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1507 - Das Blut-Juwel

1507 - Das Blut-Juwel

Titel: 1507 - Das Blut-Juwel
Autoren: Jason Dark
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Der Anwalt und Notar Peter Green deutete auf die offene Tür schräg hinter ihm.
    »Sehr gern.« Purdy Prentiss machte sich auf den Weg. Es war nur eine kurze Strecke, und trotzdem wirbelten ihr zahlreiche Gedanken durch den Kopf. Sie dachte daran, dass der Termin nur zu dieser recht späten Stunde geklappt hatte. Beide waren zu sehr beschäftigt.
    Die Staatsanwältin wusste nur, dass es sich um eine Schenkung handelte. Wer ihr etwas vermachen wollte, das hatte der Notar nicht gesagt. Er war am Telefon sowieso recht zurückhaltend gewesen.
    Wenig später betrat Purdy das Büro, und es sah so aus, wie sie es sich vorgestellt hatte. Keine modernen Möbel, die hätten auch nicht zu der alten Villa gepasst. Ein großer Schreibtisch aus der Jugendstilzeit, dazu die Regale an den Wänden, die mit Fachbüchern gefüllt waren, dann der längere Tisch, bestückt mit hochlehnigen Stühlen, auf denen zehn Menschen ihre Plätze fanden, und letztendlich noch die Sitzgruppe.
    Auf dem Glastisch stand ein Tablett mit einer gefüllten Wasserflasche und zwei sauberen Gläsern.
    Purdy Prentiss wurde gebeten, dort Platz zu nehmen, und der Anwalt bot ihr etwas zu trinken an.
    »Danke, da greife ich gern zu, denn ich weiß, wie trocken die Büroluft sein kann.«
    »Ja, da sagen Sie was.«
    Der Anwalt ging zu seinem Schreibtisch, um von dort seine Unterlagen zu holen. Er war ein Mann um die sechzig, trug einen braunen Anzug mit schmalen Streifen, und unter dem Jackett ein beigefarbenes Hemd mit einer gestreiften Krawatte.
    Graues Haar, straff nach hinten gekämmt, ein etwas fleischiges Gesicht mit einer rötlichen Haut und ein Mund, der aus zwei recht dicken Lippen bestand. Die Augen unter den buschigen Brauen hatten Pupillen, die farblich kaum einzustufen waren, und Purdy sah die Falten auf seiner hohen Stirn, als sich der Mann ihr näherte.
    Sie wusste nicht genau, worum es sich handelte. Okay, es ging um eine Schenkung, das war alles, was er ihr gesagt hatte, und jetzt war sie gespannt, wer ihr da etwas zukommen lassen wollte.
    Auch der Anwalt trank einen Schluck Wasser, nachdem er seinen Platz eingenommen hatte. Er war kein Mann, der irgendwelche Angeklagten vor Gericht verteidigte, seine Aufgaben lagen woanders. Das Erbrecht war sein Fachgebiet, und deshalb war er Purdy Prentiss auch nicht bekannt gewesen.
    Das sollte sich nun ändern. Mit einer abgezirkelten Bewegung schlug der Notar eine Mappe auf. Von ihrer Sitzposition konnte Purdy erkennen, dass sich in der Mappe nur wenige Schriftstücke befanden, was sie auch nicht weiter verwunderte.
    Peter Green schüttelte den Kopf, bevor er anfing zu sprechen.
    »Ich habe in meiner Praxis ja schon einiges erlebt«, erklärte er, »aber das hier ist schon ungewöhnlich.«
    »Sie meinen diese Schenkung?«
    »Sicher.«
    »Und wer möchte mir etwas vermachen?«
    Der Notar runzelte die Stirn erneut. »Es ist schon ein Mensch, den Sie kennen, Mrs Prentiss.«
    »Das dachte ich mir.«
    »Aber Sie werden trotzdem überrascht sein, wenn Sie den Nanien hören. Den Mann heißt Arnos Price.«
    Die Staatsanwältin saß bewegungslos auf ihrem Sessel. Nichts rührte sich in ihrem Gesicht, denn sie hatte sich perfekt in der Gewalt. Aber sie dachte schon über das Gesagte nach, und sie merkte, dass sich eine unsichtbare kalte Hand über ihren Rücken bewegte und die Haut dort erstarren ließ.
    Der Name war es, der sie erschauern ließ.
    Sie kannte Arnos Price. Sie kannte ihn sogar sehr gut, denn sie war die Anklägerin im Prozess gegen ihn gewesen. Sie hatte dafür gesorgt, dass Price lebenslänglich hinter Gittern kam, denn nichts anderes hatte dieser Mörder verdient. Man konnte bei ihm sogar von einem Serientäter sprechen, denn er hatte mehrere Männer und Frauen getötet, und wie es ausgesehen hatte, aus reiner Lust am Morden. Jedenfalls hatte man kein Motiv gefunden, und auch psychologisch geschulte Verhörexperten hatten aus ihm nichts herausbekommen.
    »Ja, so ist das, Mrs Prentiss. Ich sehe Ihnen an, dass Ihnen der Name etwas sagt. Auch ich habe den Prozess in der Presse verfolgt. Er liegt ja noch nicht lange zurück, aber nun hat sich der Mörder über seinen Anwalt gemeldet.«
    »Darf ich davon ausgehen, dass Sie sich mit diesem Anwalt meinen?«, fragte Purdy leise.
    »Das dürfen Sie.«
    »Dass ich hier sitze, beweist mir, dass Sie zugestimmt haben.«
    »So ist es. Bevor ich dazu komme, möchte ich Ihnen sagen, dass mich der Fall neugierig gemacht hat. In meiner langen Praxis ist so etwas noch

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