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Ancient Blades 2 -Das Grab der Elfen

Ancient Blades 2 -Das Grab der Elfen

Titel: Ancient Blades 2 -Das Grab der Elfen
Autoren: David Chandler
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so fürchterlich weit weg.
    »Sie sind auf dem Weg«, sagte er, und Bewegung kam in die Akolythen und Krieger. Sie tauschten entsetzte Blicke, ergriffen hoffnungsvoll die Hände. »Schon sehr bald kehren sie zu uns zurück.«
    Gemurmel und geflüsterte Fragen folgten nun an diesem Ort, an dem die unterirdische Sonne rot brannte. Aber davon bekam der Hieromagus nichts mit, denn seine Erinnerung war noch nicht vollendet. Es gab noch mehr zu sehen.
    In dem heiligen Hain betrachtete Ae t hlinga die Visionen zusammen mit ihm. Die kommenden Ereignisse verzerrten ihr schmales und wunderschönes Gesicht mit Furcht und Trauer. Wegen der Ereignisse, die auf ihn zukamen.
    »Sei stark«, sagte sie. »Ich weiß, was wir von dir verlangen. Es ist nicht gerecht – aber du wurdest geboren, um diese Aufgabe zu erfüllen. Aus diesem bitteren Kelch musst du allein trinken. Es tut mir leid.«

TEIL EINS
    DIE FLUCHT

Kapitel 1
    Eine schmale Mondsichel erhellte die Dächer der Freien Stadt Ness, ließ die Glocken in den Spitzen des Turmviertels funkeln und tünchte die Strohdächer im Stinkviertel weiß. Die Schmiedeöfen im Qualmbezirk tosten die ganze Nacht, aber der Rest der Stadt schlief – oder hielt sich hinter verschlossenen Fensterläden in von Kerzen beleuchteten Räumen auf.
    Es war jene Zeit der Nacht, in der die Spielhäuser langsam den Betrieb einstellten und die Bordelle ihre Pforten schlossen. Es war jene Zeit, in der ehrliche Männer und Frauen in ihren Betten lagen, um den Schlaf zu finden, den sie für den nächsten langen Arbeitstag brauchten. Von der gewaltigen Arbeiterschar der Stadt ging nur eine Handvoll weiterhin ihrer Tätigkeit nach. Natürlich patrouillierten die Stadtwächter die ganze Nacht lang durch die Straßen. Und natürlich waren Diebe unterwegs.
    Malden lief die Dachränder entlang und beeilte sich, zu seiner heimlichen Verabredung zu kommen. Dabei machte er so wenig Lärm wie ein Eichhörnchen, und er gab sich Mühe, nicht von der Straße aus gesehen werden zu können. Trotzdem kam er ausgesprochen schnell voran, als er von einem Dach zum anderen sprang und Wegen folgte, die er dank jahrelanger Übung kannte; er wusste, ohne hinzusehen, wohin er die Füße setzen musste, und an welchen Stellen ein Dach zu schwach geworden war, um sein Gewicht zu tragen. Er tanzte zwischen den Türmen, schwang sich an Steinsimsen über schmale Gassen. Sein Weg führte ihn um die große offene Fläche des Marktplatzes herum und dann weiter hügelabwärts über die Dächer der Herrenhäuser auf dem Goldenen Hügel. Er war seinem Ziel schon sehr nahe, als er unter der ledernen Schuhsohle fühlte, wie ein Dachziegel brach.
    Augenblicklich erstarrte er und nahm das Gewicht von dem zerbrochenen Ziegel, während der Rest seines Körpers noch immer schwankend nach seinem Gleichgewicht suchte. Er bückte sich und schnappte sich den zerbrochenen Ziegel, bevor der nach unten auf die Straße stürzen und Lärm verursachen konnte. Betont vorsichtig legte er die Trümmer in die Dachrinne, dann eilte er weiter. Es war fast Mitternacht.
    Er erreichte sein Ziel und klammerte sich an einen qualmenden Schornstein, duckte sich gegen die Dachziegel, um seine Silhouette zu verbergen. Er war da. Er ließ den Blick über die Häuser in seiner Umgebung schweifen – seine Augen hatten sich an die Dunkelheit gewöhnt – und hielt nach jeder Art von Bewegung Ausschau. In der Gasse zwanzig Fuß unter sich erspähte er eine Ratte, zwei Häuserblöcke weiter umkreisten Fledermäuse einen Kirchturm. Und dann entdeckte er, was er suchte.
    Auf der anderen Straßenseite kletterten drei schwarz gekleidete Männer an der Seite eines Hauses ein Abflussrohr hinauf. Als der oberste ein Fenster im zweiten Stock erreichte, wickelte er sich einen Lappen um die Hand und schlug das Glas ein.
    Es war laut genug, um jede Katze aus der Gasse unter ihnen zu verscheuchen. Malden zuckte vor Mitgefühl zusammen. War er je so laut gewesen? Aus langer Erfahrung wusste er genau, wie sich die drei Diebe fühlen mussten. Das Blut würde in ihren Adern pochen, ihr Herzschlag wäre der größte Laut, den sie hörten. Das, was sie nun taten, konnte sie alle an den Galgen bringen, nach einem schnellen Verfahren, das kaum mehr als eine Formalität darstellte.
    Der Oberste – das musste der Anführer sein – griff durch das Glas und öffnete den Riegel. Er stieß die Fensterflügel weit auf und verschwand in dem dunklen Haus. Die anderen beiden Männer folgten ihm.
    Malden

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