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Äon - Roman

Titel: Äon - Roman
Autoren: Heyne
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Meter vor ihnen
standen mehrere Einsatzfahrzeuge der Polizei und gleich zwei Krankenwagen vor einem gepflegten Apartmenthaus. Ripper hielt genau darauf zu.
    »Jetzt bin ich gespannt.« Sebastian holte die IR-Kamera hervor und schoss einige Bilder durch die Windschutzscheibe, nur um sich in die richtige Stimmung zu bringen.
    Hinter ihm kam der Streifenwagen näher, und vorn wurde Ripper langsamer, aber nicht langsam genug: Er rammte das Heck eines am Straßenrand stehenden Streifenwagens. Der Knall war so laut, dass sie ihn selbst im Taxi hörten. Einige Uniformierte kamen aus dem Apartmenthaus und starrten wie ungläubig auf das Spektakel.
    »Halten Sie dort«, sagte Sebastian und deutete auf den Fünfziger, der es trotz der scharfen Kurven geschafft hatte, auf der Mittelkonsole liegen zu bleiben. »Fünfzig Mäuse für fünf Minuten Arbeit. Kein schlechter Stundenlohn.« Er öffnete die Tür und stieg aus.
    Hinter ihnen kam der Streifenwagen zum Stehen, und zwei Beamte sprangen heraus. Sebastian deutete auf den Taxifahrer. »Der Mann ist gemeingefährlich. Seien Sie auf der Hut.«
    Im Laufschritt eilte er zum schrottreifen Toyota, dessen Fahrertür gerade aufschwang. Ripper stieg aus, ein wenig lädiert und benommen, aber noch längst nicht außer Gefecht gesetzt. Die Kamera surrte und klickte in seinen Händen, während der Bursche schwankte und sich zu orientieren versuchte. Mehrere Polizisten näherten sich vom Apartmenthaus und sahen sich das zerknautschte Heck des Streifenwagens an. »Sind Sie übergeschnappt?«, wandte sich einer von ihnen an Ripper.
    »Das ist er, und nicht zu knapp!«, rief Sebastian den Beamten
zu und machte weitere Aufnahmen. Im Zoom sah er, wie ihm der Bursche aus dem Toyota einen seltsamen Blick zuwarf. Dann wankte er den Polizisten entgegen, die ihn argwöhnisch beobachteten und vermutlich für betrunken hielten.
    »Er hat mich gezwungen!«, ertönte weiter hinten die Stimme des Taxifahrers. »Wer weiß, was der Kerl mit mir gemacht hätte, wenn ich nicht so schnell gefahren wäre!«
    »Führerschein und Fahrzeugpapiere«, sagte einer der beiden Beamten.
    »He, Sie dort!«, rief der andere.
    Sebastian achtete nicht auf ihn, trat über den Bürgersteig und fotografierte die Szene: der in den Streifenwagen geknallte Toyota; dahinter weitere Einsatzfahrzeuge und die beiden Kran kenwagen mit eingeschalteten Blaulichtern; vor dem Eingang glotzende Zivilisten und Uniformierte.
    Ripper erreichte den ersten Polizisten, und aus dem wie betrunken torkelnden Mann wurde plötzlich ein Wirbelwind. Die eine Hand traf den Beamten mitten im Gesicht, und Blut spritzte aus der Nase; die andere riss die Pistole aus dem Gürtelhalfter.
    Sebastian hatte die Kamera halb sinken lassen und sah, wie der Mann dem Polizisten die Pistole unter die blutige Nase hielt. Stimmen erklangen, unter ihnen eine, die »Weg mit der Waffe! Lassen Sie die Waffe fallen!« rief. Zwei andere Beamte vom Apartmentgebäude, nur wenige Meter entfernt, hatten ihre Pistolen gezogen und auf den Irren gerichtet. Der schenkte ihnen überhaupt keine Beachtung, gab dem Entwaffneten einen Stoß, der ihn zurücktaumeln und stolpern ließ, wirbelte herum und stand nach einigen raschen Schritten vor Sebastian.

    Langsam ließ Sebastian die Kamera sinken und blickte in die Mündung der Pistole, nur zwanzig Zentimeter vor seinem Gesicht.

3
    Drisiano, Kalabrien
    I ch fürchte mich«, sagte der Junge, und seine Worte erstaunten den Priester. Sie standen in Drisianos kleiner Kirche vor dem Altar und blickten zu Jesus am Kreuz hoch. Es war einer der wenigen Momente, die Don Vincenzo ganz allein mit Raffaele hatte, und normalerweise genoss er sie.
    »Du fürchtest dich?«, fragte er erstaunt und legte dem Jungen besorgt die Hand auf die Schulter. »Wovor?«
    Der zart gebaute, neun Jahre alte Raffaele sah aus großen braunen Augen zu ihm auf. »Bald wird alles anders.«
    Don Vincenzo glaubte zu verstehen. Raffaele hatte Gottes besonderen Segen empfangen und brachte den Menschen, die zu ihm kamen, Seine Kraft. »Wenn Bischof Munari zurückkehrt …«
    »Das meine ich nicht«, unterbrach der Junge den Priester. »Ich werde mich verändern. Und du. Und Drisiano. Die ganze Welt.«
    Don Vincenzo nickte. Genau das hoffte er. »Du bist von Ihm ausersehen«, sagte er. »Was auch immer geschieht, es ist Sein Wille.«
    Raffaele blickte erneut zum Gekreuzigten hinter dem Altar. »Alles?«

    »Ja, mein Junge. Du bist Sein Bote auf dieser Welt, und sie braucht

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