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Als ich noch der Waldbauernbub war - Arena Kinderbuch-Klassiker

Als ich noch der Waldbauernbub war - Arena Kinderbuch-Klassiker

Titel: Als ich noch der Waldbauernbub war - Arena Kinderbuch-Klassiker
Autoren: Arena
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Vorwort
    von Freya Stephan-Kühn
    A ls Peter Rosegger am 31. Juli 1843 in Alpl bei Krieglach in der Obersteiermark zur Welt kam, hätte sicher niemand gedacht, dass das kleine Kind in der Wiege einmal ein berühmter Schriftsteller werden würde. Dass er, der älteste von sieben Geschwistern, das Vieh hüten und den Vater beim Pflügen unterstützen würde, schon eher, denn er wurde in eine arme Bergbauernfamilie hineingeboren.
    Aber er war ein Knabe mit einem wachen Blick für seine Umwelt. So konnte er später, als er begann, Geschichten und Gedichte zu schreiben, so lebendig und mit einem Blick für das Bemerkenswerte im Alltäglichen von seinen Jugenderlebnissen in der »Waldheimat« berichten, dass er im gesamten deutschsprachigen Raum auch außerhalb Österreichs Anklang fand. Pädagogen nahmen seine Texte oft und gern in Lesebücher auf; als Volks-Rosegger standen Sammelbände mit seinen Geschichten unter dem Titel »Als ich noch der Waldbauernbub war« in vielen deutschen Bücherschränken.
    Roseggers gesammelte Werke, 1913–1916, zwei Jahre vor seinem Tod herausgegeben, umfassen vierzig Bände. Das meiste ist heute allenfalls noch Spezialisten bekannt, aber die Erzählungen aus seiner Jugendzeit wurden zu Klassikern der Kinder- und Jugendliteratur und sind es bis heute geblieben. Zugegeben, das sind keine Geschichten, die man aufschlägt und in einem Zug zu Ende liest. Es ist die Sprache des 19. Jahrhunderts und für die Norddeutschen hält sie manche überraschende Wendung und neue Vokabel wie »Germ« (Hefe) oder »Taschenfeitel« (Taschenmesser) bereit. Aber niemand, der sich auf die Lektüre einlässt, kann sich dem Charme, der Lebendigkeit und der Natürlichkeit dieser Erzählungen entziehen. Man lässt sich gerne entführen in die Mitte des 19. Jahrhunderts und erlebt staunend und amüsiert mit, wie der kleine Peter mit seinem Paten, dem Knierutscher Johann, seine erste Begegnung mit der noch neuen Eisenbahn und deren Tarifsystem macht, in dem Preise und Leistungen nicht ausgehandelt werden, sondern festgesetzt sind. Wir erfahren, wie allgegenwärtig der liebe Gott und seine Heiligen sind, wie aber die Anfechtungen des Bösen, etwa in Form des Kartenspiels, noch viel reizvoller, aber auch gefährlicher sein können. Wir erleben das raue, karge Leben des Bergwinters und zugleich die unendliche Geborgenheit, die ein Ofen spenden kann. Wir werden Zeuge des schwierigen Prozesses, in dem die Eltern, besonders der Vater, und das Kind ihre Rollen finden, und der trotz der Krisen bedingungslosen und unerschütterlichen Liebe, die eine intakte Familie ihren Mitgliedern zu geben imstande ist. Wir nehmen Anteil, wenn der »Waldschulmeister« seine Kinder zur Schulprüfung nach Krieglach führt und glänzend mit ihnen abschneidet, wenn er auch über den kleinen Peter Rosegger entschuldigend sagen muss: »Das ist halt von den Schwächeren einer.« Wir feiern mit dem Waldbauernbuben und seiner Familie Weihnachten und denken darüber nach, wie ein Nichts, das wir uns jeden Tag leisten können, den Alltag damals in einen himmlischen Glanz einzutauchen vermochte. Wir versetzen uns in den Buben, der über dem sehnsüchtigen Verlangen nach einem »Taschenfeitel« die tatsächlichen Freuden übersieht, der als ältester seinen Ruf unter den Geschwistern wahren muss und der, ums »Hasenöl« geschickt, wichtige Erfahrungen in Bezug auf Sein und Schein macht. Kurz, wir erleben, wenn auch in einer anderen Zeit und unter anderen Umständen, eigentlich alle Probleme mit, die uns selbst berühren. Wir, das sind die – so Peter Rosegger in dem 1897 erschienenen Sammelband »Waldjugend« – »jungen Leute von 15 bis 70 Jahren«, wobei man die Altersgrenze an beiden Seiten ruhig noch ein wenig ausdehnen sollte.
    Die Weihnachtserzählungen Roseggers stehen, da sie am schnellsten ein Eintauchen in die Welt des Verfassers ermöglichen, nicht zufällig am Anfang dieser Ausgabe. Peter Rosegger selbst und sein Verlag, der L. Staackman Verlag in Leipzig, haben die Erzählungen, die nach und nach ohne erkennbares Prinzip erschienen sind, mehrfach in Sammelbänden unter bestimmte, recht allgemeine Mottos wie »Waldjugend« oder »Als ich noch der Waldbauernbub war« gestellt. Die Auswahl in der Arena-Kinderklassikerreihe wurde unter dem Gesichtspunkt vorgenommen, ein Jahr im Leben des Waldbauernbuben zu dokumentieren. Und in der christlich-katholischen Umgebung, in der der Junge aufwächst, sowie angesichts der Bedeutung, die das

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