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Androidenträume

Titel: Androidenträume
Autoren: John Scalzi
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1

    Dirk Moeller war sich nicht sicher, ob er einen größeren diplomatischen Konflikt herbeifurzen konnte. Aber er war bereit, es zu versuchen.
    Moeller nickte geistesabwesend seinem Assistenten zu, der ihm den Zeitplan für die heutigen Verhandlungen vorlegte, und rückte sich schon wieder auf seinem Stuhl zurecht. Das Gewebe um den Apparat herum juckte, aber schließlich konnte man es nicht einfach ignorieren, wenn man mit einer zehn Zentimeter langen Röhre aus Metall und Elektronik im Dickdarm herumlief, nur ein paar Zentimeter tief eingeführt. So etwas verursachte nun einmal ein gewisses Unbehagen.
    Das war Moeller bereits klar geworden, als Fixer ihm den Apparat präsentiert hatte. »Das Prinzip ist ganz einfach«, sagte Fixer und reichte Moeller das leicht gekrümmte Ding. »Sie erzeugen wie gewohnt Darmwinde, aber nun wird das Gas nicht mehr aus Ihrem Körper entweichen, sondern vom vorderen Teil des Geräts aufgenommen. Es schließt sich und gibt das Gas an den zweiten Teil weiter, wo bestimmte chemische Komponenten hinzugefügt werden, abhängig von der Botschaft, die Sie übermitteln wollen. Dann wird das Ganze in den dritten Abschnitt des Apparats geleitet, wo es dann auf Ihr Signal wartet. Lassen Sie den Korken knallen, wird es gesendet. Sie steuern das Ganze über ein drahtloses Interface. Alles funktioniert reibungslos. Sie müssen es sich nur noch einsetzen lassen.«
    »Tut das weh?«, fragte Moeller. »Es sich einsetzen zu lassen, meine ich.«
    Fixer verdrehte die Augen. »Sie lassen sich ein Miniatur-Chemielabor in den Arsch schieben, Mr. Moeller. Natürlich tut das weh.« Und so war es.
    Nichtsdestotrotz war es ein beeindruckendes technisches Erzeugnis. Fixer hatte es auf der Grundlage von Blaupausen konstruiert, die er im Nationalarchiv gefunden hatte und die aus der Zeit stammten, als die Nidu und die Menschen vor Jahrzehnten erstmals Kontakt miteinander aufgenommen hatten. Der ursprüngliche Erfinder war ein Chemiker gewesen, der die Idee hatte, die beiden Völker durch ein Konzert zusammenzubringen, bei dem Menschen mit einem solchen Apparat in der Luftröhre parfümierte Friedensbotschaften rülpsen sollten.
    Das Vorhaben scheiterte, weil kein seriöser menschlicher Chor mit diesem Konzert in Verbindung gebracht werden wollte. Und die Kombination der Notwendigkeit anhaltender Eruktation mit der chirurgischen Implantation der Apparate schreckte zusätzlich ab. Kurz darauf wurden gegen besagten Chemiker polizeiliche Ermittlungen wegen der angeblich gemeinnützigen Stiftung eingeleitet, die er zwecks Organisation des Konzerts gegründet hatte, und schließlich landete er wegen Betrug und Steuerhinterziehung in einer Justizvollzugsanstalt. Der Apparat ging in den Wirren verloren und geriet in Vergessenheit, um darauf zu warten, dass ihn jemand für einen neuen Verwendungszweck wiederentdeckte.
    »Alles in Ordnung mit Ihnen, Sir?«, sagte Alan, Moellers Assistent. »Sie wirken bedrückt. Geht es Ihnen immer noch nicht besser?« Alan wusste, dass sein Vorgesetzter gestern wegen einer Darmgrippe zu Hause geblieben war. Er hatte seine Anweisungen für die heute anstehenden Verhandlungen per Konferenzschaltung erhalten.
    »Mir geht es gut, Alan«, versicherte Moeller. »Nur leichte Bauchschmerzen, mehr nicht. Vielleicht habe ich zum Frühstück irgendwas Falsches gegessen.«
    »Ich könnte mich erkundigen, ob jemand etwas gegen Sodbrennen dabeihat«, erbot sich Alan.
    »Das wäre das Letzte, was ich im Moment gebrauchen könnte«, entgegnete Moeller.
    »Dann vielleicht einen Schluck Wasser?«
    »Kein Wasser«, sagte Moeller. »Aber ein kleines Glas Milch wäre jetzt nicht schlecht. Ich glaube, das könnte meinen Magen beruhigen.«
    »Ich frage mal in der Kantine nach«, sagte Alan. »Uns bleiben noch ein paar Minuten, bis es losgeht.«
    Moeller nickte Alan zu, der sich sofort auf den Weg machte. Netter Junge, dachte Moeller. Nicht besonders helle und noch recht neu in der Handelsdelegation, aber genau das waren zwei der Gründe gewesen, warum er ihn für diese Verhandlungen als Assistenten eingestellt hatte. Ein Assistent, der aufmerksamer und schon länger mit Moeller bekannt gewesen wäre, hätte sich vielleicht erinnert, dass er eine Laktoseintoleranz hatte. Schon die kleinste Menge Milch führte bei ihm unvermeidlich zu gastrischer Unruhe.
    »Laktoseintoleranz? Toll!«, hatte Fixer nach der Implantation gesagt. »Trinken Sie ein Glas Milch und warten Sie ungefähr eine Stunde. Dann müsste es

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