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50 - Deutsche Helden, Deutsche Herzen 02 - Die Königin der Wüste

50 - Deutsche Helden, Deutsche Herzen 02 - Die Königin der Wüste

Titel: 50 - Deutsche Helden, Deutsche Herzen 02 - Die Königin der Wüste
Autoren: Karl May
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ERSTES KAPITEL
    Ein Mordanschlag
    Said war langsam seines Weges fortgegangen. Da, als er außerhalb der Stadt angelangt war, hörte er plötzlich in einiger Entfernung vor sich Stimmen, deren Klang auf etwas Ungewöhnliches deutete. Er lauschte, und bald sah er das Licht einer Laterne aufleuchten und hörte folgende Worte:
    „Ich bin Lord Eaglenest.“
    Da die früheren Worte französisch gesprochen worden waren, hatte er sie nicht verstanden. Das Wort ‚Lord‘ aber fiel ihm auf. Er schlich sich daher eiligst hinzu, legte sich auf den Boden nieder und wurde nun Zeuge der Arretur des Engländers.
    Behutsam folgte er den Leuten, die den Lord abführten, bis an die Hütte, in die sie alle hineingingen. Er selbst trat an die Öffnung, die als Fenster diente, und blickte hinein. Da sah er den Lord gefesselt am Boden sitzen. Said begriff den Vorgang zwar nicht vollständig, aber doch das eine, daß der Lord sich in augenscheinlicher Gefahr befinde. Das war genug für ihn. Hatte er bereits so viel Zeit versäumt, kam es auf noch eine Stunde auch nicht an. Sofort eilte er also nach der Stadt, und zwar nach dem Gasthof. Dort erfuhr er zu seinem Erstaunen, daß die beiden Freunde trotz der späten Zeit noch ausgegangen seien.
    Von ihnen hatte er Beistand erwartet. Was war nun zu tun? Said durfte, wenn er wirklich Hilfe bringen wollte, keine Minute versäumen. Zur Polizei also!
    So rannte er denn nach dem Palast des Bei, wo, wie er wußte, zu jeder nächtlichen Stunde Kawassen genug zu finden waren. Er war so klug, dort keinen Namen zu nennen; er wußte ja nicht, auf welche Weise der Engländer in diese gefährliche Lage gekommen war. Said hatte drei Frauenzimmer dabei gesehen, da war es jedenfalls besser, das Wort ‚Lord‘ gar nicht auszusprechen.
    Darum berichtete er nur, daß ein Mann von Mördern angefallen und nach einer Hütte in den Ruinen geschleppt worden sei, um dort abgewürgt zu werden, und bot sich der bewaffneten Macht als Führer an.
    Er mußte seinen Bericht erst mehrere Male umständlich wiederholen, ehe man ihm rechten Glauben schenkte; dann aber machte sich ein Tschausch-sabtieh (Polizeifeldwebel) mit zehn seiner Untergebenen, die er bis unter die Nase bewaffnete, sofort auf den Weg, um die Mörder abzufangen.
    Der Befehlshaber fing es dabei gar nicht übel an.
    Er machte einen Umweg, um von der Seite zu kommen, von woher diese Leute keine Störung erwarteten. Es war ja sehr leicht möglich, daß sie einen Sicherheitsposten ausgestellt hatten.
    Bald näherten sich die Polizisten, ohne bemerkt zu werden, der Hütte, wo ihr Anführer, nachdem er durch die Fensteröffnung geblickt und den Gefesselten erkannt hatte, Said mit den geflüsterten Worten: „Es ist gut! Du hast die Wahrheit gesagt und kannst nun gehen!“ entließ.
    Said seinerseits war gar nicht unzufrieden mit dieser Weisung und ging. Er konnte nun zu seinem Herrn, der sicher nicht eher zur Ruhe ging, als bis er ihm Bericht erstattet hatte.
    Der Polizist hörte durch das Fensterloch jedes Wort, das im Innern der Hütte gesprochen wurde. Soeben sagte einer, den er nicht sehen konnte:
    „Jetzt ist die halbe Stunde vorüber. Also sag, was du beschlossen hast!“
    Der Gefangene antwortete nur dadurch, daß er einen verächtlichen Blick nach der Richtung warf, aus der die Stimme erschollen war.
    „Gibst du tausend Franken für eine jede meiner Töchter oder nicht?“
    „Nein!“
    „Du unterzeichnest dein Todesurteil!“
    „Hätte ich nur meine Hände frei, so wollte ich noch etwas ganz anderes zeichnen, nämlich euch, ihr Schurken!“
    „Ganz wie du willst! Anstatt nachzugeben, beleidigst du uns. Du sagst, daß wir gar nichts empfangen würden; aber wir werden uns wenigstens das nehmen, was du bei dir trägst. Sucht ihn aus!“
    Der Lord sprang schnell vom Boden auf, obgleich seine Hände gefesselt waren. Der Schiefäugige faßte ihn beim Arm, aber der Engländer schleuderte ihn von sich ab und trat ihm mit dem Absatz so auf den Unterleib, daß er zusammenbrach.
    „Erstecht ihn! Erschießt ihn! Schlagt ihn tot!“ erklangen dann die zornigen Rufe im Innern.
    Da aber krachte die Tür unter den Kolbenstößen zusammen, und zehn Gewehrläufe wurden sichtbar.
    Die Insassen der Hütte stießen einen Ruf des Schrecks aus; der Engländer aber meinte ruhig:
    „Hm! Ja! So etwas lag mir in den Gliedern. An das Ersäufen habe ich gar nicht geglaubt.“
    Da trat auch schon der Polizist unter dem Schutz der Waffen seiner Leute herein, musterte die

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