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1295 - Feuerfluch

1295 - Feuerfluch

Titel: 1295 - Feuerfluch
Autoren: Jason Dark
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und ein Computer mit einem sehr flachen Bildschirm.
    Das große Fenster im Büro des Chefs gab einen herrlichen Blick über halb London frei. Bei diesem klaren Wetter war es eine Freude hinauszuschauen. Das taten aber weder Serge Poliac noch wir, denn Suko und ich saßen ihm gegenüber und konzentrierten uns auf seine Person.
    »Ich habe keine Ahnung«, sagte er zum dritten Mal und warf den Bleistift auf die Platte. »Das müssen Sie mir glauben. Ich weiß nicht, wie so etwas passieren konnte. Ich kann noch immer nicht fassen, dass es überhaupt geschehen ist. Das kommt mir alles wie ein böser Traum vor, auch wenn Sie es bestätigt haben.«
    Das hagere Gesicht des Mannes hatte die Bräune des Solariums verloren. Selbst die dünnen Lippen waren bleich geworden. Den Blick der dunklen Augen konnte man schon als unstet ansehen.
    Serge Poliac war der Chef der Firma. Er hatte uns von seinem Job erzählt. So wussten wir jetzt, dass er und seine Mitarbeiter City Marketing machten und dabei versuchten, London im besten Licht darzustellen, im Inland ebenso wie im Ausland.
    Auf diesem Gebiet hatte auch Marc Bandura gearbeitet. Er war Kontakter, Außendienstleiter und hatte auch an diesem Montag einige Termine auf dem Kalender stehen.
    »Dass Sie keine Ahnung haben, glauben wir Ihnen«, sagte Suko. »Umgekehrt wäre es schlimmer gewesen. Doch im Leben passiert nie etwas ohne Motiv oder ohne Grund. Und da müssen wir uns durch Fragen eben näher herantasten, was Sie vielleicht verstehen können.«
    »Ich versuche es.«
    »Was wissen Sie über Ihren Mitarbeiter?«
    Poliac hob seine Augenbrauen. »Wie meinen Sie das genau? Denken Sie da an private Dinge?«
    »Genau.«
    »So gut wie nichts.«
    »Das gibt es nicht«, warf ich ein.
    Er blickte mich an. »Nun ja, ich weiß, dass er nicht verheiratet war. Dass er allein lebte und gern in eine bestimmte Bar ging, um etwas zu trinken. Das ist alles.« Er drückte seine angelegten Arme auf den Schreibtisch. »Bei uns wird hart gearbeitet. Es gibt keine festen Regelzeiten. Manchmal sitzen wir bis Mitternacht hier, um über ein Projekt nachzudenken. Wir sind keine Beamte, die zu einem bestimmten Zeitpunkt den Griffel fallen lassen. Hier wird oft geklotzt und malocht, auch wenn es nicht immer so aussieht.«
    »Das glauben wir Ihnen gern, Mr. Poliac«, erklärte ich lächelnd. »Auch wir lassen die Griffel nicht am Nachmittag fallen, aber wer so eng und oft so lange zusammen arbeitet, der muss doch auch mal etwas Privates zum Besten geben.«
    »Ja, das ist auch passiert. Wir haben uns als eine Familie angesehen. Wir feierten die Erfolge gemeinsam und haben bei Misserfolgen die Köpfe nicht hängen gelassen.«
    »Was heißt das?«
    »Weitermachen. Kämpfen.« Er trommelte mit der Fingerspitze auf seine Schreibtischplatte. »Nicht aus der Ruhe bringen lassen. Keine Entlassungen. Durchkämpfen und dabei Motivation immer gemeinsam aufbauen. Nur so kann es gehen.«
    »Hört sich gut an.«
    »Das ist es auch.«
    »Und wie sahen Ihre Motivationskünste aus, wenn es mal schief gegangen war?«, fragte Suko.
    »Dann haben wir uns zusammengefunden.«
    »Mehr nicht?« Suko lachte leise.
    »Doch, wir haben mehr gemacht. Wir haben den Familiensinn der Firma gestärkt.«
    »Wie sah das aus?«
    Poliacs Augen begannen zu glänzen. »Raus aus der Stadt. Hinein ins Land. An die Grenze gehen. In der freien Natur etwas erleben. Sich nicht unterkriegen lassen. In der Kälte übernachten. In einem Zelt, in der Einsamkeit. Auf sich allein gestellt sein und trotzdem in der Gruppe. Sich durchschlagen.«
    »Survival also?«
    »Nein.« Poliac winkte ab. »Das wäre übertrieben. Es dauerte immer nur ein Wochenende. Wir haben uns durchgeschlagen und stets einen Ort gefunden, an dem wir etwas essen konnten. Wir haben uns nicht von Würmern oder Käfern ernährt. Aber es war schon recht hart, Nächte im Freien zu verbringen, denn um uns herum ist es immer einsam gewesen. Das müssen Sie wissen.«
    »Wann haben Sie denn zuletzt dieses Experiment durchgeführt?«, erkundigte ich mich.
    »Vor zwei Wochen.«
    »Wie war das Wetter?«
    Poliac winkte ab. »Mies. Sogar mehr als das. Richtig schlecht. Aber wir haben es durchgestanden, und das war viel wert.«
    »Wohin ging denn die Reise?«
    »Nach Kent.«
    »Das ist groß und…«
    »In die Einsamkeit. In die Nähe eines alten Schlosses. Dort haben wir zwei Nächte verbracht.«
    »Ging alles glatt?«
    »Ja«, erklärte er. »Warum hätte es anders sein sollen?« Verwundert

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