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209 - Die fliegende Stadt

209 - Die fliegende Stadt

Titel: 209 - Die fliegende Stadt
Autoren: Susan Schwartz und Jana Paradigi
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Außerdem sollte er nicht gleich schwarzsehen.
    Vielleicht war es nur ein relativ harmloser Infekt.
    Mit selbst verordneter Zuversicht stapfte Matt weiter den Hang hinauf, und sein weißhaariger Freund folgte ihm.
    Je höher sie stiegen, umso karger gestaltete sich die Landschaft. In der vergangenen Woche, nachdem die Wüste hinter ihnen lag, hatten sie sich durch den Dschungel geschlagen, erst mit dem Rouler, schließlich zu Fuß, umgeben von saftig grüner Flora. Farbenprächtige Blüten hatten ganze Armeen von Insekten angelockt, bei einem Klima, das einem türkischen Dampfbad alle Ehre gemacht hätte.
    Nicht nur Rulfan und Matt hatten um die Wette geschwitzt, auch die Blätter schienen jeden kostbaren Tropfen Wasser, den sie aus der Erde gesaugt hatten, wieder auszudünsten. Dazu kam die enorme Kraftanstrengung, sich durch das dicht gewachsene Unterholz vorwärts zu kämpfen, immer Richtung Westen – dem Victoriasee entgegen, wo das Zentrum von de Roziers Reich liegen sollte.
    Die Angst um seine Geliebte hatte Matt unermüdlich angetrieben. War Aruula wirklich freiwillig mit Daa’tan gegangen? Was hatte sein viel zu schnell erwachsen gewordener Sohn, der über unheimliche Pflanzenkräfte verfügte, mit ihr vor? Mit Schaudern erinnerte sich Matt an die meterhohen Ranken, die ihre Dornen auf Daa’tans Befehl hin in seinen Körper geschlagen hatten. Damals am Uluru hatte Rulfan ihn gesund gepflegt; wer weiß, wie es sonst ausgegangen wäre. [2] Als Matt schließlich durch eine Lücke im Blätterdach des Regenwalds den Gebirgszug entdeckt hatte, der sich parallel ihrer Route nach Südwesten schlängelte, hatten er und Rulfan sich ohne große Diskussion für einen Aufstieg entschieden.
    Erstens, um von oben ihren Blick in die Ferne richten zu können und nach einer der sagenumwobenen Wolkenstädte Ausschau zu halten. Und zweitens, um dieser schwülwarmen, verwachsenen Dschungelatmosphäre zu entfliehen, die ihnen auf Dauer alle Kräfte entzog.
    Bald war das Dickicht lichter geworden, die Luft trockener.
    Dornengestrüpp und knorriges Buschwerk säumten den schmalen Trampelpfad, dem sie von nun an stetig bergauf folgten. Die Schlangen, Vögel und Insektenschwärme waren im Dschungel zurückgeblieben – so abrupt, als hätte man im botanischen Garten den Ausstellungsraum gewechselt.
    Aber auch am Hang gab es Leben, das auf sie aufmerksam geworden war. Immer wieder raschelte es in den Büschen, blitzten kleine neugierige Augen unter den Sträuchern auf.
    Statt Mücken segelten nun handtellergroße Schmetterlinge vorbei. Insgesamt betrachtet ein Paradies, nach all den Monstern und lebensfeindlichen Landschaften.
    Nach einer weiteren Stunde Aufstieg erreichten sie den Kamm der Gebirgserhebung. Moosbewachsene Felsbrocken türmten sich auf der Plateauebene. Der Nachmittagshimmel über ihnen strahlte in wässrigen Gelb- und Orangetönen, durchzogen von Wolkenschleiern. Die Sicht war diesig.
    Matt hielt den Atem an und auch Rulfan verschluckte für einen Moment sein Keuchen, als ihre Blicke auf das riesige Gebilde fielen, das einige Kilometer entfernt neben einem See in der Luft hing. Sie verharrten in Ehrfurcht vor dem so majestätischen wie bizarren Anblick: Die etwa drei- bis vierhundert Meter über der Erde schwebende Stadt bestand aus einer Vielzahl an Plattformen auf verschiedenen Stockwerken, mit zeltartigen Häusern darauf, Verbindungsstegen, Brücken, Tauen und Streben – so weitläufig, dass Tausende von Menschen darauf Platz finden mussten.
    Getragen wurde das Ganze von etlichen großen Ballons, die durch Seile mit den Rändern jeder Plattform verbunden waren.
    Viele Ankertaue und ein voluminöser Schlauch in der Mitte hielten die Stadt am Boden fest. Matt vermutete, dass die Ballons über diesen Schlauch mit vulkanischen Gasen – unter anderem Methan –, die aus dem Erdinneren gezapft wurden, befüllt wurden. Dafür sprach auch die Vulkankette am Horizont. Hier könnte durch den Einschlag des Kometen ein Hot Spot entstanden sein, den die Stadt angezapft hatte.
    »Haben wir den Victoriasee schon erreicht?«, unterbrach der Albino nach einiger Zeit ihr Schweigen.
    »Kaum.« Matt blinzelte. »Mein Wissen über die geografischen Gegebenheiten des schwarzen Kontinents ist alles andere als vollständig, und ›Christopher-Floyd‹ wird seinen Teil beigetragen haben, die Landschaft zu verändern. Trotzdem kann dies unmöglich der Victoriasee sein, dafür ist er nicht groß genug. Ich kann mir auch nicht vorstellen,

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