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1301 - Kreuzzug des Bösen

1301 - Kreuzzug des Bösen

Titel: 1301 - Kreuzzug des Bösen
Autoren: Jason Dark
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Ich war Zeuge des letzten Vorgangs geworden. Es drängte mich natürlich, einzugreifen, aber noch befand sich Godwin nicht in Lebensgefahr. Dass er noch lebte, wusste ich, auch wenn er mehr wie eine Leiche wirkte. Ich wollte zunächst abwarten, wie es weiterging und hütete mich davor, ein zu lautes Geräusch zu verursachen.
    Hinter mir lag der Hotelbesitzer, der auch den Portier gespielt hatte, bewusstlos am Boden. Ich hatte ihn bei meiner Rückkehr in das kleine Hotel gefunden und ging davon aus, dass auch ihn die beiden Frauen ins Reich der Träume geschickt hatten. Was sie anpackten, das machten sie gründlich.
    Gesprochen hatten sie bisher nicht. Auch jetzt sagten sie noch kein Wort und fingen an zu kichern. Ich kannte sie. Auch ich hatte schon mit ihnen zu tun gehabt. Ihre Namen waren mir unbekannt, und durch die gemeinsame Kleidung sahen sie irgendwie gleich aus. So konnte ich sie nur anhand der Größe unterscheiden.
    Ob es dunkle Kleider oder Mäntel waren, die sie um ihre Körper geschlungen hatten, spielte keine Rolle. Die Klamotten wirkten wie eine Art Uniform, und darauf lief es im Endeffekt hinaus. Sie wollten zeigen, dass sie zu einer Gemeinschaft gehörten, und sie schauten von zwei verschiedenen Seiten in das Gesicht des Templers.
    »Ja, er ist es. Es war so leicht!« Die Größere rieb ihre Hände und kicherte.
    »Er hat uns unterschätzt.«
    »Bestimmt.«
    »Sieht so ein Todfeind aus?«
    Die Größere zuckte die Achseln. »Das weiß ich nicht, aber ich kann dir sagen, dass er einer ist. Er ist ein Todfeind, der uns jagen wird, wenn er die entsprechenden Möglichkeiten hat. Und das hat er versucht.«
    »Man sollte ihm die Augen ausstechen!«, flüsterte die kleinere Frau voller Bosheit.
    »Ja, oder die Kehle durchschneiden.«
    »Das ist mir auch egal. Beides am besten, damit den Menschen mal gezeigt wird, wo es langgeht.« Die Sprecherin zitterte, denn dieser Vorschlag hatte sie aufgeregt.
    »Das bestimmen nicht wir, sondern Rosanna, und sie wird schon das Richtige anordnen.«
    Der Name Rosanna war für mich so etwas wie ein Stichwort. Er war kaum ausgesprochen worden, als die jüngste Vergangenheit wie ein Film vor meinen Augen ablief.
    Ich hatte auf Godwins Anruf reagiert, um mich mit dem Templer in diesem verlassenen Kaff südlich der Pyrenäen zu treffen. Der Ort hieß Coleda und lag nicht weit von dem weltberühmten Jacobsweg entfernt, den jährlich Tausende von Menschen gingen.
    In Coleda war davon jedoch nichts zu spüren. Der Strom führte an dem Ort vorbei, aber für Godwin war Coleda nicht unwichtig. Er hatte mir von einer geheimnisvollen Templerin berichtet. Sie hieß Konstanza und war eine Gestalt aus der Vergangenheit und eine Dienerin des Götzen Baphomet. Hier in der Nähe hatte sie gelebt und hier war ihr auch in den Ruinen eines Klosters ein Denkmal errichtet worden.
    Ich hatte es mir angeschaut, weil ich vor Godwin eingetroffen war. Wer dieses Denkmal, das Konstanza als Figur darstellen sollte, geschaffen hatte, war mir nicht bekannt. Die Figur war ziemlich abstrakt, aber man konnte erkennen, dass es sich um einen Menschen handelte, der auch ein Gesicht besaß, und genau dieses Gesicht hatte mich besonders interessiert, denn in ihm hatte ich die fratzenhaften Züge des Götzen Baphomet erkannt.
    Für mich war das so etwas wie eine Lösung, denn jetzt hatte ich den praktischen Beweis bekommen, zu wem diese Konstanza gehörte.
    Aber ich erlebte noch mehr, denn diese Figur war nicht nur einfach ein Wesen aus Stein, sondern magisch aufgeladen. Als ich sie mit meinem Kreuz berührt hatte, war es zu einem Phänomen gekommen. Ich hatte plötzlich den Boden unter den Füßen verloren.
    Ich schwebte zwischen den Welten, ich konnte hinein in die Vergangenheit schauen und nicht allein das. Ich war sogar in der Lage, sie zu erleben, denn ich tauchte wie ein Geistwesen in diese Zeit ein. Ich schwebte über allem, und ich hatte erlebt, wie mächtig diese Konstanza war, die unter dem Schutz des Dämons stand.
    Sie hatte die Macht an sich gerissen. Nackt hatte sie in dem mit glühenden Kohlen gefüllten Becken gestanden, weil sie verbrannt werden sollte. Aber sie wurde es nicht. Die Hitze tat ihr nichts, und die Zuschauer, Nonnen und Soldaten sowie ein Folterknecht hatten dieses Phänomen nicht begreifen können.
    Ihre Rache war schlimm.
    Sie tötete alle Männer.
    Zuerst holte sie sich den obersten Folterknecht. Dann waren die Soldaten an der Reihe. Nur die Frauen blieben verschont, denn sie zog

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