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1518 - Das Cueleman-Debakel

Titel: 1518 - Das Cueleman-Debakel
Autoren: Unbekannt
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anderthalb Sekunden bis zum unkontrollierten Ausbruch der Speicherenergien des Roboterwracks blieben.
    Und er begriff, daß seine Möglichkeit, die Paragaben einzusetzen, mit der Sichtbarkeit des stabförmigen Wesens gekoppelt war. „König Laurin!" schrie er impulsiv in höchster Todesnot.
    Und erwachte ..
     
    2.
     
    Er hockte hochaufgerichtet in der Schlafmulde seiner Schiffskabine.
    Eine trübrote, schwache Helligkeit ließ die Einrichtungsgegenstände mehr ahnen als sehen: das Nachtlicht.
    Nur eines hob sich deutlicher gegen die Umgebung ab: ein zirka 30 Zentimeter langer zylindrischer Stab, der am „Fußende" der Schlafmulde lehnte. Seine kristalline Struktur sammelte und reflektierte die geringste Helligkeit. „Du hast nach mir gerufen, Gucky", stellte das sonderbare Wesen mit heller, unnatürlich klingender Stimme fest. Es hatte dem Ilt erklärt, daß es vor der Begegnung mit ihm nicht sprechen konnte, sondern diese Fähigkeit erst entwickelt hatte, um sich auch telepathisch nicht begabten Lebewesen verständlich machen zu können.
    Diese Fähigkeit beruhte auf der Umstellung eines winzigen Teils seiner Strukturen, der danach wie ein halborganischer Translator/Synthesizer arbeitete.
    Gucky atmete erleichtert auf.
    Er hatte geträumt.
    Es war ein immer wiederkehrender Alptraum gewesen, der realistisch und erschreckend wirkte, weil er auf Tatsachen beruhte.
    Auf Tatsachen, die drei Wochen zurücklagen.
    Damals hatte nicht viel gefehlt, und er wäre mitsamt König Laurin, wie er das stabförmige Wesen inzwischen nannte, in dem Energieausbruch eines durchgehenden Gravitraf-Speichers vergangen.
    Der Grund war Unwissenheit gewesen.
    König Laurin hatte damals noch nicht gewußt, daß jedesmal dann, wenn er sich unsichtbar machte, alle psionischen Fähigkeiten in der Nähe befindlicher Lebewesen blockiert wurden - und Gucky hatte nicht gewußt, daß König Laurins Unsichtbarkeit eine Reflexhandlung war, mit der er auf tödliche Bedrohung reagierte.
    Das Wesen aus dem Eis war eben kein seelenloser Roboter, wie sein Anblick im ersten Moment implizierte. Es war ein Cyborg, eine Kombination von organischem Lebewesen und Maschine.
    Doch das hatte der Mausbiber erst viel später herausgefunden.
    Als sie in unmittelbarer Lebensgefahr schwebten, war ihm nur ein entsetzter Schrei in höchster Todesnot möglich gewesen, denn er hatte begriffen, daß seine Möglichkeit der Anwendung psionischer Fähigkeiten mit der Sichtbarkeit Laurins gekoppelt war.
    Zu ihrer beider Glück hatte der Cyborg intuitiv richtig reagiert. Er war wieder sichtbar geworden und hatte es dadurch dem Ilt ermöglicht, mit ihm in die Steuerzentrale der HARMONIE zu teleportieren.
    Nur Sekundenbruchteile später war von den Ortern des Sängerschiffs dort, wo Gucky sich eben noch befunden hatte, ein Energieausbruch im Vergleichswert von 400 Megatonnen TNT angemessen worden. Es konnte keinen Zweifel daran geben, daß von der Eishöhle, in der der Ilt den Cyborg gefunden hatte, nichts übriggeblieben war. Das betraf auch den dort lagernden Schrott, das Wrack des Mordroboters sowie die organisch toten „Artgenossen" König Laurins.
    Was den Namen anging, den der Mausbiber dem Cyborg gegeben hatte, so handelte es sich um eine impulsive Assoziation mit den Laurins aus der Kleingalaxis Andro-Beta, die vor vielen Jahrtausenden im Auftrag der MdI die Posbis erschufen. Sie hatten eine natürliche Deflektor-Fähigkeit besessen. Die Terraner hatten sie wegen dieser Fähigkeit nach einer Figur aus einem alten Epos benannt, der eine Tarnkappe zugeschrieben worden war.
    Bei dem Cyborg von Nischnugg war es keine natürliche Gabe, sondern eine Funktion seiner technischen Komponente. Dennoch fand Gucky, daß es keinen treffenderen Namen für ihn gab. Zumal er keinen Eigennamen gehabt hatte und die Bezeichnung, die er für sich und seine toten Artgenossen verwendete, ein Sammelbegriff und zudem unaussprechlich für Mausbiber und Menschen war. „Hattest du wieder diesen schlimmen Traum?" fragte König Laurin und erinnerte damit daran, daß Gucky ihm noch eine Erklärung schuldig war.
    Der Ilt bejahte seufzend. „Es tut mir leid, daß dich die Erinnerung an den Moment, in dem du dem Tod ins Gesicht blicktest, immer noch verfolgt", erwiderte der Cyborg. Wie fast immer, wirkten seine Formulierungen etwas gestelzt. „Ich denke, das ist es gar nicht so sehr", sagte der Ilt. „Der Kampf gegen den heimtückischen Roboter macht meinem Unterbewußtsein wahrscheinlich mehr zu

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