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131 - Unternehmen 'Crow's Nest'

131 - Unternehmen 'Crow's Nest'

Titel: 131 - Unternehmen 'Crow's Nest'
Autoren: Ronald M. Hahn
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Bis dahin galt es freilich noch ein paar Gefahren aus dem Weg zu räumen. Zum Beispiel die, welche ihnen aus dem fernen Sibirien drohte. Und natürlich die Gefahr, die von jenen Kreisen ausging, die sich noch immer weigerten, die von ihm repräsentierte Regierung als einzig rechtmäßige anzuerkennen.
    Vor einigen Monaten war einem gefährlichen Terroristen mit Unterstützung einer rebellischen Gruppierung aus der Enklave Amarillo die Flucht aus dem Gewahrsam des Weltrats geglückt. Nun war zu befürchten, dass weitere Cyborgs den Weg in die Hauptstadt fanden, um den Aufbau einer neuen Untergrund-Organisation zu unterstützen.
    Crow seufzte. Leider verbot sich im Moment ein Vergeltungsschlag gegen Amarillo: Unter den dort ansässigen Kräften gab es mindestens einen, der zu viel darüber wusste, wie Präsident Hymes wirklich ums Leben und Crow selbst an die Macht gekommen war.
    Aber dich kriegen wir auch noch, Tsuyoshi…
    Crows Blick fiel auf seinen zähneklappernden Begleiter. Er war so abenteuerlich gekleidet wie er selbst: Unter dem breitkrempigen Schlapphut war das schwarze Gesicht des Zweiten Adjutanten Rhineguard im Halbdunkel des Rotlichtviertels kaum zu erkennen. Beide Männer trugen lange Umhänge, denn sie wollten vermeiden, dass der hier verkehrende Auswurf der Gesellschaft sie erkannte.
    In dieser Gegend war Tarnung unbedingt nötig. Das in den engen Gassen hausende Gelichter war noch nie gut auf die Herren zu sprechen gewesen, die in ihrem gut beheizten Bunker jeden erdenklichen Luxus genossen.
    Natürlich hätte Crow sich auch von einem bis an die Zähne bewaffneten Kommando durch das verschneite Viertel begleiten lassen können. Doch ihm war nicht daran gelegen, dass die Spitzel und Kopfgeldjäger, die Waashton nach dem Terroristen Mr. Hacker durchkämmten, erfuhren, in wessen Auftrag sie wirklich handelten. Die einzelnen Fraktionen der örtlichen Unterwelt, dies war eine historische Tatsache, hielten wie Pech und Schwefel zusammen, wenn man der Regierung eins auswischen konnte. Hätten diese Leute gewusst, aus welcher Kasse das ausgesetzte Kopfgeld kam, wären sie vermutlich weniger enthusiastisch zu Werke gegangen.
    Deswegen hatte Crow es vorgezogen, einen kriminellen Strohmann die Belohnung für Mr. Hackers Leiche aussetzen zu lassen – einen Burschen, von dem er wusste, dass die Schergen des Bürgermeisters ihn in der Hand hatten. Alles sollte so aussehen, als wolle ein Lump einem anderen aus rein persönlichen Motiven ans Leder. Das Kopfgeld hatte schon jede Menge Geschmeiß von außerhalb der Stadt angelockt.
    »Da ist sie.« Major Rhineguard deutete mit dem Kinn auf den Eingang einer Kaschemme namens »Hello, Goodbye«.
    Musik und lauter Gesang wehten aus dem Lokal in die Gasse hinaus.
    Crow musterte die Frau. Sie sah verwegen aus. Ihr linkes Auge wurde von einer schwarzen Klappe verdeckt. Ihr Haar war schwarz und die Tönung ihrer Haut deutete an, dass unter ihren Ahnen einige Rassen dieser Welt vertreten waren. Ihre Kleidung bestand – einschließlich der langen Schaftstiefel – aus Wakudaleder. An ihrem Gurt hing ein langer Dolch in einer Scheide.
    Crow schätzte die Frau auf Mitte dreißig. Wäre sie ihm in einer adretten, gebügelten Uniform begegnet, hätte er sie möglicherweise sogar für attraktiv gehalten.
    »Hallo, Sabreena.« Rhineguard nickte ihr zu.
    Sabreena nahm ihn kalt in Augenschein: Crow wusste inzwischen, dass sie nicht nur das »Hello, Goodbye« betrieb, sondern auch eine stadtbekannte Hehlerin war und ein Heer von Dieben befehligte. Die Kenntnisse ihrer Bekannten waren für die Herren der Stadt ein unbezahlbarer Schatz, denn sie trieben sich in allen Löchern und Abgründen herum, in denen ein Terrorist möglicherweise Unterschlupf finden konnte.
    »Wer ist der Typ, Vincie?« Sabreenas Stimme klang in Crows Ohren wie ein Reibeisen. Der verächtliche Blick, der ihn traf, besagte, dass sie ihn nicht für attraktiv hielt. Er enthielt sich jeden Kommentars.
    »Namen sind Schall und Rauch«, erwiderte Rhineguard geheimnisvoll.
    »Yeah.« Sabreena nickte. »Interessiert ohnehin kein Piig.«
    Ihr Kinn deutete auf die Tür der Kaschemme. »Gehen wir rein. Hab keine Lust, mir hier den Arsch abzufrieren.«
    Das Innere des »Hello, Goodbye« war nicht viel wärmer als die Welt draußen, obwohl irgendwo im Hintergrund im Kamin ein Holzfeuer prasselte. Dies war möglicherweise auch der Grund dafür, dass die abgerissen wirkenden Gäste an den Tischen vor unglaublich großen

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