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1265 - Die heilende Gottin

Titel: 1265 - Die heilende Gottin
Autoren: Unbekannt
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zugefügt"
    „Und nicht nur das", ergänzte der junge Priester. „Verstehst du denn nicht? Eine Frau, die dem Herrscherhaus entstammt, darf einfach nicht unfruchtbar sein. Sie darf keinen Makel haben. Das würde dem Ansehen des Herrscherhauses schaden. Und wenn dafür ein Angehöriger der Skamariden-Familie verantwortlich wäre, würde das Krieg bedeuten. Maghala-Kido hat seine Hand erhoben. Er hat dir die Möglichkeit gegeben, Schicksal zu spielen. Er will von dir angesprochen werden, um die Entscheidung nach deinem Wunsch zu fällen."
    Ksoundoksä, der Kidowhtar-Darhan, sprang auf und kam um den Schreibtisch herum. „Blödsinn", widersprach er. „Das hat mit Kido nichts zu tun. Ein Gynäkologe hat einen Fehler gemacht und erwartet nun von mir, daß ich ihm aus der Patsche helfe. Er soll zu mir kommen. Sofort."
    „Tamir ist nebenan", stammelte der junge Priester. „Her mit ihm", befahl Ksoundoksä.
    Zwei Minuten später fiel der Gynäkologe vor ihm auf die Knie. „Ich weiß, um was es geht", erklärte der Hohepriester. „Und ich bin bereit, dir zu helfen. Bleibt nur noch eine Frage: Was geschieht, wenn das Kind wieder gesund wird?"
    „Ich bin bereit, mein ganzes Vermögen zu opfern", erwiderte der Arzt.
    Ksoundoksä entblößte zufrieden seine Zähne. Er legte seine Hände gegen den Bauch. „Ich sehe, wir verstehen uns. Wie groß ist dein Vermögen? Was hast du zu bieten? Keine Angst, ich werde dir nicht alles nehmen. Nur etwa neunzig Prozent. Du sollst schließlich weiterleben und -arbeiten können."
    Tamir nannte ihm den Geldwert seines Vermögens, und Ksoundoksä staunte. Er hätte nie und nimmer für möglich gehalten, daß Tamir so reich war. „Ich werde dafür sorgen, daß das Kind gesund wird", versprach er
     
    2.
     
    Der Kidowhtar-Darhan strich bewundernd mit den Händen über das Metallgitter, das die Liftkabine umschloß, die sanft ratternd in die Höhe stieg. Wieder einmal wurde ihm bewußt, welch gewaltige Fortschritte die Maghalaer gemacht hatten. Wer hätte noch vor wenigen Jahren daran gedacht, daß es möglich wäre, mit einer solchen Maschine zu einem Dach hinaufzufahren, das das Tal überspannte?
    Die Ingenieurleistungen waren wahrhaft beeindruckend.
    Die Liftkabine glitt krachend und ächzend in eine Fangeinrichtung und blieb schließlich darin stecken. Die Gittertür schob sich zur Seite und gab den Weg frei in einen Gang, der schräg in die Höhe zum Dach hinaufführte.
    Vier nahezu unbekleidete Männer kamen dem Hohenpriester eilfertig entgegen. Sie schleppten Pelze heran, die sie ihm nun anlegten, bis er förmlich darin versank. Sie stülpten ihm eine Fellmütze über den Kopf, die nur noch die Augen frei ließ. Dann setzten sie ihm eine Schutzbrille auf und streiften ihm gefütterte Handschuhe über. Danach führten sie ihn zu einer Schleuse. „Wir müssen dich jetzt allein lassen", erklärte einer von ihnen. Ksoundoksä antwortete nicht. Es war nicht das erste Mal, daß er diesen Weg ging, und diese Worte hatte er allzuoft gehört.
    Er betrat die Schleuse, und die Männer schlössen die Tür hinter ihm. Er wartete einige Sekunden, dann öffnete er die Außentür. Schnee wirbelte herein, schreckte ihn jedoch nicht ab. Er stapfte auf das Dach hinaus, das sich über dem Tal spannte. Eine schmutziggraue Fläche lag vor ihm, aus der in unterschiedlichen Abständen Schornsteine emporragten. Aus diesen stiegen dichte Wolken von Abgasen auf, aus denen unaufhörlich Schmutzpartikel herabregneten und sich auf dem Dach und in der Umgebung des Tales ablagerten.
    Etwa hundert Meter von der Schleuse entfernt arbeiteten mehrere vermummte Gestalten an einem Flugzeug, das überaus zerbrechlich aussah. Es war denkbar einfach konstruiert und wies in seinem Aufbau zahllose Fehler auf, doch das wußte niemand auf diesem Planeten. Für Ksoundoksä und alle anderen Maghalaer war dieses Flugzeug der Gipfel der Ingenieurskunst und höchster Ausdruck der technischen Neuzeit.
    Der Kidowhtar-Darhan eilte durch Schnee und Schmutz zu der Maschine hinüber, kletterte mit der Hilfe mehrerer Männer hinein, warf den Motor an und startete. Dröhnend rutschte die Maschine auf den Kufen über das Dach, bis sie sich schließlich schwerfällig in die Höhe kämpfte. Ksoundoksä wartete, bis sie auf etwa dreihundert Meter aufgestiegen war, dann schloß er das gläserne Kabinendach, so daß er nicht dem scharfen Fahrtwind ausgesetzt war. Er spürte die Kälte nicht.
    Wir haben die Natur besiegt, dachte er

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