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1450 - Die Herren der Straßen

Titel: 1450 - Die Herren der Straßen
Autoren: Unbekannt
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die vorherige Besatzung abgelöst hatten. Er gehörte zu jenen Spezialisten, deren eigentliche Aufgabe es war, Pläne zu entwerfen, nach denen ein bis dahin unbesiedelter Planet erschlossen werden sollte. In den ersten Jahrhunderten des Aufbruchs der Terraner in den Kosmos war es stets den Siedlern überlassen worden, wie sie einen neuen Planeten für sich in Besitz nahmen. Dabei waren jedoch viele Welten zersiedelt und ihre Umwelt zerstört worden. Die neuen Siedler hatten oft irreparable Schäden angerichtet, weil sie nach der Philosophie handelten, daß die neuen Welten ihnen Untertan sein und nach ihren Vorstellungen verändert werden mußten. Mittlerweile war man jedoch zu der Erkenntnis gekommen, daß es umgekehrt sein mußte. Wenn Menschen einen neuen Planeten besiedelten, dann mußten sie sich der Natur dieser Welt, ihrer Landschaft und ihren besonderen Gegebenheiten anpassen, und kaum noch jemand versuchte, aus einer neuen Welt eine zweite Erde zu machen.
    Erschließungsarchitekten wie Karl Prenthane hatten die Aufgabe, solche Anpassungen zu steuern und zu überwachen. Im Fall von Uulema kam es darauf an, die Baumaßnahmen der Cantaro aus der Sicht solcher Architekten zu beurteilen und daraus die langfristigen Ziele der Cantaro zu erkennen. „Bessere Arbeitsbedingungen hätten wir kaum vorfinden können", fügte er hinzu. „Dann brauche ich ja sicherlich nicht mehr lange auf erste Resultate deiner Arbeit zu warten", bemerkte Adams.
    Karl Prenthane lächelte kaum merklich.
    Er hatte verstanden. „Keine Sorge", entgegnete er. „Meine Pause ist beendet."
    Er wandte sich ab und ging in einen der Nebenräume hinüber, in dem weitere Monitoren standen. Auch dieser Raum war nur notdürftig verkleidet worden. An einigen Stellen blickte der nackte Fels durch die aufgeschäumten Isolierstoffe.
    Er warf Gucky einen kurzen Blick zu.
    Der Mausbiber lag in einem für ihn viel zu großen Sessel und schlief. Als Prenthane allerdings an ihm vorbeigegangen war, öffnete er das linke Auge und musterte ihn kurz. Dann seufzte er, schloß das Auge wieder, drehte sich auf die Seite und schnarchte leise. „Andere könnten allerdings auch ein bißchen mehr tun", murmelte der Architekt, als er sich auf seinen Stuhl setzte und sich den Monitoren zuwandte. „Seit ich hier bin, pennt der Kleine!"
    Marte Escatt lächelte versteckt. Sie kannte Prenthane und wußte, daß er ein etwas gestörtes Verhältnis zu dem Ilt hatte. Die ungezwungene Art Guckys ging ihm gegen den Strich. Außerdem schien er sich nicht damit abfinden zu können, daß der Mausbiber zu den Unsterblichen gehörte und daher manches ganz anders sah als er. „Du solltest vorsichtig sein, Karl", warnte sie ihn.
    Prenthane schürzte die Lippen. „Ich bin seit mehr als zwanzig Stunden auf den Beinen", eröffnete er ihr. „Ich könnte mich auch hinhauen und schlafen.
    Aber das geht jetzt wohl nicht."
    Mürrisch ließ er sich auf seinen Stuhl sinken. Dann schob er seine leere Kaffeetasse zur Seite, die vor ihm zwischen den Monitoren stand. „Nicht einmal einen vernünftigen Kaffee gibt es hier. Wenn ich das gewußt hätte, wäre ich geblieben, wo ich war."
    Marte Escatt stand seufzend auf, nahm eine Kaffeekanne, ging hin zu ihm und goß ihm Kaffee ein. „Er ist sehr stark", warnte sie ihn. „Du solltest nicht zuviel davon trinken."
    Karl Prenthane antwortete nicht. Er schien noch nicht einmal zu bemerken, daß sie ihn bediente. Er blickte starr auf die Monitoren und verstellte die Optik der beobachtenden Kameras. Auf diese Weise holte er das Bild des Gefangenenlagers näher heran, so daß er besser sehen konnte, was dort geschah. Er konnte dennoch nur feststellen, daß es unruhig im Lager geworden war, weil Roboter einige Gefangene herauspickten und zum provisorischen Gebäude der Gen-Fabrik brachten. Es gelang ihm, die Kameras auszusteuern und einige dieser Gefangenen formatfüllend heranzuholen, doch keines der Gesichter war ihm bekannt. „Die Witzmaus sollte diese armen Leute lieber rausholen, statt dauernd zu pennen", murmelte er, griff nach der Tasse und trank sie aus. „Du bist ungerecht", tadelte ihn Marte Escatt. „Gucky kann diese Gefangenen gar nicht retten, ohne sich und uns alle zu gefährden."
    „Ach, es ist doch immer dasselbe", maulte er. „Wenn es um die Arbeit geht, sind wir dran, dafür stehen dann später bei der Bewertung immer die gleichen Namen in den Geschichtsbüchern. Nur nicht unsere." Sie lachte. „Du bist ein Spinner", erwiderte

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