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1513 - Gier nach Templerblut

1513 - Gier nach Templerblut

Titel: 1513 - Gier nach Templerblut
Autoren: Jason Dark
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Von der Sakristei aus musste er nur eine Tür öffnen, um in die kleine Kirche zu gelangen. Das war völlig normal, wie auch die Möblierung des Raumes, an der niemand hätte Anstoß nehmen können. Aber es gab noch etwas, was den Menschen außerhalb verborgen geblieben war. Es musste nur der Teppich angehoben werden, um in das Geheimnis unter der Kapelle zu gelangen.
    Es war etwas, mit dem Laroche allein fertig werden musste. Er hatte es zu verantworten, und er würde später dafür Rechenschaft ablegen müssen, wenn ihn das irdische Leben verlassen hatte.
    Darüber machte sich Pierre Laroche keine weiteren Gedanken. Noch waren seine Tage auf dieser Welt nicht gezählt.
    In der Sakristei gab es zwei kleine Fenster an den Seiten. Aus ihnen schaute er nach draußen, weil er ein Mensch war, der immer auf Nummer Sicher gehen wollte.
    Sein Standort war günstig. Er konnte auch den Weg einsehen, der zur Kirche führte. Niemand wollte das kleine Gebäude besuchen und außer der Reihe beten. Sicherheitshalber hatte der Abbé die Kirchentür abgeschlossen.
    Dann hob er den Teppich an. Es war eine gute Zeit, wie er fand. Der Tag lag in den letzten Zügen. Er hatte sich noch nicht verabschiedet, dafür befand sich die Dämmerung im Anmarsch. Ihr graues Tuch kroch bereits am Horizont hervor und wanderte weiter.
    Laroche hatte den Teppich weit zurückgeschlagen. Sein Blick streifte über den grauen Fußboden aus Holz hinweg, in dessen Material sich der Staub von Jahrzehnten eingefressen hatte.
    Das störte den Abbé nicht weiter, für ihn war der Lukendeckel wichtiger, der sich abzeichnete.
    An einer der beiden Schmalseiten war er mit einem Griff versehen, so konnte er ohne große Mühe in die Höhe gezogen werden.
    Der Pfarrer hob die Klappe an. Er kippte sie um und legte sie behutsam zurück. Alles war so wie immer. Er schaute in die dunkle Tiefe, die ihm wie ein Schlund vorkam, der alles verschlingen wollte.
    Wenn es eine absolute Dunkelheit gab, dann lag sie vor und unter ihm.
    Er sah auch den Beginn der Leiter. Sie war recht schmal, und es war nicht ungefährlich, sie hinab in die Tiefe zu steigen.
    Aber genau das musste Laroche tun.
    Die Dunkelheit war noch nie sein Fall gewesen. Er holte deshalb die Taschenlampe vom Tisch, schaltete sie ein, und so konnte der Strahl über die Stufen der Treppe wandern. Er sah ihr Ende, er schaute gegen den hellen Fleck am Boden und entdeckte auch den Staub, der in winzigen Partikeln in der Luft tanzte.
    Pierre Laroche machte sich an den Abstieg.
    Wie immer ging er vorsichtig, und wie immer fürchtete er sich davor, dass die Stufen brechen konnten, denn das Holz war nicht mehr das festeste und bog sich durch, wenn es belastet wurde.
    Es waren genau sechs Stufen, die er hinter sich lassen musste. Ein Geländer gab es nicht. Er leuchtete nicht nur nach vorn. Der Lichtstrahl bewegte sich zuckend und huschte an den Wänden entlang wie ein Geist.
    Erst als er wieder festen Boden unter den Füßen spürte, reagierte der Abbé normal. Er leuchtete im Kreis, und er sah das Gleiche wie immer.
    Die kahlen Mauern aus altem, rissigem Lehm. Die Decke war so niedrig, dass sich schon ein Mensch mit normaler Größe bücken musste.
    Er drehte sich nach links.
    Der Lampenstrahl machte die Bewegung mit.
    Und er fand ein Ziel!
    Das Herz des Geistlichen schlug schneller, obwohl er wusste, was ihn erwartete, aber es war auf eine bestimmte Art für ihn immer wieder neu.
    Auch jetzt noch, als er das Ziel anstarrte und fast nicht glauben konnte, was seine Lampe da anleuchtete.
    Es war ein schwarzer Sarg!
    Ja, er war wieder da!
    Der Abbé tat nichts. Er stand starr auf dem Fleck und schaute nach unten. Das Ende des Strahls malte einen hellen, zittrigen Kreis auf den Deckel, auf dem so gut wie kein Staub lag - wie auch auf dem gesamten Sarg.
    Mit der freien Hand wischte Laroche über sein Gesicht. Der Schweiß hatte dort eine ölige Spur hinterlassen, aber das lag an der drückenden Wärme, die sich hier unten ausbreitete.
    Pierre Laroche wusste genau, was er zu tun hatte. Er bückte sich und streckte dabei die Arme aus. Die Hände fanden den Deckel, hoben ihn aber noch nicht ab. Der Pfarrer stand einfach da und wartete, bis er die innere Bereitschaft dazu besaß.
    Er kannte das grausame Spiel. Die Regeln waren stets die gleichen.
    Aber dieser Sarg war etwas Besonderes. Das hatte ihm niemand gesagt, er spürte es einfach.
    Er gab sich einen innerlichen Ruck und hob den Deckel in die Höhe.
    Erst drehte er sich zur

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