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1665 - In der Totenstadt

1665 - In der Totenstadt

Titel: 1665 - In der Totenstadt
Autoren: Jason Dark
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Seine Gedanken stockten. Er hatte keinen richtigen Begriff für sie. Er wusste nicht genau, was sich unter ihrer ungewöhnlichen Haut befand, aber Fuller hatte gewusst, dass sie ihn nicht am Leben lassen würden, wenn sie ihn erwischten. Seine Flucht führte durch den Wald. Hin und wieder lagen Schneereste auf dem Boden, durch die er stolperte. Es war ein Vorteil für ihn, dass die Bäume nicht so dicht standen und er immer wieder genügend breite Lücken fand, um seine Flucht fortzusetzen. Wohin? Wo würde sie enden?
    Das wusste er nicht. Aber Fuller hatte weit vor sich Lichter gesehen, die sich bewegten. Sie huschten in einer gewissen Höhe über den Boden, waren auch nicht ständig vorhanden, sodass er davon ausging, dass es sich bei ihnen um Scheinwerfer handelte. Jetzt hatte er ein Ziel. Wo Autos fuhren, musste es eine Straße geben. Wenn er sie erreichte, hatte er viel gewonnen.
    Noch lag eine längere Strecke vor ihm und die musste er erst mal geschafft haben. Nur nicht hinfallen oder mit dem Kopf gegen einen tief hängenden Ast stoßen. Wenn das geschah, war es mit ihm vorbei. Dann war seine Flucht umsonst gewesen, dann konnte er einpacken und nichts mehr über das erzählen, was er erlebt hatte. Doch auch wenn er es tatsächlich schaffte, war es fraglich, ob man ihm überhaupt glaubte. Egal, er musste weg!
    Rennen, springen, sich ducken. Den Hindernissen immer aus dem Weg gehen, das war für ihn überlebenswichtig. Und so machte er weiter.
    Fuller war ein Mann, dem das Leben nichts geschenkt hatte. Nur durfte er sich nicht beschweren, denn er hatte sich das Leben selbst ausgesucht. Er gehörte zu den harten Burschen, die man oft in Filmen sah und die allein gegen halbe Armeen kämpften. Das Leben war anders. Zwar bestand es für ihn auch aus Kampf, aber ihm waren Grenzen gesetzt worden, und das hatte man ihn deutlich spüren lassen. Eines hatte man ihm ebenfalls beigebracht. Auf keinen Fall aufgeben. Weitermachen. So lange, bis nichts mehr ging. Und das wollte er noch in der Abenddämmerung durchziehen.
    Er kämpfte. Er holte alles an Restenergie aus seinem Körper heraus. Fuller musste es schaffen. Er fühlte sich noch viel zu jung, um zu sterben. Keuchende Geräusche begleiteten seine Flucht. Es war das eigene heftige Atmen. Seine Beine waren schwer geworden, und er hatte Mühe, sie anzuheben. Ein Vorteil lag auf seiner Seite. Er hatte im Laufe der Zeit gewisse Instinkte entwickelt. Zwar sah er im Dunkeln nicht, aber er ahnte Gefahren und so entging er immer wieder den tiefen Ästen. Schon bald merkte er, dass es etwas heller wurde, weil sich der Wald lichtete.
    Es war noch nicht völlig finster geworden. Nur die Dämmerung hatte sich ausgebreitet, aber die Autos mussten bereits mit Licht fahren, und das wiederum war Füllers Hoffnung.
    Unter ihm wurde der Boden weicher. Für Fuller war dies der Beweis, dass er sich dem Waldrand näherte und damit auch dem Unterholz. Wenn er das überwunden hatte, war die Straße da, und da wollte er weitersehen.
    Noch mal riss er sich zusammen. Ein heftiger Schrei spornte ihn an. Sein Gesicht war verzerrt, die Augen weit aufgerissen, und er stampfte weiter. Schließlich lag das letzte Hindernis vor ihm. Der Gürtel aus Unterholz. Abgefallene Zweige. Laub, hohe Gräser, die im Winter mehr als traurig aussahen, und ein Graben, der den Wald von der Straße trennte. Fuller hatte nicht daran gedacht, sodass er ins Leere trat und einfach wegsackte.
    Er gab nicht auf, obwohl er gefallen war. Seine Augen brannten. Die Kehle war trocken. Er spürte den wahnsinnigen Druck im Kopf, hörte sich selbst immer nur keuchen, und wenn er Luft holte, dann atmete er auch den widerlichen Gestank ein. Er war noch immer da!
    Sie waren noch da!
    Und er spürte harte Stiche in der Brust. Eine übergroße Müdigkeit überkam ihn, obwohl er der Gefahr noch nicht entronnen war. Plötzlich war der Graben für ihn ein fast unüberwindliches Hindernis.
    Der Körper war so schwer geworden. So müde. Fuller kämpfte dagegen an. Er wusste selbst, dass er sich hier im Graben nicht lange aufhalten durfte, aber es fiel ihm schwer, sich den richtigen Schwung zu geben, um ihn hinter sich zu lassen und auf die Straße zu laufen.
    Es tat ihm gut, sich etwas ausruhen zu können. So hatte sich sein Atem beruhigt. Er war wieder in der Lage, sich auf die anderen Geräusche zu konzentrieren. Fuller hörte etwas!
    Plötzlich stand er wie auf heißen Kohlen. Dieses Geräusch war nicht vor ihm aufgeklungen und auch

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