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1776 - Endreddes Unterwelt

Titel: 1776 - Endreddes Unterwelt
Autoren: Unbekannt
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Wachsamkeit, in der Hand einen schußbereiten Strahler.
    Die Grenze war erreicht. Bis zu diesem Ort war man bereits einmal vorgedrungen, jetzt wurde Neuland betreten.
    Mit ruhiger Gelassenheit hatte Arlo Rutan die Führung übernommen. Als Ertruser, der sich begriff als jemand, der in der Tradition der Kasoms, sowohl Vater als auch Sohn, stand, konnte er wohl nicht anders, als das größte Risiko bei dieser Aktion auf sich zu nehmen.
    Kentok Mirkom grinste, als ihm bewußt wurde, daß er zum Teil in den gleichen Bahnen dachte wie Arlo Rutan: Wenn man so kräftig war wie ein Überschwerer oder Ertruser, entwickelte man gegenüber den meist schwächeren anderen Galaktikern fast Beschützerinstinkte.
    Arlo Rutan holte tief Luft, drehte sich um und überblickte rasch seine Schäflein.
    „Also vorwärts!" stieß er hervor, für einen Ertruser flüsternd, für normalterranische Ohren allerdings immer noch reichlich laut.
    Er marschierte voran, Kentok Mirkom gab ihm Flankenschutz, die anderen folgten vorsichtig.
    Durch den Trichterbau auf Zimbag war man in die Unterwelt eingedrungen und hatte dort das vorgefunden, was allgemein befürchtet worden war: zahlreiche Galaktiker aus Dutzenden verschiedener Völker, die dort mit großer Emsigkeit völlig sinnlosen Beschäftigungen nachgingen.
    Einige, die schon einen entkräfteten Eindruck machten, hatte man versorgt, gegen ihren Willen.
    Teilweise hatte man ihnen die konzentrierte Nahrung gleichsam aufzwingen und hineinstopfen müssen; der Zwang, eine unverstandene, aber unendlich wichtige Aufgabe erfüllen zu müssen, hatte sich in diesen Fällen als stärker erwiesen als der Selbsterhaltungstrieb. Wenn nicht bald etwas geschah oder unternommen werden konnte ...
    Das Röhren von Arlo Rutans Waffe riß Kentok Mirkom aus dem sekundenlangen Nachdenken.
    Ein Opera-Roboter, knapp dreißig Meter entfernt, verging in einem Feuerball, und ehe Mirkom reagieren konnte, hatte Rutan zwei weitere der Maschinen zerstört, bevor sie Schaden anrichten konnten.
    „Ein Labyrinth des Wahnsinns", murmelte jemand in Mirkoms Rücken.
    Der Ausdruck paßte sehr genau.
    Auf der Oberfläche, in Mengen gestapelt, die in die Hunderttausende von Tonnen gingen, türmte sich das, was die Galaktiker nach Hirdobaan gebracht hatten, an einigen wenigen Stellen durchmischt mit der Hochtechnologie anderer Zivilisationen. Alles stillgelegt, funktionsuntüchtig, in Einzelteile zerlegt, lediglich Schrott...
    Was aus den Wesen geworden war, die diese Waren nach Hirdobaan geschafft hatten ... niemand wagte einen längeren Gedanken daran. Denn es lag auf der Hand: Das Schicksal, das diese Geschöpfe erlitten hatten, war genau das, was auch den Galaktikern bevorstand, wenn es ihnen nicht gelang, die Geheimnisse von Hirdobaan zu lüften und Gomasch Endredde samt seinem Unterdrückungssystem ein Ende zu bereiten.
    Die Technologie in der Unterwelt von Zimbag hingegen schien zu funktionieren. Der Boden vibrierte, es waren Arbeitsgeräusche zu hören, aus bizarren Winkeln entwichen farbige Dämpfe, Instrumente blinkten und lieferten Anzeigen und Werte. Aber es gab niemanden, der etwas von dieser Uralt-Technologie verstanden hätte, der deshalb hätte sagen können, welchen Zwecken dieser Maschinenpark diente.
    Lieferte diese Technologie die Energie für die Oberwelt, kamen die Nahrungsmittel für die Galaktiker aus diesem Bezirk? Wurden die Opera-Roboter hier gebaut? Niemand vermochte es zu sagen.
    Deutlich zu erkennen war nur eines: Den Besuchern flößte diese Umgebung Angst ein. Manchmal war ein dumpfes Stampfen zu hören, und Kentok Mirkom registrierte, wie die anderen wohl auch, wie sein Pulsschlag in diesen Augenblicken in die Höhe schnellte; daß er einen Schritt zurückwich, wenn es aus irgendeinem Winkel fauchte und zischte. Es war, als sei diese Unterwelt dazu gebaut worden, die Besucher zu verschlingen, sie zu zerstampfen und sich einzuverleiben.
    Die einzigen, die sich davon überhaupt nicht beeindrucken ließen, waren die verschleppten Galaktiker. In kleinen Gruppen, mal drei, mal fünf, nie mehr als zehn, bastelten sie an den Gerätschaften herum, sinnlos, planlos und - glücklicherweise - ergebnislos.
    Kentok Mirkom hielt sich nicht für einen Mann der bleichen Furcht, aber in ihm nagte die Angst, irgendeiner dieser hypnotisierten Narren könnte vielleicht in seinem zwanghaften Wahn ein Ventil öffnen, einen Schalter betätigen oder ein Programm starten - und dann würde auf dieser Ebene eine technologische

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