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Alien vs. Predator

Alien vs. Predator

Titel: Alien vs. Predator
Autoren: Marc Cerasini
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PROLOG
     
    Nord-Kambodscha,
    2000 v. Chr.
     
    Die ersten Strahlen des Sonnenlichts stachen durch den Baldachin des verzweigten Geästs. Vögel flogen empor und krähten der Dämmerung ihren Gruß entgegen. Ihre scharlachroten Flügel sprenkelten den blassen Himmel, während sie die harten, grauen Winkel einer massiven Steinpyramide überflogen. Ganz in der Nähe bebte die Luft von dem unablässigen Donnern des Flusses, der über eine gezackte Klippe strömte und dann auf die schartigen Felsen in der Tiefe stürzte.
    Am Boden des Dschungels, wo die dichte Vegetation das Grollen des Wasserfalls verstummen ließ, teilte eine feuchte Nase einen Wust aus Ranken und Ästen. Blätter tanzten und sandten ein knisterndes Rascheln hinab auf einen überwachsenen Pfad. Ein Wildschwein schnüffelte, dann horchte es. Mit einem zufriedenen Grunzen stach es aus dem Unterholz und sprang auf die Lichtung.
    Schwanzwedelnd trottete das Schwein auf einen Moosteppich nahe einiger uralter Bäume. Gierig schnüffelte es über den klammen, stinkenden Boden. Am gewundenen Stamm eines Mammutbaumes hielt es inne. Dann zitterte seine gefleckte Haut vor Aufregung und seine Vorderfüße gruben sich in die weiche, schwarze Erde, wo sie Pilzknollen und einen Knoten sich windender Würmer aus dem grünen Moos hervorbrachten. Schließlich begann das Tier, unter lautem Schnauben, seine Beute zu verschlingen.
    Hinter dem schlemmenden Schwein teilte sich abermals das Laub, diesmal ohne jedes Geräusch. Ein Paar erdbrauner Augen spähte durch die Öffnung im dichten Geäst und ihr Blick blieb auf der zuckenden Haut des Wildschweins haften. Funan, der Jäger, hob sein mit Farbe beschmiertes Gesicht gen Himmel. Genau wie das Schwein vor ihm beroch auch er die Luft und horchte.
    Makaken kreischten hoch oben und ein einzelner Vogel schrie auf, jedoch nicht zur Warnung. Auf den niederen Ästen sprangen und plapperten Baumaffen und ließen Zweige und Laub auf den Dschungelboden hinabregnen. Nahe der kühlen, feuchten Erde tummelten sich allerlei Insekten, schnarrten, surrten und wanden sich in den wabernden Fingern des Bodennebels.
    Funan lächelte. Er und seine Jagdkameraden hatten geduldig ihre Beute verfolgt. Die Zeit zu töten war beinahe angebrochen. Aber noch nicht jetzt. Erst, wenn Funan mit allen Bedingungen zufrieden war, würde er mit seiner sonnengegerbten Hand den Männern ein Signal geben.
    Wie Schatten aus dem Unterholz traten die Zwillinge Fan Shih und Pol Shih an Funans Seite. Wie ihr Anführer umklammerten auch sie hölzerne Speere mit beschlagenem Obsidian an der Spitze. Um für die Jagd getarnt zu sein, waren Gesicht, Oberkörper und Brust mit Asche abgedunkelt und mit braunem und grünem Schlamm bemalt. Beblätterte Ranken schlangen sich um ihre Arme und Beine und krönten ihre Köpfe.
    Ihre Hüften zierten Lendenschürze aus unbehandeltem Leder, an denen die Trophäen vorangegangener Jagden hingen – Schädel, Knochen, scharfe Zahnreihen und gebogene Krallen, die Dutzenden von Spezies gehörten. An den Kordeln um ihre Hälse baumelten Fellstücke, Federn und Quarze, magische Glücksbringer, die eine erfolgreiche Jagd versprachen.
    Während über ihnen eine Brise wehte, streichelte Funan einen getrockneten Affenschwanz, den er um den Hals trug und beroch erneut die Luft. Er konnte das Schwein riechen, die Vegetation und sogar den Fluss in der Ferne – aber sonst nichts. Dennoch waren seine Nerven angespannt und auch seine Männer schienen gereizt.
    Nie zuvor hatten sie so nahe am heiligen Tempel gejagt. Obwohl der Dschungel um die Steinpyramide vor Wild strotzte, hatten die Jäger diesen verbotenen Ort stets gemieden. Nur während der Zeit der Opfer, wenn die einheimischen Stämme ihren Göttern die jungen Männer und Frauen darboten, betraten die Menschen diesen Boden.
    Funan wusste, dass es rücksichtslos war, an einem Ort zu jagen, der so heilig war. Die Jagd sollte nun eigentlich ein Ende nehmen, aber er entschied anders und gab dem letzten Mitglied der Gruppe ein Signal.
    Ein Hüne von einem Mann namens Jawa trat gebeugt vor und duckte sich hinter einen Knoten gewundener Ranken. Er umklammerte einen langen Speer, der in seiner riesigen Hand winzig erschien, und eine massive Keule baumelte von dem ledernen Lendenschurz an seiner Hüfte. Wie die anderen hatte sich auch Jawa mit Schlamm und Pflanzenteilen getarnt und an seinem Gürtel hingen Bärenzähne und das Knochenstück einer großen Dschungelkatze. Seine mächtige Brust trug

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