchenbude. Aber aus unerklärlichen Gründen setze ich...« Hier legte er eine
genüssliche Kunstpause ein. »...im Gegensatz zu dir kein Fleisch an.«
    Das saß! Während die ganze
Schulklasse ein Lachen kaum unterdrücken konnte, war Klößchen ganz still
geworden. Sein Gesicht nahm die Farbe eines Saunabesuchers an. Sogar ein paar
Schweißperlen bildeten sich auf seiner Stirn.
    Gaby ergriff geschwind das
Wort: »Das ist übrigens Willi, Stefan. Aber wir alle nennen ihn nur Klößchen.
Sein größtes Laster ist nämlich Schokolade...«
    Sie verstummte, denn ihr wurde
plötzlich klar, dass sie mit diesen Worten Klößchens angeknackste Ehre nicht
unbedingt wiederhergestellt hatte.
    »Prima, Klößchen, da wird es
dich sicher freuen zu hören, dass wir auf der Kirmes auch mit einer Zuckerbude
vertreten sind«, versuchte Stefan, seinen Spruch von eben wiedergutzumachen.
    Frau Klamm hatte sich
mittlerweile an ihr Pult gesetzt und mit unbewegter Miene dem Wortgefecht
gelauscht. Doch nun platzte ihr der Kragen: »Können wir jetzt endlich mit dem
Unterricht beginnen? Stefan, dort ist noch ein Platz neben Karl frei. Würdest
du dich bitte neben ihn setzen?«
    »Klar doch«, seufzte Stefan und
bewegte sich auf Karls Tisch zu.
    »Karl, solange Stefan noch
keine eigenen Bücher hat, lässt du ihn bitte in deine mit hineinschauen, ja!?«
    Während sie das sagte, schaute
Frau Klamm nicht von ihrem Buch auf, welches sie mittlerweile aufgeschlagen
hatte.
    »Ist doch ein Selbstgänger!«,
antwortete Karl.
    Klößchen

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