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171 - Teutelstango

171 - Teutelstango

Titel: 171 - Teutelstango
Autoren: Dämonenkiller
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In der Dunkelheit glühte ein Augenpaar. Tarö Munante verzog das Gesicht. Er hatte nicht vor, sich austricksen zu lassen. Wo die Augen glühten, war der Blutsauger mit Sicherheit nicht. Langsam hob Tarö den dünnen, grauen Stab. Unzählige winzige magische Zeichen bedeckten seine Oberfläche. Eines der Zeichen glomm schwach auf, als der Magier eine Zauberformel raunte. Der Stab schlug aus wie eine Wünschelrute und drehte sich.
    Irgendwo rauschten Flughäute.
    Ein nadelfeiner, fahler Blitz fuhr aus dem vorderen Ende des Runenstabs. Er spannte eine tödliche Brücke durch die Nacht. Ein irres Kreischen klang auf, ging über in einen durchdringenden Pfeiflaut, der die Tonleiter hinaufraste und im Ultraschallbereich verschwand. Tarö keuchte. Der unhörbar gewordene Laut verursachte ihm rasende Schmerzen. Die Schwingungen drohten den Magier zu zerreißen. Abermals fuhr ein Blitz aus dem Stab, verästelte sich diesmal und erlosch, ohne Wirkung erzielt zu haben.
    Im nächsten Moment war der Vampir da.
    Zu spät begriff Tarö, daß er getäuscht worden war. Der Vampir mußte es geschafft haben, den Runenstab lahmzulegen. Tarö versuchte sich zu. wehren, aber da schlugen die Zähne des Vampirs bereits in seinen Hals. Gierig trank der Geflügelte das Dämonenblut…

    Andrea Jimenez erschauerte. Sie preßte sich dicht in den Hauseingang und hoffte, daß sie nicht gesehen wurde. Sie hielt die Hände vors Gesicht und spähte zwischen den Fingern hindurch. Sie war von dem erschreckenden Anblick wie gebannt, nicht fähig, sich zu bewegen.
    Ihre Gedanken überschlugen sich. Das neunzehnjährige Mädchen versuchte zu begreifen, was da geschah, kaum zwei Dutzend Meter entfernt auf der Straße. Sie hörte das Schlürfen und Schmatzen in der mondlosen Nacht. Und sie dachte an das, was die Alten sich zuraunten und was sie selbst immer für Unsinn gehalten hatte, für übersteigerte, krankhafte Phantastereien.
    Aber dort kauerte der Dunkle mit seinen gewaltigen Schwingen, die seinen Körper nun einem Mantel gleich umgaben. Und da lag der andere, der Blitze geschleudert hatte, ohne etwas zu bewirken. Der Vampir trank sein Blut.
    Jetzt richtete er sich auf und sah in die Runde. Andrea preßte sich noch weiter in den Schatten. Sie glaubte, ihr Herzschlag müßte weithin zu hören sein. Sie sah die glühenden Augen des Vampirs direkt auf sich gerichtet. Doch der Blutsauger schien das Mädchen nicht wahrzunehmen.
    Er taumelte leicht, als sei er benommen.
    Er machte einige Schritte, breitete die riesigen Schwingen aus. Andrea sah seinen häßlichen, stark behaarten Körper, als er halb in das Licht einer Straßenlaterne trat und sich unwillkürlich duckte. Dann hob er mit rauschenden Schlägen der Flughäute ab. Er setzte sofort wieder auf, hob erneut ab und gewann endlich an Höhe. Aber er wirkte irgendwie orientierungslos, als sei er betrunken. Andrea verstand das nicht. Hieß es nicht, daß Vampire besonders stark und kräftig waren, wenn sie ihren Blutdurst gestillt hatten? Diese Vampire, die aller menschlichen Logik widersprachen, die es nicht geben durfte?
    Wie ein dunkler Schatten, wie eine Gewitterwolke verschwand der Geflügelte am Nachthimmel, an dem nur die Sterne hell glitzerten. Da endlich wich die Starre von Andrea, und sie fuhr herum und hämmerte gegen die Tür des Hauses. Vor ein paar Minuten erst hatte sie es verlassen, um heimlich zum Haus ihrer Eltern zurückzuschleichen. Die wollten es nicht dulden, daß sie sich mit Ricardo traf, aber sie beide liebten sich doch! Und so blieben ihnen nur die heimlichen Zusammenkünfte in den Nächten.
    Eine dieser Zusammenkünfte war vorüber. Diesmal war Andrea an der Reihe gewesen, Ricardo zu besuchen. Sie wechselten sich ab. Der Weg war sicher, dafür sorgte die Straßenpolizei, wie sich die kleine, aber schlagkräftige Gruppe von Männern nannte, die in den Nachtstunden für Ruhe und Ordnung sorgte. Früher war es anders gewesen, da konnte kein Mädchen es wagen, nach Einbruch der Dunkelheit das Haus zu verlassen. Aber dann hatten sich die Anwohner dieses und der benachbarten vier, fünf Straßenzüge zusammengeschlossen, und die Männer patrouillierten regelmäßig durch die Nacht. Es gab keine Diebstähle mehr, keine Vergewaltigungen.
    Der regulären Polizei konnte diese Selbsthilfe nur recht sein. Rio war vom Verbrechen zerfressen, und die Polizei kämpfte wie gegen Windmühlenflügel, dabei noch behindert durch Bestechungsaffären in den eigenen Reihen, durch

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