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An den Gestaden von Chaldewallchan - Der Atem des Drachen (German Edition)

An den Gestaden von Chaldewallchan - Der Atem des Drachen (German Edition)

Titel: An den Gestaden von Chaldewallchan - Der Atem des Drachen (German Edition)
Autoren: Peter Wiebelt
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wir nicht vorher sterben.“ Wolf lachte, gab Sturm die Sporen und das Pferd jagte in schnellem Galopp auf die schneebedeckte Ebene hinaus.  
        
     
     
     
     
     
     
     
    II. Muriel
     
    Tief in den Katakomben der dunklen Festung stand Muriel zw i schen den Sarkophagen ihrer Schwestern. Ihr Körper und ihr Gesicht waren verhüllt von einem schwarzen, zerfledderten U m hang. Fast zärtlich strichen ihre Fingerspitzen über die steinernen Grabstätten.
    „Bald meine Schwestern, bald wird Elderwall fallen und der Schlüssel der Stadt wird uns die Freiheit bringen!“, murmelte sie.
    Das beeindruckende Mausoleum war in tiefe Dunkelheit g e taucht, die nur von dem fahlen Licht einer Öffnung erhellt wu r de, die sich hoch oben im Gewölbe befand. Der helle Strahl durchschnitt die Finsternis wie ein Messer und der Staub der Jahrhunderte schwebte schwerelos und glitzernd durch den Raum. Eine riesige, steinerne Drachenfigur mit weit ausgebreit e ten Schwingen bewachte mit strengem Blick die zwei Gräber der geliebten Schwestern Cassandra und Myriam, deren in Stein g e hauene Körper die schweren Abdeckplatten der beiden Ruhestä t ten zierten. Mit gefalteten Händen und geschlossenen Augen schienen sie mit der Ewi g keit eins zu sein, denn obwohl alles an diesem Ort den Jah r hunderten Tribut gezollt hatte, waren die schlafenden Bildni s se der Toten in einem tadellosen Zustand.
    Der Raum erfüllte sich mit einem leisen Flüstern.
    „So viel Selbs t vertrauen?“, wisperte eine Stimme, die von überall herzukommen schien.
    „Oh ja, ihr werdet sehen, diesmal werde ich euch nicht enttä u schen!“, sprach Muriel sanft.
    „Viele Male wurden deine Pläne zunichte gemacht und unsere Rache vereitelt, was macht dich so sicher?“
    „Ein alter Irrtum wurde heute für immer beseitigt!“
    „Du denkst, der Junge ist tot?“, sprach eine andere Stimme.
    „Meine besten Soldaten haben das Dorf im Dunkelwald dem Erdboden gleich gemacht!“
    „Das Kind lebt, Muriel!“,  hauchte die erste Stimme.
    „Nein, das ist unmöglich!“ Muriels Stimme wurde eindringl i cher.
    „Ein Söldner, namens Wolf, hat den Jungen gerettet und wird Elderwall bald erreichen!“, flüsterten beide Stimmen zusa m men.
    Muriels Zornesschrei erschütterte die altehrwürdigen Mauern und ließ den Boden erzittern, so dass selbst in der weitre i chenden Zeltstadt am Fuße der Festung ihr markerschütter n der Aufschrei zu vernehmen war und viele der erfahrenen Krieger, trotz ihrer von unzähligen Gefechten vernarbten Seelen, erschrocken inn e hielten.
    Auch die erschöpften Männer des eintreffenden Trupps verna h men das wütende Gebrüll. Ihre Pferde scheuten ängstlich und sie hatten sichtlich Mühe, die Tiere unter Kontrolle zu halten.
    Trajos, der Anführer der etwa fünfhundert Soldaten, stützte sich in den Sattel und drehte sich nach hinten.
    Stier und Adler, die direkt hinter ihm waren, erwiderten den fra-genden Blick ihres Befehlhabers und zuckten mit den Ac h seln.
    „Was für ein Willkommensgruß!“, murmelte Adler verächtlich und blickte zu Stier, der erschrocken seinen gewaltigen Krieg s hammer umklammerte.
    „Hey, Stier! Alles in Ordnung, Kumpel! Du bist weiß wie der Schnee unter den Hufen deines Gauls!“
    „Das war kein menschlicher Laut!“, entgegnete Stier und drückte seine Fersen leicht in die Seiten des Pferdes. Das Tier setzte sich langsam in Bewegung, wie auch der übrige Teil der Armee, der sich dann gemächlich, wie ein langer Wurm, durch die verwinke l ten Wege der Zeltstadt schlängelte.
     
    „Mäßige deinen Zorn Muriel, er ist unserer Sache nicht die n lich!“, sprach eine der Stimmen.
    „Bevor der Atem des Drachen unser ist und das Bannsiegel g e brochen werden kann, muss der Junge sterben!“, setzte die zweite Stimme ein.
    „Die Verantwortlichen werden bestraft!“, zischte Muriel. Ihr Umhang schwang in hohem Bogen über die Ruhestätten ihrer Schwestern, als sie sich ruckartig drehte und energischen Schrittes in der Finsternis des Raumes verschwand. Eine mächtige Eise n tür öffnete sich ächzend, um gleich darauf krachend wieder ins Schloss zu fallen. Muriel hetzte wortlos einen langen dunklen Gang entlang, während ihr Umhang knapp über dem Boden Wellen von Staub und Spinnweben mit sich riss. Sie stieg eine schmale We n deltreppe empor und lief, ohne anzuhalten, direkt durch die massive Mauer, die den Zugang zum Mausoleum ve r sperrte. Der Umriss ihres Kö r pers brannte sich in die Wand,

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