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153 - Angelina, die Teufelin

153 - Angelina, die Teufelin

Titel: 153 - Angelina, die Teufelin
Autoren: Dämonenkiller
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Cesare Fattio hatte den Seitengassen der Innenstadt von Rom noch nie getraut, schon gar nicht bei Dunkelheit - und das aus gutem Grund. Immerhin gehörte er selbst zu jenen, denen die dunklen Gassen ihren üblen Ruf zu verdanken hatten. Die Hauptverkehrswege im und um das Judenviertel herum gingen noch, aber sobald die Häuserzeilen enger zusammenrückten, konnte es ungemütlich werden. Deshalb hatte Fattio immer eine schußbereite, entsicherte Beretta im Schulterholster, das er unter der leichten Jacke trug. Denn die „Kollegen" schreckten auch nicht immer davor zurück, sich an ihresgleichen zu vergreifen, wenn sie Beute witterten.
    Außerdem konnte ja auch mal ein Kriminaler auftauchen, in Zivil, und diese Sorte von Polizeibeamten mochte Fattio erst recht nicht. Denn er war einer der skrupellosen, kleinen Gangster Roms, von denen es unzählige gibt.
    Cesare Fattio verstand sich aufs Schleichen. Auf den weichen Sohlen seiner Turnschuhe bewegte er sich lautlos wie ein Schatten durch die Gassen. Er kam von seinem nächtlichen Beutezug zurück; er hatte „Feierabend". Dabei war gerade Mitternacht vorüber. Aber leichtsinnige Touristen gab es immer, und heuer schienen sie besonders leichtsinnig - und reich zu sein.
    Gewesen zu sein, verbesserte er sich in Gedanken schmunzelnd. Den Reichtum der Beraubten hatte Fattio längst gut versteckt. Er hatte überall in der Stadt seine kleinen Verstecke, in denen er das Diebesgut deponierte. Von Zeit zu Zeit holte er Stücke oder Geld ab und brachte es in Umlauf. Er konnte von seinem anrüchigen Gewerbe recht gut leben. Und da er selten etwas von seiner Beute mit in die kleine Zweizimmer-Wohnung brachte, fand man nie etwas bei ihm, und es lohnten sich auch Überfälle von „Kollegen" nicht.
    Deshalb wunderte sich Cesare Fattio ein wenig, als er merkte, daß er seit gut zweihundert Metern verfolgt wurde. Die Gestalt, die gleich ihm wie ein Schatten durch die Gassen strich, hatte es eindeutig auf ihn abgesehen. Fattio beglückwünschte sich dazu, auch diesmal nicht auf die Beretta verzichtet zu haben, seine Lebensversicherung, wie er die Waffe manchmal nannte. Seine Hand glitt unter das Jackett und löste den Druckknopf. Die entsicherte Waffe lag nun frei zum schnellen Ziehen und Schießen, wenn es sein mußte. Wie üblich mit Schalldämpfer. Die Leute, die hier in der Gasse wohnten, wollten schließlich ihre Ruhe haben.
    Fattio verschwand in einem Hauseingang und lauschte. Er befand sich jetzt im Schatten, normalerweise konnte niemand ihn sehen.
    Die Schritte des Verfolgers waren verstummt. Er schien bemerkt zu haben, daß sein Opfer eine Falle stellte.
    Plötzlich klangen die Schritte wieder auf.
    Fattio lächelte kalt. Er zog die Pistole. Der Finger lag am Abzug. Er hielt die Mündung in die Richtung, aus der der Verfolger kommen mußte. Die Schritte waren jetzt deutlicher. Der andere bemühte sich. leise aufzutreten, aber seine Schuhe hatten zu harte Sohlen. Er konnte gar nicht leise genug sein.
    Und dann packte Fattio das Grauen.
    Die Schritte kamen von links - aber der Fremde von rechts! Der Fremde, dessen Augen in der Dunkelheit wie glühende Kohlestücke leuchteten! Blitzschnell packte er zu, umklammerte Fattios rechte Hand, drückte zu. Fattio glaubte in einen Schraubstock geraten zu sein. Er konnte nicht anders; er mußte die Beretta fallen lassen. Der Fremde fing sie mit der freien Hand geschickt am Griff auf und richtete die Mündung; auf Fattios Stirn.
    Dem Gangster brach der Angstschweiß aus.
    Er begriff immer noch nicht, wie es möglich war, Schritte von links zu hören, wenn der Hervorbringer dieser Schritte von rechts kam.
    „Wer bist du?" keuchte er.
    Der Mann schwieg. Sein Gesicht lag im Schatten und war nicht zu erkennen.
    „Was willst du von mir, verdammt? Ich habe nichts bei mir!"
    „Doch", sagte der Unheimliche jetzt. „Dich selbst. Ich will dich, mein Freund."
    Sein Daumennagel ritzte Fattios Handgelenk. Ein wenig Blut quoll hervor. Der Unheimliche nahm es auf die Fingerkuppe und betrachtete es. „Gut", sagte er.
    Aus seinem Mund zuckte die Zunge hervor, lang und blitzschnell wie die eines Chamäleons. Sie berührte das Blut. Es verfärbte sich grünlich. Im hellen Vollmondlicht konnte Fattio die Veränderung deutlich erkennen.
    „Es reagiert besser, als ich dachte", sagte der Fremde. Er verrieb das grüne Blut auf der kleinen Handgelenkwunde Fattios.
    „Was soll das?" keuchte der Gangster. Er wagte nicht, sich zu wehren, solange der Fremde ihn

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