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1279 - Die Jenseits-Pyramide

1279 - Die Jenseits-Pyramide

Titel: 1279 - Die Jenseits-Pyramide
Autoren: Jason Dark
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Es war die tiefe, zerstörende Angst, die einem Menschen die Seele zerfressen kann. Dieses Gefühl stand Ronald Potter ins Gesicht geschrieben. Er war ein noch junger Mensch, hatte vor zwei Monaten erst seinen einundzwanzigsten Geburtstag gefeiert und hätte eigentlich happy sein können. Locker, easy, die Dinge einfach auf sich zukommen lassen und dann reagieren.
    Abhängen, Partys feiern, mit den Girls oder mit Kumpeln einen draufmachen, das Leben genießen, bevor es richtig ernst wurde.
    Nein, Ronny oder Ronald war im Gegenteil ein Nervenbündel, ein Ballen zusammengepresste Angst. Er hatte den Mut verloren und stand völlig neben sich.
    Anders die Moderatorin. Roxanne Hill war ein Profi. Schon einige Jahre im Geschäft. Eine Sprecherin, deren Stimme zahlreichen Hörern bekannt war. In diesem knallharten Geschäft gehörte sie zu den sensiblen Personen, zumindest wenn sie auf Sendung war.
    Da holte sie Quote. Sie konnte mit den Menschen umgehen, die sich ihr offenbarten, und sie brachte die Themen eben sehr sensibel rüber.
    Die kleine Frau mit den weichen Augen und dem puppenhaft wirkenden Gesicht hatte schon viel geschafft, aber Ronald Potter gehörte zu den größten Problemfällen, die sie vors Mikro zu schleppen hatte. Sie gab sich wirklich Mühe, die Ruhe zu bewahren und ihren Gast nicht anzuschreien. Das fiel ihr schwer. Kleine Schweißtropfen hatten sich bereits auf ihrer Stirn gesammelt, und auch in den Achselhöhlen wurde der Stoff bereits nass.
    Nebenan, hinter der Glasscheibe, wo der Techniker saß und leise vor sich hingähnte, war noch nichts aufgefallen.
    Der Ton war nicht eingeschaltet, die Musik kam vom Band, und so hatten sie noch etwas Zeit, ohne Zeugen zu reden.
    »Bitte, Ronald…« Roxanne versuchte es mit einer Engelsgeduld und setzte ihr bestes Lächeln auf, obwohl sie innerlich hätte losschreien können.
    »Bitte, tu dir und mir doch den Gefallen. Es dauert nur eine Stunde. Zwischendurch spielen wir auch Musik. Du hast doch eine Botschaft, mein Junge. Du hast dich an uns gewandt, weil du etwas loswerden willst und deine Angst dich fast in den Wahnsinn getrieben hätte. Du brauchst ein Ventil, und jetzt hast du dieses Ventil hier bei mir gefunden. So und nicht anders musst du es sehen. Ich habe dir auch versprochen, dich nach der Sendung nicht allein zu lassen. Wir beide werden noch irgendwo hingehen und reden.«
    Ronald sagte nichts.
    »Bitte, Ronny…«
    Er schloss die Augen. Roxanne wusste nicht, welche Bilder sich jetzt traumatisch bei ihm aufbauen würden, aber positive konnten es bestimmt nicht sein. Potter verzog den Mund so stark, dass sein Gesicht dabei eine Grimasse bildete. Er litt, er war fertig. Dieser große, schlacksige junge Mann mit dem weißen T-Shirt, der schwarzen Hose und den strubbeligen blonden Haaren war nur ein Schatten seiner selbst. Er hatte die Kraft und den Mut verloren.
    »Ronny, bitte, es wird Zeit.«
    Er öffnete die Augen. »Sie kriegen mich…«
    »Niemand kriegt dich!«
    »Doch, sie kriegen mich. Sie kriegen alle, das weiß ich. Sie haben immer alle gekriegt.«
    »Aber jetzt passe ich auf.«
    »Dir schneiden sie die Kehle durch!«
    »Nun hör aber auf, bitte!«
    »Das tun sie, verdammt! Ich weiß es. Sie haben auch schon anderen die Kehlen durchgeschnitten. Du kennst sie ja nicht. Sie sind gnadenlos.«
    »Sie werden dich nicht finden. Das habe ich dir versprochen, und das Versprechen werde ich auch halten. Sie bekommen dich nicht, Junge. Warum glaubst du mir nicht?«
    »Weil du lügst!«
    »Nein, ich sage die Wahrheit!«
    »Ja, ja!«, keuchte Ronald sie an.
    »Die Wahrheit sagen sie alle und immer wieder. Meinen Sie. Aber wenn es darauf ankommt, gibt es kein Zurück, keine Chance.«
    »Warum hast du dich dann gemeldet? Warum haben wir denn über alles so intensiv gesprochen - he?«
    »Das weiß ich nicht!«
    »Aber ich weiß es, Junge, ich!« Sie deutete mit dem gekrümmten Finger gegen ihre Brust, »Ich habe es nicht nur von dir gehört, ich habe es auch gespürt. Du konntest es nicht mehr mitmachen. Du wolltest endlich frei sein, frei von diesem verdammten Ballast, von dem Druck, der auf dir lastete. Du hast gemerkt, was gespielt wird. Du bist intelligent, du bist ein Durchblicker, und du hast auch in die Zukunft hineingedacht, weil du nicht wolltest, dass anderen Menschen das Gleiche widerfährt wie dir. Du wolltest aufräumen damit, und du hast dich zu einem tollen Schritt entschlossen, der anderen, die sich in einer ähnlichen Lage befinden wie du,

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