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1768 - Das Schattenmonster

1768 - Das Schattenmonster

Titel: 1768 - Das Schattenmonster
Autoren: Jason Dark
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Franz Hartmann sah vor sich die Wand. Oder bildete er sie sich nur ein? Er konnte es nicht genau sagen, aber es war eine kompakte dunkle Masse vorhanden, auf die er zufuhr und die er nicht wegdiskutieren konnte.
    Was sollte er tun?
    Der Fahrer musste sich innerhalb von wenigen Sekunden entscheiden. Er konnte abbremsen, aber sein Gefühl oder sein Instinkt sagte ihm, dass es nichts brachte. Diese Schwärze hatte auf ihn gelauert und würde ihn überfallen.
    Von den wenigen Fahrgästen hatte niemand etwas bemerkt. Oder auch bewusst nichts gesagt, das war Hartmann egal, der immer dichter auf die schwarze Wand zu fuhr und endlich zu einer Entscheidung kommen musste.
    Bremsen! Anhalten! Nur so konnte er der Schwärze entgehen. Er trat auf das Pedal und rechnete damit, dass der Bus langsamer werden würde, um dann zum Stehen zu kommen.
    Es passierte nichts. Keine Bremse griff. Der Wagen wurde um keinen Deut langsamer, was den Fahrer erschreckte. Er hatte damit nicht rechnen können, hörte sich selbst etwas sagen, wusste aber nicht, was er da geflüstert hatte, und sah, dass die schwarze Wand, die mehr als die Breite der Straße einnahm, immer näher kam.
    Hartmann fluchte, was ihm auch nichts half. Weiterhin versuchte er, den Bus durch hartes Bremsen zum Stehen zu bringen, was ihm jedoch nicht gelang.
    Er wusste auch nicht, ob er seine Fahrgäste warnen sollte, das brachte nichts. Es war sowieso zu spät. Er hätte der schwarzen Wand nicht mehr entkommen können.
    Aber im Bus hatten die Menschen bemerkt, dass etwas nicht stimmte. Bisher war es recht still gewesen, genau das änderte sich schlagartig. Erste Stimmen waren zu hören.
    Fragen schwirrten durch den Bus.
    »Was ist das denn?«
    »Haben wir schon Nacht?«
    Jemand lachte schrill.
    Eine Frau rief: »Das ist der Tod! Das ist das Verderben! Ich weiß es genau! Der Schlund der Hölle...«
    Hartmann hörte all die Kommentare, ohne etwas dagegen zu sagen. Sein Gesicht zeigte einen harten Ausdruck. Er hielt das Lenkrad so fest umklammert, als wollte er es zerbrechen. Die Augen waren weit geöffnet und funkelten, während die Schwärze immer näher kam und ihn an ein Monster erinnerte, das alles verschlingen wollte.
    Und dann war sie da. Die Schwärze hatte sie erreicht. So genau war das nicht festzustellen. Der Bus fuhr hinein und alles wurde für den Führer und seine Passagiere anders...
    ***
    Dunkelheit!
    Sie hatte sich ausgebreitet. Aber es war nicht nur einfach eine Dunkelheit, es war für die Menschen die absolute Finsternis. Es gab kein Licht mehr, es war nur diese tiefe Schwärze vorhanden, die alles an sich zog und Menschen den Lebensmut nehmen konnte.
    Auch bei Franz Hartmann stellte sich dieses Gefühl ein. Er saß auf seinem Platz und konnte es nicht nachvollziehen. Er steckte fest. Er wagte auch nicht, sich zu bewegen. Wie eine Statue blieb er sitzen.
    Die Finsternis war überall. Sie hatte sich perfekt verteilt. Es gab keine Ecke im Bus, die von ihr nicht erreicht worden wäre. Man sah nichts. Selbst das Lenkrad war aus dem Blickfeld des Fahrers verschwunden, obwohl es so dicht vor ihm lag. Er wollte wissen, ob es noch vorhanden war, streckte seine Hände aus und fand sofort den Kontakt. Es war noch vorhanden, alles war da, nur war es in der tiefen Finsternis verschwunden.
    Hartmann versuchte seine Gedanken zu ordnen. Er forschte nach Gründen für diesen Zustand, was er nicht schaffte. In seinem Kopf gab es ebenfalls so etwas wie eine Finsternis. Er war nicht mehr in der Lage, normal zu denken, und wusste, dass er hier anderen Gesetzen ausgeliefert war.
    Und es war still geworden. Er hörte nichts mehr aus dem Fahrgastraum.
    Dafür hörte er etwas anderes. Er nahm seinen eigenen Herzschlag wahr und lauschte den Echos in seinem Kopf. Es war alles anders geworden. Das Leben gab es nicht mehr. Es existierte nur noch die Finsternis, die völlig ohne Licht war und die man ihm und den Fahrgästen geschickt hatte. Der Mann hatte keine Erklärung. Er saß nur auf seinem Platz und wagte es nicht, den kleinen Finger zu rühren. Er fühlte sich angespannt, hinter seinen Schläfen tuckerte es. Normal atmen konnte er auch nicht. Es hörte sich keuchend an, wobei er das Gefühl hatte, dass es von der Dunkelheit unterdrückt wurde.
    Er hörte seinen eigenen Herzschlag noch immer. Diesmal allerdings nicht mehr so laut, er war dabei, abzuklingen, und so hoffte Hartmann, dass er eine gewisse Normalität erreichte, trotz der tiefen Finsternis.
    Er war ein

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