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Analog 1

Analog 1

Titel: Analog 1
Autoren: H. J. Alpers
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Rudy Rucker Verträumte Augen
     
    „Schau dir das an“, sagte mein Partner, das Genie. Er schwenkte eine Seifenblase.
    Ich blickte zurück zu dem Programm, das auf dem Bildschirm meines Terminals Gestalt annahm. Geordnete grüne Linien von PL/II-Befehlen. „Hör auf, Harry. Ich bin nicht daran interessiert.“
    Harry ignorierte derlei Bemerkungen … wahrscheinlich hörte er sie nicht einmal. Er beugte sich schwerfällig über mich. Ein dicker Tropfen Seifenlösung zerplatzte auf der Tastatur. Ich seufzte, drückte auf SPEICHERN und hörte auf.
    „Paß auf“, sagte Harry. Er hatte einen dieser Riesenblasenrahmen, einen großen Plastikreifen. Darüber spannte sich ein Seifenfilm von zehn Zentimetern Durchmesser. Harry blies einen sanften Luftstrom auf die Mitte. Der große Film zuckte, beulte sich aus, und dann löste sich eine Prozession kleiner Blasen und schwebte davon.
    „Radioaktivität, Harry“, sagte ich und versuchte nicht zu keifen. „Müllbeseitigung. Erinnerst du dich an den NRC-Vertrag?“
    Er starrte die hüpfende Seifenschicht an, die dicken Lippen vor Erstaunen geöffnet. Eine Blase setzte sich auf den Film und verschmolz erneut mit ihm.
    Im Vorzimmer schrie jemand. Jemand aus New Jersey. Rosie kam trippelnd durchs Vorzimmer gelaufen. Ich ging an Harry vorbei und schaute zur Tür hinaus. „Was gibt’s?“
    Rosie trug das Haar über das Gesicht fallend, mit einem durchsichtig eingefärbten Guckloch. Ihr Kleid war so hologrammiert, daß es wie ein Baumstumpf wirkte. Ein nettes Mädchen. Manchmal fragte ich mich, wie sie aussah.
    „Draußen ist ein Mann mit einer Schubkarre, der Sie sprechen will, Mr. Fletcher. Ein gewisser Mr. Kreementz.“
    Ich erinnerte mich an Kreementz. Er war Leiter der Schadstoffkontrolle der Firma Murden Chemical in Newark. Harry und ich hatten vor fünf Jahren für ihn einen neuartigen Schornsteinreiniger entwickelt. Bislang hatte es keine Reklamationen gegeben.
    „Was ist in der Schubkarre?“
    Rosie blickte verstohlen zu Harry hinüber und kicherte. „Das ist das Lustige daran. Die Schubkarre ist leer. Und er sagt immer wieder, er möchte sie auf Ihr … entleeren …“
    Die Tür zum Vorzimmer wurde krachend aufgestoßen, und Kreementz kam hereingestürmt, vor sich eine große, eiserne Schubkarre. Ohne die Krawatte hätte man ihn für einen wütenden alten Bauarbeiter halten können. Rosie und ich machten einen Schritt ins Büro zurück und stießen mit Harry zusammen.
    „Garden-State-Degeneration – wir liefern“, meinte Harry dumpf.
    Und dann ließ Kreementz seinen Zorn an uns aus. „Das Spiel ist aus, Burschen. Auf dem Weg hierher habe ich die Klage eingebracht. Wißt ihr, was das Stillstehen der Anlage pro Stunde kostet? Ihr werdet euch nicht aus dem Staube machen und mich als Sündenbock zurücklassen.“
    Er stellte die Schubkarre krachend nieder. Sein Anzug war von Schweiß fleckig, und er atmete schwer. Ich fragte mich, wie eine leere Schubkarre so schwer sein konnte.
    „Setzen Sie sich, Mr. Kreementz.“ Ich deutete auf meinen Stuhl. „Ich verstehe gar nicht, warum Sie glauben, Fletcher & Co würden für ihre Produkte nicht garantieren. Wenn Murden Chemical ein Problem mit unserem Schadstoffbegrenzer hat, kann ich Ihnen versichern …“
    Harry hatte Kreementz in gewohnt fischäugiger Manier angeglotzt. Er überzeugte sich, daß er Rosies Aufmerksamkeit hatte, streckte den Daumen aus der Faust hervor und tat so, als nähme er einen Zug aus einer Flasche. Es überraschte mich, daß er solche Scherze machte. Kreementz bemerkte die Geste und ging in die Luft.
    „Dieser blöde Nullstrahl eurer Firma funktioniert nicht. Jedesmal, wenn wir ihn einschalten, schaltet er sich wieder ab. Und man gibt mir die Schuld!“ Er glotzte Harry an. „An meiner Stelle würden Sie auch trinken! Halten Sie es für lustig? Dann probieren Sie das mal!“
    Mit einem Grunzen kippte er die Schubkarre nach vorn. Ein Etwas, das zu klein war, als daß man es hätte sehen können, krachte auf den Beton-Estrich. Staub und Steinsplitter flogen auf. Ein schreckliches Grollen ertönte, wie von einem Bierfaß aus Blei. Das Ding rollte auf Harry zu.
    Mit der Gelenkigkeit eines Schwergewichtigen trat Harry beiseite und kniete nieder. Auf dem Fußboden war eine Rille zu sehen, die langsam länger wurde. Am Ende der Rille war etwas Winziges, das rumpelnd dahinrollte.
    Rosie stand in der Tür und wirkte wie ein Zaunpfahl mit Haaren. Wenn ihr Guckloch nicht zu sehen war, konnte man
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