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313 - Der verlorene Pfad

313 - Der verlorene Pfad

Titel: 313 - Der verlorene Pfad
Autoren: Stephanie Seidel
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die einer Kriegerin nicht geziemte.
    Umso erstaunlicher, dass Juefaan darauf bestand, dass sie und Rulfan sich auf den Weg zum Südpol machten; jetzt, da er gerade seinen Vater gefunden hatte. Er brachte damit ihr zuliebe ein großes Opfer. Und sie war ihm unendlich dankbar dafür.
    ***
    »Bist du so weit, Pat?«
    »Kann losgehen, Rulfan!«, antwortete Patrick Pancis, der Techno und Rulfans Partner, der sich die meiste Zeit über in Stuart Castle aufhielt, um König Jed zu beraten. Er trat an die Gondel heran und sah zu Rulfan hoch, der die Instrumente des Luftschiffs ein letztes Mal kontrollierte. »Ich habe so viele Gasflaschen wie möglich untergebracht und dafür an sonstigem Gewicht eingespart, was möglich war. Ich hoffe, der Vorrat reicht für den Flug über den Atlantik. Proviant und Wasser werdet ihr unterwegs auffrischen müssen.«
    Es war ein sonniger Wintermorgen. Das Luftschiff schwebte bepackt und mit geblähtem Ballon einen halben Meter über dem Boden. Noch hielten die Taue es am Platz. Doch in wenigen Minuten würde die JUEFAAN – so hatte Rulfan zur Freude des Jungen das Luftgefährt getauft – abheben zu ihrem großen Flug.
    Rulfan warf einen Blick auf Aruula, die sich draußen von Juefaan verabschiedete, und er lächelte, als er sah, wie sie es tat. Vermutlich drohte sie ihm mit Orguudoos Fegefeuer, wenn er sich in Myrials Obhut nicht ordentlich benahm.
    Nun hieß es von seiner frisch Angetrauten Abschied zu nehmen. Er konnte es immer noch nicht recht glauben, dass sie Juefaans Bitte und der Reise zugestimmt hatte.
    Rulfan öffnete die Luke der Gondel und ließ sich zu Boden gleiten. Dann ging er zu seiner Frau und dem Baby hinüber. »Geht es dir gut?«, fragte er leise und strich ihr dabei sacht über die Wange.
    »Es geht schon.« Myrial nickte tapfer. »Ich werde dich vermissen!«
    »Ich dich auch. Mehr als du denkst!« Er zwinkerte ihr zu. »Ich fange jetzt schon damit an!«
    Die beiden küssten sich zärtlich. Baby Leonard wehrte sich nörgelnd gegen die plötzliche Enge. Rulfan nahm den Kleinen sacht aus Myrials Arm und küsste auch ihn. »Mach’s gut, mein Schatz! Ich bin bald wieder da, und dann möchte ich keine Klagen über dich hören, verstanden?«
    Er gab das Kind an Myrial zurück, und sie lächelte unter Tränen. »Geh schon«, sagte sie, »bevor ich es mir anders überlege!«
    Rulfan nickte stumm. Ein letzter Kuss, ein paar Schritte rückwärts, traurige Augen. Dann drehte er sich um und sah nach Aruula. Die hatte ihre Ansprache an Juefaan beendet. Rulfan wandte sich dem Jungen zu, legte ihm eine Hand auf die Schulter und sagte: »Schade, dass du nicht mitkommen kannst, du kleiner Held. Aber ich verspreche dir: Wenn ich zurück bin, fliegen wir so manche Runde über die Highlands. Nur du und ich!« Er zauste Juefaans Haar. »In der Zwischenzeit pass gut auf Myrial und deinen Bruder auf!«
    Juefaan schluckte schwer. Der Abschied ging ihm nahe. Gleichzeitig wusste Rulfan, wie froh Juefaan darüber war, hier ein neues Zuhause gefunden zu haben. Er schien zu einer Rede ansetzen zu wollen, aber der Kloß in seinem Hals hinderte ihn daran. So sah er nur mit glänzenden Augen zu Rulfan auf und sagte krächzend: »Das mach ich... Vater!«
    ENDE

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