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1809 - Werwolf-Falle

1809 - Werwolf-Falle

Titel: 1809 - Werwolf-Falle
Autoren: Jason Dark
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war nicht allein, ganz und gar nicht. Es gab die Tiere des Waldes, die, wenn sie nicht schliefen, unterwegs waren. Das hatte Helene bereits bemerkt, denn die Tiere waren bis dicht an die Hütte und an die Tür gekommen. Sie hatten gekratzt oder andere Laute von sich gegeben, aber keinem Tier war es gelungen, in die Hütte einzudringen.
    Sie hatte keine andere Wahl, als abzuwarten oder sich in ihr Schicksal zu ergeben.
    Die vor ihr liegende Nacht sollte eine Entscheidung bringen, und sie hoffte, dass sie den Morgen noch als lebendiges Wesen erlebte. Denn bei einem Typ wie dem Maskierten konnte man nie wissen …
    ***
    Ich schaute Harry Stahl an, und er blickte mir ins Gesicht. »Man soll nie denken«, sagte er.
    »Was meinst du damit?«
    »Dass etwas beendet ist. Siehst du ja bei uns. Der letzte Fall ist unter Dach und Fach, und schon hängt einem ein neuer Job am Hals. Dazu noch eine Werwolf-Sache.«
    »Zweifelst du daran?«
    Harry schob seine Unterlippe vor. »Ja, daran zweifle ich, will ich dir ehrlich sagen. Aber wir haben in den sauren Apfel gebissen und müssen ihn jetzt auch essen.«
    »Du sagst es.«
    Ich war ebenfalls der Meinung, dass man uns etwas untergeschoben hatte. Aber Harry Stahl hatte sich gegen den neuen Job nicht wehren können. Passiert war so gut wie nichts. Wir hatten den anderen Fall erledigt und waren in einen neuen Ort gefahren, der rund fünfzig Kilometer entfernt weiter östlich lag.
    Hier sollte es passiert sein. Hier hatte man einen Werwolf gesehen oder gehört. Oder auch beides. Ob das stimmte, war die große Frage. Ich für meinen Teil glaubte nicht so recht daran. Auch Harry Stahl war skeptisch. Aber er hatte seine Order erhalten und konnte nicht ablehnen. Also machten wir weiter. Und ich wollte ihn nicht allein lassen. Mit London hatte ich bereits telefoniert und das Okay bekommen.
    In dieser Gegend waren die Berge höher. Wir sahen auch den Schnee auf den Gipfeln und an den Nordhängen liegen. Urlauber gab es hier sowohl im Sommer als auch im Winter. Es war eine Gegend, in die man gerne fuhr, und der höchste Berg des Harzes, der Brocken, war überall präsent. Egal, ob man ihn in natura sah oder auf Ansichtskarten, Schnapsfläschchen und Kissen, Decken und Wanderabzeichen.
    Harry Stahl hatte mit den uniformierten Kollegen telefoniert und sie über sein Kommen in Kenntnis gesetzt. Man hatte ihm versprochen, uns eine Unterkunft zu besorgen, und ansonsten würde fast alles so sein wie beim letzten Fall. Davon ging ich aus. Nur dass dieser Ort größer war und es in ihm auch eine Polizeistation gab, die allerdings zu dieser Zeit mit nur einem Kollegen besetzt war.
    Kurz bevor wir den Ort erreichten, hielt Harry seinen Opel Insignia an und griff zum Telefon.
    »Wen willst du sprechen?«, fragte ich und gähnte, weil ich mich irgendwie müde fühlte.
    »Den Kollegen. Ich hatte ihm versprochen, mich zu melden, wenn wir so gut wie da sind.«
    »Alles klar. Ich steige aus.«
    »Und dann?«
    »Vertrete ich mir die Beine.«
    »Tu das.«
    Ich verließ den Wagen und ging ein paar Schritte zur Seite. Dann blieb ich stehen und schaute auf den Ort, der im Tal lag, aber schon so hoch, dass nicht aller Schnee getaut war. Auf manchen Dächern schimmerte es noch, als wären sie mit Zuckerguss versehen.
    Harrys Kollege hieß Walter Rüger. Ich war gespannt, wie er darauf reagierte, wenn wir ihm von diesem Werwolf erzählten, den auch wir noch nicht gesehen hatten. Bestimmt würde er nicht jubeln, sondern uns für Spinner halten.
    Aber das musste sich erst noch herausstellen. Sollte es tatsächlich einen Werwolf geben und wir nicht reagierten, dann wäre das schlimm gewesen. Auch auf die Gefahr hin, dass wir uns lächerlich machten, wir mussten der Spur nachgehen, falls sie überhaupt eine war. Aber alles der Reihe nach.
    Naturfreunde konnten sich hier über die klare Luft freuen und sie tief in die Lungen saugen. Auch ich holte mir einige Nasenlöcher voll Harzluft, bis ich die Stimme meines deutschen Freundes hörte.
    »Es ist alles klar, John. Du kannst wieder einsteigen.«
    »Danke.« Ich ließ mich auf den Beifahrersitz fallen und fragte: »Erfolg gehabt?«
    »Ja. Aber anders, als ich dachte.«
    »Da bin ich mal gespannt.«
    »Der Kollege Rüger war zwar da, aber wir werden noch nicht zu ihm fahren, weil er einen dringenden Termin hat. Eine Vertretung hat er nicht, und so muss er alles allein erledigen. Deshalb fahren wir zuerst zu unserer Pension. Der Weg wurde mir beschrieben. Das Haus liegt in

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