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1344 - Fluchtburg der Engel

1344 - Fluchtburg der Engel

Titel: 1344 - Fluchtburg der Engel
Autoren: Jason Dark
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nicht.
    »Nein, nein, das ist nicht so, John. Das ist nicht so einfach. Du musst es mir glauben – bitte.«
    »Zusammen sind wir stärker.«
    »Nie!«, rief sie und riss beide Arme in die Höhe. »Niemals. Ich spüre es doch. Die Vergangenheit holt mich ein. Ich bin dort verglüht. Ich bin eine Hexe gewesen und…«
    »Nein, Manon, das bist du nicht. Das redest du dir nur ein. Der Teufel hat weder deinen Leib noch deine Seele bekommen. Denk daran, was du mir selbst gesagt hast. Du hast in meiner Gegenwart von einem Beschützer gesprochen. Von einem Schutzengel. Von Uriel, den…«
    »Der Teufel ist stärker. Ich spüre es. Ich merke es an den Flammen, John. Für mich ist es vorbei. Endgültig.«
    Das wollte ich nicht akzeptieren. Ich dachte daran, was in dem brennenden Haus passiert war, aus dem Bill und ich die Frau herausgeholt hatten. Wir waren in die Flammenhölle hineingelaufen.
    Wir hatten gedacht, sie retten zu können, aber wir hatten letztendlich nur eine verkohlte Leiche hervorgeholt.
    Aber die hatte sich später regeneriert. Aus dieser verbrannten Leiche war wieder ein normaler Mensch geworden, was den Pathologen, Dr. Clifford, fast wahnsinnig gemacht hatte. Nur war es eben passiert, und wir waren nun gezwungen gewesen, uns mit diesem Phänomen zu beschäftigen: Wir waren nicht darüber verrückt geworden, es gehörte eben zu unserem Job, diesen Dingen auf den Grund zu gehen und somit das Böse aufzuhalten, wo immer es zu stoppen war.
    Es war ruhiger geworden zwischen uns. Auch ich hatte mich wieder fangen können. Kein Zug rauschte heran. Die Tunnelröhre schien einzig und allein nur für uns gebaut worden zu sein, damit wir in dieser Umgebung zu einem Ende kommen konnten.
    »Bitte, komm her zu mir, Manon.«
    Sie lachte. Und dieses Lachen schien aus den Flammen zu dringen, die vor ihrem Gesicht tanzten.
    »Es ist besser so.«
    »Nein, John Sinclair, nein. Wir sind zu unterschiedlich. Du lebst auf deiner Ebene, ich auf der meinen. Ich… ich … kann mich nicht mehr kontrollieren. Du hast es in der U-Bahn erlebt. Plötzlich war das Feuer da und ich habe es auf einen anderen Menschen übertragen. Dass ich dies nicht gewollt habe, musst du mir glauben, doch es ist nun mal geschehen, und ich kann es nicht ändern. So etwas kann sich immer wieder neu entfachen und wiederholen. Bitte, das musst du mir glauben. Deshalb ist es besser, wenn wir getrennte Wege gehen.«
    »Das können wir auch, Manon. Da brauchst du keine Sorgen zu haben. Nur möchte ich die Gewissheit haben, dass du wieder okay bist. Dann wäre mir alles egal.«
    »Ich… ich … kann nicht.«
    »Bitte, du musst.«
    »Nein«, schrie sie und bewegte ihren Kopf sehr heftig. »Das ist nicht möglich. Du kannst mir nicht helfen. Ich habe das Ende meines Weges erreicht. Einmal ist Schluss. Für jeden Menschen gilt das. Auch für mich, John, auch für mich.«
    »Und was ist mit deinem Schutzengel?«, fragte ich.
    Es sah so aus, als würde sie hinter den zuckenden Flammen vor dem Gesicht gequält lächeln. »Ich kann mich nicht mehr auf ihn verlassen, John. Es geht nicht. Er ist nicht mehr da. Er hat einsehen müssen, dass die andere Seite stärker ist. Uriel hat sich zurückgezogen. Er hat den Kampf um mich aufgegeben. Jetzt gehöre ich ihm.«
    »Dem Teufel?«
    »Genau!«
    Ich schüttelte sehr langsam den Kopf. Dann sagte ich: »Es tut mir Leid, aber ich denke nicht daran, es zu akzeptieren, Manon. So leicht mache ich keinen Rückzieher.«
    »Das musst du. Es gibt keinen Schutzengel mehr für mich. Uriel hat aufgegeben.«
    »Wetten, nicht?«
    »Ich wette nicht. Ich weiß es. Auch wenn du dagegen wettest, du würdest nur verlieren, John.«
    Sie hatte zu mir mit einer neutralen Stimme gesprochen, wie jemand, der sein Schicksal akzeptiert hat. Genau das konnte mir nicht gefallen. Ich war es gewohnt, bis zum bitteren Ende gegen das Böse anzukämpfen. An Aufgabe hatte ich dabei nie gedacht.
    »Wenn du nicht zu mir kommst, dann werde ich zu dir kommen«, sagte ich leise.
    »Nein, John! Bleib da, wo du bist! Du würdest alles nur schlimmer machen!«
    »Willst du für dich allein sterben?«
    »Ich war bisher immer allein. Ich kann nicht länger in deiner Nähe bleiben. Es würde für uns beide ein Unglück sein. Glaube es mir, John Sinclair.«
    Um mir ihre Ansicht zu beweisen, ging sie langsam zurück. Sie hielt dabei ihren Blick auf mich gerichtet, aber letztendlich mehr auf mein Kreuz, das ich angehoben hatte.
    »Gut«, sagte ich leise. »Es ist dein Wunsch,

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