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~900 Meine Reise auf dem spanischen Jakobsweg. (German Edition)

~900 Meine Reise auf dem spanischen Jakobsweg. (German Edition)

Titel: ~900 Meine Reise auf dem spanischen Jakobsweg. (German Edition)
Autoren: Dennis Welz
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Hilfe, ich bin ein Kontrollfreak. Vorbereitungschaos.
    Dienstag: Es gibt viele Dinge, die Frauen besser können als Männer. Schuhe kaufen gehört dazu. Wie sie das machen weiß ich nicht. Ich stehe schon stundenlang vor einem recht kleinen Regal und weiß nicht weiter. Schuhe über Schuhe. Leichte Schuhe und schwere, Halbschuhe, Stiefel, braune, graue, Leder oder Stoff. Ein nervöser Tick bringt mich dazu an meinen Fingernägeln zu knabbern. An dem Bisschen, was noch von ihnen über ist. Der Tag geht dem Ende entgegen, die Stunden sind verschwunden und eigentlich wollte ich nur kurz Schuhe für meinen Pilgerweg erwerben. Nur kurz . Innerlich lache ich über meine eigene Dummheit. Das Augenrollen der Verkäufer kann ich hören, so laut ist es geworden. Ich muss mich nicht umdrehen, um zu sehen, dass auch sie langsam verzweifelt sind. Wie viele Paare ich anprobiert habe kann ich nicht mehr sagen. Inzwischen bin ich so durcheinander, dass ich nicht einmal mehr weiß, welche ich vor einer Stunde schon probiert habe. Ich sortiere mich vor meinem inneren Auge. Und habe einen Blackout.
    Erst zuhause wird mir klar, dass ich gerade mehr Geld für ein Paar Schuhe ausgegeben habe, als sonst in einem ganzen Jahr für Klamotten überhaupt. Der Dielenboden knarzt als ich ein paar Mal hin-und herlaufe. Meindl. Borneo. Zu klein. Moment mal. Habe ich gerade zu kleine Schuhe gekauft?! Sie drücken. Ich seufze. Schnüre um. Sie drücken noch immer. Ich bekomme eine Sinnkrise. Das können nämlich auch Männer ganz gut.
    Am nächsten Tag stehe ich im gleichen Laden, tausche die Schuhe um. Ich brauche ein Sonderformat. Wie es scheint habe ich Quadratlatschen. Man könne die Schuhe zwar bestellen, das dauere aber mindestens zwei Wochen, versichert mir man. Ich kann nur noch müde nicken. Dass Outdoorgeschäfte zu meiner zweiten Heimat werden würden, hatte mir niemand verraten, als ich mich 2007 dazu entschied den Jakobsweg zu gehen.
     
    Mittwoch: Ich wiege Gegenstände. Minimalismus ist meine neue Lebenseinstellung. Die Isomatte (320g). Der Wanderführer (120g). Eine Hose (115g). Selbstbefüllte, sehr kleine, Flaschen mit Duschgel und Shampoo (Gewicht noch unbekannt). Für heute habe ich mir extra eine Wage geliehen. Gerade wiege ich zum vierten mal. Untersuche den kleinen Haufen an Habseligkeiten so penibel ich kann auf Größe, Form, vor allen Dingen aber auf das Gewicht. Wo kommt das ganze Gewicht eigentlich her?! Das Handtuch (125g) riecht neu, ein wenig nach Chemie und es fühlt sich völlig falsch an. Kein Naturprodukt, unbenutzt, unpersönlich. Aber sehr klein, sehr leicht – Grundvoraussetzung für alles was ich mitnehme. Vielleicht bin ich ein wenig zu penibel … achwo! … das muss sicher so sein. 10,58 Kilo … nein das ist zu viel, so geht das nicht. Ich packe aus. Und wiege erneut. Sortiere aus, was ich nicht wirklich dringend brauche. Vielleicht sollte ich doch noch den Stiel der Zahnbürste absägen (5 Gramm).
     
    Freitag: Mir ist schlecht. Zum zweiten Mal an diesem Tag. Vielleicht habe ich zu viel am Computer gesessen, vielleicht ist es aber immer noch die Unsicherheit. Der Orangensaft schmeckt leicht abgestanden. Das Glas habe ich nur zwei Mal angerührt. Ich kann kaum etwas zu mir nehmen. Habe ich vielleicht doch etwas vergessen? Meine Augen tränen als ich die Liste auf meinem Monitor durchgehe. Nein, es ist alles da. Oder?! Ich lese noch einmal. Ich kann nicht anders, auch wenn ich es besser weiß. Der Schlafsack ist zu schwer, aber er ist warm. Warum habe ich eigentlich Angst davor nachts zu frieren? Mein Notizbuch ist auch nicht leicht, aber auf den Platz für meine Gedanken möchte ich nicht verzichten. Es ist ein stetiges Bestimmen. Bestimmen was ICH wirklich brauche, was mir auf der Reise wichtig ist. Jemand anders kann mir nicht helfen. Die Vorschläge von völlig Fremden aus dem Internet helfen mir kaum. Sie zeigen mir nur, dass ich nicht alleine bin in meiner Verwirrung. Und dass ich mich wohl oder übel entscheiden muss. Letztendlich einfach entscheiden. Noch nie bin ich so lange weg von daheim gewesen, mit so wenig Gepäck. Eine kleine Fliege ertrinkt gerade im Orangensaft. Ich bemerke es kaum, rechne meine Gewichtsliste nach. Schon wieder.
     
    Montag: Der Apotheker schaut mich fassungslos an. „Das haben sie vergessen?!“. Ich zucke mit den Schultern. Kann ja mal passieren. Dass ich gegen Wespenstiche allergisch reagiere ist mir natürlich nicht neu, doch hat es mir auch nie Probleme bereitet eben

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