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Äon - Roman

Titel: Äon - Roman
Autoren: Heyne
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Beifahrersitz eines Opel Vectra. Im gleichen Augenblick rauschte ein dunkler Toyota vorbei.
    »Folgen Sie dem Wagen«, sagte Sebastian.
    »Zu viele Krimis gesehen, wie?«, scherzte der Fahrer, startete den Motor und legte den ersten Gang ein.
    »Im Ernst.« Sebastian zeigte durch die Windschutzscheibe in Hamburgs kalte, verregnete Nacht. Der Japaner hatte bereits die Kreuzung erreicht und bog dort nach links ab, ohne Blinker und ohne auf den Gegenverkehr zu achten. »Folgen Sie dem Wagen, na los.«
    Sebastian holte einen Fünfziger hervor - der Abend wurde teuer -, und der Fahrer gab Gas.
    Als sie die Kreuzung erreichten und dort ebenfalls nach links abbogen, setzte der Japaner gerade zurück und ließ einen halb demolierten Ford Focus am Straßenrand stehen. Ripper gab Gas und fegte wieder los.
    »Hören Sie, ich möchte keinen Ärger«, sagte der Taxifahrer und warf Sebastian einen skeptischen Blick zu.
    Sebastian legte den Fünfziger auf die Mittelkonsole. »Sie kriegen keinen Ärger, sondern fünfzig Euro und Abwechslung. Was wäre das Leben ohne ein wenig Aufregung?«
    Die Fahrt ging nach Süden, in Richtung Altona und St. Pauli, und wie sich herausstellte, war der Taxifahrer kein zweiter Michael Schumacher. Er hatte alle Mühe, dem Irren im Toyota zu folgen, erst recht, als der Verkehr dichter wurde. Eigentlich verlor er ihn nur deshalb nicht aus den Augen, weil der Typ auf der regennassen Fahrbahn mehrmals ins Schleudern geriet und gegen andere Wagen prallte.

    »Was ist mit dem Kerl los?«, fragte der Taxifahrer und raste im Zickzack über eine zweispurige Straße. Mehrere überholte Fahrzeuge hupten. »Betrunken?«
    »Ich glaube nicht«, sagte Sebastian und versuchte, die Rücklichter des Toyotas im Lichtermeer des Verkehrs nicht aus den Augen zu verlieren. »Einfacher Irrsinn ohne chemische Hilfe.«
    Der Fahrer sah kurz zur Seite, noch mehr Skepsis im Gesicht.
    »Im Gegensatz zu mir«, sagte Sebastian. »Ich habe was getrunken.«
    Vorn sprang die Ampel auf Gelb.
    »Lassen Sie sich jetzt bloß nicht abhängen«, warnte Sebastian, als der Toyota über die Kreuzung schoss und fast einen Motorradfahrer rammte. Das Heck prallte gegen einen Pfosten, aber das kümmerte den Irren am Steuer nicht. Er gab erneut Gas und bog nach links.
    Die Ampel zeigte Rot. Der Taxifahrer zögerte nur eine Sekunde und entschied dann, den Fuß auf dem Gas zu lassen. Sie klatschten durch eine große Pfütze mitten auf der Kreuzung, und der Gegenverkehr setzte sich in Bewegung, noch bevor sie die gegenüberliegende Seite erreichten.
    Sebastian stellte fest, dass der Taxifahrer zu schwitzen begonnen hatte.
    Sie rauschten an dem verbogenen Pfosten und einem großen Mercedes vorbei, dessen Fahrer erst versuchte, seine Vorfahrt zu erzwingen, dann aber um seinen teuren Stern fürchtete und so plötzlich bremste, dass der Hintermann fast in seinem Kofferraum gelandet wäre. Ein wildes Hupkonzert ertönte hinter ihnen, und dann erklang auch noch eine
Sirene. Sebastian sah in den Außenspiegel auf der Beifahrerseite.
    »Polizei«, sagte der Taxifahrer.
    Sebastian deutete nach vorn. »Wir bleiben am Ball.«
    »Ich habe keine Lust, meinen Führerschein zu verlieren«, sagte der Taxifahrer und nahm ein wenig Gas weg.
    »Sagen Sie einfach, ich hätte Sie gezwungen. Na los, Mann, lassen Sie ihn nicht entwischen!«
    Der Fahrer gab wieder Gas und überholte. Hinter ihnen erklang weiter die Sirene, und ein Blaulicht blinkte.
    »Was soll dieser Unsinn?« Der Taxifahrer überholte erneut; diese Manöver fielen ihm jetzt leichter, denn Martinshorn und Blaulicht veranlassten die anderen Fahrzeuge, an den Straßenrand auszuweichen. »Warum sind Sie überhaupt hinter dem Burschen her?«
    »Der Kerl hat meine Frau gebumst«, sagte Sebastian, dachte an Anna und fragte sich, warum er ausgerechnet diese Antwort gab. Vielleicht lag es am Alkohol. Zwei große Bier und ein Whisky auf nüchternen Magen waren selbst für ihn eine ganze Menge. »Dafür möchte ich ihm den verdammten Schwanz abschneiden.«
    »Im Ernst?« Der Taxifahrer sah erschrocken zur Seite und fragte sich vermutlich, wer verrückter war: der Stock-Car-Fah - rer im Toyota oder der Angetrunkene auf dem Beifahrersitz.
    »Was würden Sie tun?«, fragte Sebastian und genoss sein Entsetzen.
    Der Taxifahrer sah wieder nach vorn. »Lieber Himmel«, murmelte er und beschleunigte, als könnte er auf diese Weise die Distanz zu dem Mann an seiner Seite vergrößern.
    »Was ist denn da los?« Etwa zweihundert

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