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1603 - Der Geistertänzer

1603 - Der Geistertänzer

Titel: 1603 - Der Geistertänzer
Autoren: Jason Dark
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einen Shop, in dem man sich Schlittschuhe ausleihen konnte.
    Wir verließen den Bau durch eine Seitentür, da der Hauptzugang schon geschlossen war.
    Vor der Halle gab es einen großen Parkplatz, auf dem nur wenige Fahrzeuge standen, die jetzt eine helle Schicht aus Eis bekommen hatten.
    Auch bei Bills Porsche waren die Scheiben nicht mehr durchsichtig. Aber sie waren nicht zugefroren. Was auf ihnen lag, schafften die normalen Scheibenwischer.
    »Und, John, nehmen wir noch einen Drink?«
    Ich winkte ab. »Nein. Ich habe keine Lust mehr.«
    »Okay, dann fahre ich dich nach Hause. Ich bin auch froh, wenn ich ins Warme komme.«
    »Man wird eben älter.«
    »Ach, was du nicht sagst. Aber den Geistertänzer hast du nicht vergessen?«
    »Bestimmt nicht, Bill.«
    »Dann darf ich dich mal nach deinem Bauchgefühl fragen?«
    »Das hat sich nicht gemeldet. Dafür mein Verstand, und der sagt mir, dass dies nicht meine letzte Begegnung mit ihm gewesen ist. Irgendetwas stimmt nicht mit dieser Gestalt, die ich nicht mal als so gefährlich einstufe. Es kann ein Geist sein, der keine Ruhe findet und dem der Tanz oder das Eislaufen nicht unbedingt fremd sind.«
    »Bringt uns das weiter?«
    »Mal sehen, Bill…«
    ***
    »Nein. Ich will nicht! Ich kann nicht mehr tanzen! Es ist ein für alle Mal vorbei. Mein Gott, so hilf mir doch…«
    Isabel Kessler wusste nicht, ob es Gedanken waren, die durch ihren Kopf huschten, oder ob sie sie selbst gesprochen hatte. Alles war wie von einem dichten Nebel umhüllt, aus dem sie plötzlich hervorgerissen wurde.
    Sie schlug die Augen auf.
    Erst jetzt merkte sie, dass sie in ihrem Bett lag und geträumt hatte. Zum Glück, obwohl der Stress des Traumes noch nicht vorbei war.
    Um sie herum war es finster. Die Schlafzimmertür hatte sie geschlossen, aber der schwache Umriss des Fensters malte sich an der Wand ab.
    Alles war normal, und so blieb sie starr auf dem Rücken liegen, um erst mal wieder zu sich zu kommen. Ihr Atem beruhigte sich und auch ihre Gedanken wurden Wieder klarer. Und sie dachte daran zurück, was sie vor dem Erwachen erlebt hatte.
    Es war kein guter Traum gewesen. Ein schlimmer. Sie hatte tanzen müssen. Immer und immer wieder. Und sie hatte nicht allein getanzt, sondern mit einem Toten. Mit einem Tänzer, der nicht mehr lebte, denn Julius war unter rätselhaften Umständen gestorben. Und das sehr spektakulär, denn sein Tod hatte in Isabels Beisein auf der Bühne stattgefunden.
    Ja, sie war dabei gewesen. Das Finale des Balletts, das einzig und allein ihnen gehörte, hatte Julius nicht mehr beenden können. Mitten in einem gewagten Sprung hatte es ihn erwischt.
    Noch jetzt dachte sie an den leisen Schrei, den sie gehört hatte. Es war der letzte Laut ihres Partners gewesen, danach war sein Körper schwer zu Boden geschlagen, und Julius hatte sich auch nicht mehr erheben können. Ein Arzt hatte nur seinen Tod feststellen können.
    Isabel war entsetzt gewesen. Sie hatte nicht denken, nicht sprechen und kaum mehr atmen können. Ihr Blick war starr auf den Körper gerichtet gewesen, der sich nicht mehr bewegt hatte.
    Die Ärzte waren davon ausgegangen, dass Julius einen Herzinfarkt erlitten hatte. Das war später nicht korrigiert worden, und so hatte sich Isabel damit abgefunden.
    Begraben wurde Julius in seiner Heimat Belgien. Auf dem Friedhof des kleinen Ortes, in dem er seine Kindheit verbracht hatte. Ein Dorf in den Ardennen. Sehr klein, sehr übersichtlich und auch sehr gemütlich. Das wusste Isabel von den Bildern, die Julius ihr mal gezeigt hatte.
    Jetzt war er tot, aber er war immer noch gegenwärtig. Zumindest in ihren Träumen. Da war er ihr immer wieder erschienen, und zwar so plastisch, dass sie gedacht hatte, er wäre noch am Leben. Aber das traf leider nicht zu.
    Isabel Kessler richtete sich auf. Erst jetzt stellte sie fest, dass sie am gesamten Körper schweißnass war. So stark hatte ihr der Traum zugesetzt.
    Es war nicht besonders warm im Zimmer. Isabel trug nur das dünne Nachthemd, das durch zwei schmale Träger an den Schultern gehalten wurde. Es reichte ihr bis zu den Waden. Im Sommer kühlte der Stoff, im Winter war er zu dünn.
    Sie rieb über ihre nackten Arme und starrte ins Leere.
    Isabel wusste nicht, woran sie noch denken sollte, denn jetzt war auch ihr Kopf leer. Der Inhalt des Traums schien meilenweit entfernt zu sein.
    Es gab nur noch sie und ihre enge Umgebung. Aber auch den trockenen Mund, in dem sich kaum noch Speichel befand. Das durfte nicht so

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