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Al Wheeler und das unheimliche Haus

Al Wheeler und das unheimliche Haus

Titel: Al Wheeler und das unheimliche Haus
Autoren: Carter Brown
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erwischt, Mr.
Jones!« kreischte Bruno ekstatisch. »Sie haben ihn prima erwischt! Er war
derjenige, der...« Das Geschrei verwandelte sich schlagartig vom Ekstatischen
in nacktes Entsetzen, als die Maschinenpistole erneut aufbelferte.
    Der Lärm verstummte ebenso
plötzlich, wie er begonnen hatte, und Parson Jones wandte seinen Blick von dem
wild auf dem Boden um sich schlagenden Bruno ab und drehte sich zu uns um.
    »Damit wären die drei
erledigt«, sagte er mit schwerfälliger Befriedigung in der Stimme. »Jetzt ist
nur noch der Polyp da und...«
    «Zuerst sind Sie an der Reihe,
Parson!« fuhr ihn Lindstrom an und drückte gleichzeitig auf den Abzug seiner
Achtunddreißiger.
    Eine große Chance war es nicht,
aber bestimmt die einzige, die ich hatte. Während Lindstroms Aufmerksamkeit
völlig auf Parson konzentriert war, machte ich aus dem Stand einen Satz auf
Lindstrom zu. Ich prallte hart gegen ihn, und wir krachten beide auf den Boden.
    Während wir
übereinanderrollten, hörte ich erneut das entsetzliche Geknatter der
Maschinenpistole, übertönt von einem dünnen Schrei. Gleich darauf brach es kurz
ab.
    Lindstrom hatte seine Pistole
verloren, als er auf den Boden fiel, und somit waren wir als Gegner gleichwertig.
Wir rollten langsam weiter, einmal war der eine oben, dann der andere: boxend,
sämtliche Tricks anwendend, mit den Füßen stoßend, dann packte mich etwas an
der Schulter — und im nächsten Augenblick schlidderte ich über den Boden, und
zwar in entgegengesetzter Richtung von Lindstrom.
    Ich rutschte schließlich in
etwas Schweres hinein, das mich aufhielt, und später stellte ich fest, daß es
sich dabei um Sigmund Jones’ Leiche handelte. Die letzte Salve, die sein Vater
aus der Maschinenpistole abgegeben hatte, hatte eine säuberliche Reihe von
Löchern in die Brust seines Sohnes gebohrt.
    Ich schaffte es, auf die Knie
zu kommen, und blickte um mich, um herauszufinden, wer mich so mühelos von
Lindstrom getrennt und dann wie eine Bowlingkugel zehn Meter weit geschleudert
hatte.
    Sie stand da, den Rücken mir
zugewandt, und ihr dichtes lohfarbenes Haar breitete sich wie ein Fächer aus,
vom Kopf bis zur Taille hinab. In ihrem vom Hals bis zu den Füßen reichenden
weißen Nachthemd sah sie in dem trüben Licht der Garage mindestens drei Meter
groß aus—wie eine heidnische Rachegöttin. Sie schrie fortgesetzt wie ein
kleines Kind — es war ein pathetischer verzweifelter Laut, der ungestüm nach
Trost verlangte.
    »Böser!« jammerte Antonia in
steigender Hysterie. »Du hast Pop umgebracht! Du hast meinen Freund
umgebracht!«
    Während ich auf meine Füße
taumelte, sah ich, wie sie sich bückte und Lindstroms rechten Knöchel packte.
Dann richtete sie sich plötzlich auf und, ihn wie einen Dreschflegel
schwingend, schmetterte sie Lindstroms Kopf gegen die Garagenwand.
     
    Es dauerte eine Woche, bevor
Lavers auch nur ein Wort mit mir sprach. Er hielt das Ganze für meine Schuld.
»Wie ein Schlachtfeld«, sagte er, als er die Garage sah, und er hatte recht —
aber die Maschinenpistole war schließlich Lindstroms Idee gewesen.
    Wenn ich schon so klug gewesen
war und so viel über die ganzen Zusammenhänge im Haus gewußt hatte, warum, zum
Teufel, hatte ich nicht ein paar von ihnen festgenommen, bevor die Schießerei
anfing? So schrie er mich an und schob meinen Einwand, daß die Wahrheit
vermuten eine Sache und sie beweisen eine andere, wesentlich schwierigere wäre,
mit einer Handbewegung beiseite.
    Celeste hatte sich in ihrem
Zimmer in Sicherheit befunden und sich unter ihrem Bett versteckt, als ich schließlich
ins Haus zurückkam, und sie hatte mir geholfen, Antonia zu beruhigen, bevor
Lavers und die anderen eintrafen.
    Hinterher brachten sie Antonia
in eine Heilanstalt. Celeste, die sie ein paarmal besuchte, hielt sie dort für
völlig glücklich. Einer der Psychiater, der Antonia bei ihrer Aufnahme
untersucht hatte, sagte, es handle sich um eine unvermeidliche Tragödie, die
früher oder später einmal hätte stattfinden müssen. Wenn das Gemüt eines Kindes
von einer primitiven Gefühlsregung überwältigt wird, halten das die Eltern für
gewöhnlich unter Kontrolle. Als Antonias kindlich gebliebenem Geist dasselbe
zustieß, verfügte sie über ein ungewöhnliches Maß an physischer Kraft als
Werkzeug der Zerstörung.
    Der einzige Sonnenstrahl in
meinem Dasein war zu dieser Zeit Celeste. Sie konnte nicht allein im Haus
bleiben und wollte es auch nicht, und so zog sie vorübergehend in

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