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An und für dich

An und für dich

Titel: An und für dich
Autoren: Ella Griffin
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Teil Eins

1
    Es war erst kurz nach neun, und trotzdem war jeder zweite Mann auf der Grafton Street bereits mit Blumen in der Hand unterwegs. Saffy fand es wundervoll, dass am Valentinstag selbst Menschen zu Romantikern mutierten, von denen man es überhaupt nicht erwartet hätte.
    Wie der schlecht gelaunte Managertyp da drüben vor Bewleys, der irgendwelche Anweisungen in sein Handy bellte, einen Blumenstrauß mit Schleifchen unter den Arm geklemmt. Oder der Goth mit dem »Inflected Malignity«-Sweatshirt, der verstohlen an einer einzelnen roten Rose schnupperte, die er gerade im Blumenladen Ecke Duke Street erstanden hatte.
    Greg würde ihr niemals eine einzelne rote Rose schicken, dachte sie, während sie die Duke Street entlangeilte. Rosen verschenkte ja jeder am Valentinstag. Greg war immer gern ein bisschen anders. Er hatte ihr schon einen blühenden Kaktus geschenkt, schwarze Orchideen und letztes Jahr eine riesige Venusfliegenfalle. Sie war ja ganz hübsch, aber im Februar gab es wenig Fliegen, und sie war gestorben, nachdem Saffy sie mit einem Stück Räucherlachs von ihrem Bagel gefüttert hatte.
    Komodos Philosophie »Bei uns müssen Sie mit allem rechnen« prangte an der Wand des Empfangsraums unter dem riesigen, aus Stahl geschnittenen Logo der Agentur – einer fleischfressenden Echse. Sie sah bemerkenswert echt aus und schreckte alle ab, außer Ciara, der Rezeptionistin, die sie nicht sehen konnte, weil sie genau darunter saß. Heute nahm auch Saffy den Waran gar nicht wahr, denn auf dem riesigen Empfangstisch stand der schönste Rosenstrauß, den sie je gesehen hatte, und Ciara winkte sie heran. Ihr wasserstoffblonder Kopf tauchte kurz hinter dem schimmernden Gebirge aus weißem Seidenpapier und Zellophan auf.
    »Saffy!«, hauchte sie und schwenkte ihr Asthmaspray. »Kannst du diese scheiß Blumen bitte hier wegnehmen, bevor ich ...« Das Telefon klingelte. »Willk-hommen bei Komodo Advertising«, keuchte sie in den Hörer. »Wie k-hann ich Ihnen helfen?«
    Saffy grinste. Greg hatte in der Tat keine einzelne Rose geschickt. Er hatte, wie es aussah, mindestens drei Dutzend geschickt. Saffy beugte sich darüber und atmete ihren süßen, würzigen Duft ein. Zwischen den samtigen, dunkelroten Blütenköpfen steckte ein winziger weißer Umschlag.
    Das Asthmaspray tauchte wieder auf. »W-harte! Die Rosen sind für Marsh. Wahrscheinlich von Marsh. Selbstverliebt, wie sie ist.« Ciara deutete auf einen noch größeren Strauß, der fast den gesamten Raum hinter ihrem Schreibtisch einnahm. »Das da sind deine. Ich glaube, ich bin all-hergisch gegen die große violette, die mit den H-härchen.«
    »Hast du einen heimlichen Verehrer?« Simon grinste, als Saffy sich auf dem Weg zu ihrem Büro mit dem Strauß an ihm vorbeiquetschte. »Ist es zufällig Tim Burton?«
    »Na, Süße? Was hast du gerade an?«
    Auch nach sechs Jahren hatte Saffy immer noch Schmetterlinge im Bauch, wenn sie diese Stimme hörte. Aus Gregs Mund klang sogar eine IKEA – Aufbauanleitung sexy. Als er noch Sprecher für Radiowerbung war, also bevor er zu berühmt für solche Jobs wurde, hatte die Werbeaufsicht einmal siebenundvierzig Beschwerden erhalten, weil der Haftungsausschluss einer Bank, »Zinsen können steigen und fallen«, unanständig klingen würde.
    Sie sah an ihrer taillierten weißen Bluse und der grauen Nadelstreifenhose von DKNY herunter. Sie trug ihre Lieblingspumps von Kurt Geiger, aber Greg mochte es nicht, wenn sie hohe Absätze trug – außer im Sitzen oder Liegen.
    »Willst du nicht lieber wissen, was ich nicht anhabe? Ist vielleicht ein bisschen aufregender.«
    Er lachte. »Okay. Dann erzähl mir, was du heute Abend anziehst, wenn wir essen gehen.«
    Sie waren schon seit Jahren nicht mehr am Valentinstag essen gegangen. Es war schwierig, sich ganz romantisch tief in die Augen zu sehen, wenn alle anderen Frauen um einen herum Greg ebenfalls tief in die Augen sehen wollten und die paar, die das nicht wollten, mit ihren Handys Fotos von ihm machten.
    »Bist du sicher, dass du nicht lieber zu Hause bleiben willst? Wir könnten ein paar Muscheln essen und eine schöne Flasche Wein trinken.« Im Kühlschrank stand eine Flasche Prosecco, und bevor sie heute Morgen gegangen war, hatte sie noch seidene Rosenblüten auf dem Bett verteilt.
    »Ganz sicher. Und brezel dich ruhig richtig auf. Okay?«
    Saffy lächelte. »Klar.« Wenn sie die Mittagspause durcharbeitete, konnte sie etwas früher gehen, sich die Haare machen lassen und

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