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148 - Nosferata - die Blut-Lady des Dr. Satanas

148 - Nosferata - die Blut-Lady des Dr. Satanas

Titel: 148 - Nosferata - die Blut-Lady des Dr. Satanas
Autoren: Larry Brent
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    Von den Grachten her wehte kalter Wind.
    Die beiden Männer, die durch die enge,
finstere Gasse liefen, hatten die Kragen ihrer Mäntel hochgeschlagen und den
Hut tief ins Gesicht gezogen, um sich vor dem Nieselregen zu schützen.
    Die handtuchschmalen Häuser, typisch für das
Amsterdamer Altstadtviertel, sahen in der Dunkelheit aus, als würden sie sich
enger aneinanderpressen, um Kälte und Nässe besser zu ertragen.
    Das dunkle Fachwerk schimmerte durch den
Regen, das holprige Kopfsteinpflaster war rutschig.
    »Wir sind Idioten, Frederik«, schimpfte der
eine der beiden Männer. Er war hager, und selbst der auftragende Mantel konnte
die Statur kaum verbergen . »Wir hätten mit dem Taxi
fahren sollen .«
    »Du redest Unsinn, Jan«, maulte der
Angesprochene. »Du weißt genau, daß wir das nicht riskieren können. Ich bin
meine Stellung los, wenn mich einer erkennt .« »Du bist
Direktor eines Museums für Altertümer. So viele Leute, die hier geboren sind,
hier leben und gleichzeitig auch ein Museum der Stadt besuchen, gibt’s bestimmt
nicht .«
    Jan van Steen schimpfte leise vor sich hin,
lief aber weiter neben seinem Begleiter her.
    »Noch ein paar Schritte, Jan, dann haben
wir’s geschafft«, sagte Frederik Kadens. »Du wirst sehen, daß es sich lohnt.
Aber nur für den, der zu schätzen weiß, was da durch einen Zufall entdeckt
wurde. Wenn die Sache bekannt wird, hat die Welt ihre Sensation! So weit aber
will ich’s nicht kommen lassen. Ehe die Amerikaner hier eintreffen, müssen wir
uns den Fund unter den Nagel gerissen haben. Ich kann niemand einweihen. Außer
dir. Du mußt mir dabei helfen .«
    »Mhm«, knurrte van Steen, und aus dem
Knurrlaut war nicht zu erkennen, ob er Zustimmung oder Ablehnung bedeutete.
    »Keine Lust mehr? Hast du Angst vor deiner
eigenen Courage bekommen ?«
    »Nein, das ist es nicht. Das Wetter geht mir
auf die Nerven. Wie lange laufen wir eigentlich schon durch die Stadt? «
    »Ungefähr fünfunddreißig Minuten.«
    »Mir kommt’s so vor, als wären wir schon
einige Stunden unterwegs .«
    Frederik Kadens drehte sich um. Die Gasse
hinter ihnen war menschenleer. Er blieb einige Sekunden stehen und lauschte, ob
Schritte zu vernehmen waren. Doch alles war still.
    Van Steen seufzte. »Du machst es verdammt
spannend. Kommt einem fast so vor, als hättest du einen Schatz entdeckt .«
    »Es ist ein Schatz, Jan. Einer der größten
überhaupt, auch wenn er mit Gold und Geschmeide nichts zu tun hat. Wir sind da .«
    Sie standen vor einem Haus, das zur Hälfte
abgerissen war.
    Die Vorderfront war abgestützt mit schwarzen,
schräg stehenden Eichenbalken, und ein mannshoher Bretterzaun umgab das
Grundstück. Ein knallgelbes Schild mit der Aufschrift »Betreten verboten« war
zwischen all den bunten Plakaten und Parolen, die im Lauf der letzten Wochen
auf die Bretter gepinselt und gesprüht worden waren, kaum noch auszumachen.
    Das Haus neben der Baustelle sah auch schon
ziemlich mitgenommen aus. Fahlgrüne, verwitterte Fensterläden verdeckten die
Scheiben. An der Haustür hing ein großes Schloß. Das Gebäude war unbewohnt.
    Dennoch beobachtete Frederik Kadens es einige
Minuten genau, hob sogar einen Stein auf und warf ihn gegen einen Fensterladen.
    »Willst du die Mäuse und Ratten verscheuchen,
oder ist das eine Methode, Einlaß zu begehren? Meinst du wirklich, daß da
drinnen einer wohnt? Da kommt doch das Regenwasser nicht nur durchs Dach,
sondern auch schon durch die Wände .«
    »Was kein Grund ist, daß niemand in den
heruntergekommenen Zimmern wohnt, wie du weißt .«
    Die Häuser in der Altstadt waren oft
Gegenstand von Hausbesetzungen gewesen. Obwohl in den Gebäuden keine Fenster
mehr waren und keine Namensschilder auf Bewohner hinwiesen, kam es immer wieder
vor, daß hier jemand Unterschlupf suchte.
    Stadtstreicher, verkrachte Existenzen,
Obdachlose und auch Rauschgiftsüchtige verkrochen sich hierher, weil’s keine
Miete kostete. In diesen Vierteln nisteten sie sich oft ein wie die Kakerlaken,
und die entdeckt man am besten, wenn man kräftig klopft.
    Auch das tat Frederik Kadens noch, ungeachtet
der Tatsache, daß der Regen inzwischen stärker und es damit noch unfreundlicher
geworden war.
    Unter ihren Füßen bildete sich eine Art
grauer Schlick. Der Regen mischte sich mit dem dicken, kalkhaltigen Staub, der
bei den Abbruch- und Bauarbeiten entstanden war.
    Niemand reagierte auf Kadens’ Klopfen und die
Steinwürfe, und der neunundvierzigjährige Museumsdirektor, der

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