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173 - Die Rache des Hexers

173 - Die Rache des Hexers

Titel: 173 - Die Rache des Hexers
Autoren: Dämonenkiller
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Dunkle Augen unter buschigen Brauen starrten die uralten Mauem an. Haß und Abscheu lagen in dem Blick. Langsam stand der Bauer auf und stützte sich auf dem Felsvorsprung ab. Das Gestein war von gelbschillerndem Moos und von schwarzen Flechten überzogen. Neben dem Felsen, der wie ein hingekauertes Fabelwesen aussah, wuchs ein verkrüppelter Baum. Der Bauer murmelte einen Fluch und spuckte aus. Er mochte sie alle nicht, die im Castillo Basajaun lebten. Ungewöhnlich heiß brannte die Aprilsonne. Schrundige Felsen warfen pechschwarze Schatten. Büsche und Bäume, die ihre knorrigen Wurzeln in die Ritzen und Spalten des Gesteins geschlagen hatten, wurden vom warmen Wind geschüttelt, der die Berghänge hinaufstrich. Im Westen stieg eine riesige Gewitterwolke auf.
    Es gab viele Bergbauern, Hirten und Waldarbeiter, die so wie Pero dachten und empfanden. Sie kannten die häßliche Geschichte des Castillos. Auch Pero erinnerte sich an die vielen Legenden und Berichte, die seine Eltern und Großeltern ihm erzählt hatten - an die Geschlechter, die auf Castillo Basajaun gelebt und geherrscht und kaum vorstellbare Greueltaten begangen hatten. Und er kannte auch die seltsamen Gestalten im Innenhof, die Besucher und jene Vorfälle, die in gewissen Nächten die Bergbauern verängstigten.
    Bald, sagte er sich, würde sich der Zorn entladen. Jeder haßte das Castillo; die Bauern würden es am liebsten sehen, wenn Zerstörung über Basajaun käme. Wieder fluchte Pero. Seine Finger tasteten nach einem scharfkantigen Stein. Nachdenklich wog er ihn in der Hand. Es war sinnlos, ihn zu schleudern; das Castillo war viel zu weit entfernt.
    Plötzlich erstarrte er. Vier Personen verließen das Castillo. Pero grub in der Tasche und zog ein altes Fernglas heraus. Er hob es an die Augen und blickte hinunter zum Haupteingang des wuchtigen Bauwerks. Zwischen den Büschen, am Rand der Zufahrtsstraße, erkannte er zwei Kinder und zwei Männer. Die Namen kannte er nicht, aber der kleine Junge mußte der Sohn von Dorian Hunter sein und seiner Frau. Waren sie Überhaupt verheiratet, wie jeder anständige Mensch in Andorra? Ganz fern und undeutlich hörte Pero die Stimmen. Die Kinder schienen fröhlich zu sein.
    Dann blinzelte er, überrascht und fast erschreckt.
    Der andere Junge war vielleicht zehn Jahre alt, aber überraschend groß für dieses Alter. Aber das war es nicht, was den Bergbauern bleich werden ließ. Er hatte nur ein Auge! Ein einziges Auge, mitten auf der Stirn. Und seine Haut war blau.
    Pero schüttelte sich und fluchte wieder. Diese gespenstischen Schloßbewohner. Gab es denn nur Monstren dort?
    „Ihr seid alle verflucht! Höllengespenster! Teufelsspuk", murmelte er und bekreuzigte sich.
    Dann schwieg er.
    Es war deutlich, daß die beiden Männer mit den Kindern einen Ausflug planten. Sie luden einen Korb in den kleinen, geländegängigen Wagen und scherzten miteinander. Dann schwang sich der stämmige Mann mit dem breiten Gürtel, über dem der Bauch sich spannte, hinter das Steuer. Der Wagen brummte über die Schotterstraße davon. Die kleine Staubwolke versteckte die Insassen vor den Blicken des Bergbauern.
    In diesem Augenblick schob sich die Wolke vor die Sonne.
    Es wurde dunkel; der Schatten bewegte sich über das Land. Es war wie ein Omen.

    Ein Tag wie viele in Castillo Basajaun.
    Dorian, ein Glas voller Eiswürfel und Bourbon in der Hand, heftete seinen Blick auf die Bilder, die in prächtigen Rahmen an der frisch geweißten Wand hingen. Sie zeigten Bauteile und Ausschnitte der längst verschwundenen Ringmauer, die vor unendlich langer Zeit die Burg umgeben hatte. „Unruhe!" sagte Dorian halblaut. „Unruhe kennzeichnet die Lage. Wir scheinen alle auf irgendein besonderes Ereignis zu warten."
    „Und es könnte so ruhig sein", gab Coco zurück. Sie strich mit einem winzigen Pinsel Nagellack auf den Nagel des Mittelfingers.
    „Es könnte. Aber es ist nicht", murmelte Dorian und ließ die Eiswürfel klicken.
    Die beiden Kinder hatten auf ihre Art die Unruhe gespürt und waren begeistert darüber, daß Burian und Virgil den Ausflug vorgeschlagen hatten. Coco nickte; eigentlich hatte Dorian völlig recht. Die letzten Apriltage waren ereignislos gewesen, und aus diesem Grund so sehr verschieden von dem hektischen, gefahrvollen Dasein, das der Dämonenkiller und Coco sonst zu leben gezwungen waren. „Warum sind wir eigentlich so nervös?" fragte Coco und wußte schon jetzt, daß sie keine zufriedenstellende Antwort bekommen

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