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1217 - Todfeind der Templer

1217 - Todfeind der Templer

Titel: 1217 - Todfeind der Templer
Autoren: Jason Dark
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Es war auch fast soweit gewesen, und ich hatte schon die Berührung der Zahnspitzen gespürt, dann war der Schrei erfolgt, der uns beide irritiert und mir noch eine Gnadenfrist ermöglicht hatte.
    Wer hatte geschrien?
    Ich sah keinen Menschen. Auch Justine bekam ihre Probleme.
    Sie saß neben mir und schüttelte den Kopf, weil sie niemanden entdecken konnte. Dann schaute sie kurz auf mich.
    Das Grinsen konnte ich nicht lassen. Ihr gefiel es auf keinen Fall. »Es ist nur eine Galgenfrist!«, flüsterte sie mir zu. »Keine Sorge, ich trinke dich noch leer.«
    »Kann ja sein, dass du Konkurrenz bekommen hast.«
    »Wieso?«
    »Der Schrei…«
    Sie schüttelte den Kopf. »Es war ein Zufall, nicht mehr, Sinclair. Du brauchst dir keine Hoffnungen zu machen.«
    »Aber du bist irritiert.«
    Sie gab mir keine Antwort mehr und rutschte von der Liege, auf der sie mich festgebunden hatte. Neben ihr richtete sie sich wieder auf und blieb stehen. Ich musste zugeben, dass sie verwundert war, denn sie bewegte den Kopf wie jemand, der unbedingt etwas finden wollte und damit seine Probleme hatte.
    Eines allerdings stand fest. Der Frauenschrei war in dieser Höhle aufgeklungen. Also musste sich jemand hineingeschlichen haben, der jedoch nicht zu sehen war.
    Es mochte daran liegen, dass die Kerzen zwar ein recht gemütliches Licht abgaben, aber kein zu helles. Der Schein ließ auch viele dunkle Inseln zu oder graue schattige, die ich mit meinen Blicken nicht durchd ringen konnte.
    Ich dachte über den Schrei nach. In Mallmanns Vampirwelt herrschten andere Gesetze. Er war der Herrscher. Was er befahl, das musste getan werden.
    Mallmann kannte kein Pardon. Ich wunderte mich sowieso darüber, dass er mich seiner neuen Freundin Justine Cavallo überlassen hatte. Mein Blut hätte auch ihm geschmeckt. Aber zwischen ihm und der Cavallo musste es ein besonderes Verhältnis geben, über dessen Hintergründe ich noch nichts herausgefunden hatte.
    Justine meldete sich noch immer nicht. Sie war allerdings auf der Hut und bewegte ihren Kopf leicht hin und her. Auch sie hatte den Schrei zumindest als ungewöhnlich eingestuft. Für mich kam noch hinzu, dass er sich angehört hatte wie der eines normalen Menschen. Aber wer davon verirrte sich in diese Welt?
    Wieder versuchte ich, mich von meinen Fesseln zu befreien.
    Es war unmöglich. So sehr ich die Hände auch drehte und an der Seide zerrte, ich kam einfach nicht los. So musste ich mich weiterhin auf die Fremde verlassen.
    Nur der Schrei und keine Befehle!
    Auch das war leicht irritierend gewesen. Eigentlich hätte sich Justine gar nicht groß darum zu kümmern brauchen, schließlich war nichts passiert, und trotzdem verhielt sie sich so angespannt. Die Störung hatte einfach nicht in diese Welt hineingepasst. Aus diesem Grunde war sie irritiert.
    Ich ließ mich wieder zurücksinken, weil es Kraftvergeudung war, wenn ich versuchte, an den Fesseln zu zerren. Damit tat ich mir selbst keinen Gefallen. Auf der Seite liegend, ließ ich Justine nicht aus den Augen. Sie war weiterhin beunruhigt und schlich durch die Höhle.
    Sie trug so gut wie keinen Faden am Leib. Nur das Dreieck zwischen den Beinen war durch ein kleines Stück Stoff verdeckt, das auch in eine Streichholzschachtel gepasst hätte.
    Ansonsten war sie so etwas wie die personifizierte Verführung oder der zu Fleisch gewordene Männertraum. Wer sie sah, der dachte an Sex, aber nicht daran, dass er sein Blut verlieren würde.
    Sie strich das lange Haar zurück, das sehr blond und sehr hell aussah.
    Da war bei der Farbe wohl nachgeholfen worden, aber auch das störte mich nicht. Sie konnte aussehen wie sie wollte, für mich zählten allein die verdammten Zähne, die in meine Haut stoßen und Wunden reißen wollten.
    Ich war sauer, weil ich die Fesseln einfach nicht loswurde.
    Ich konnte meine Beine bewegen, aber das brachte mir auch nichts. So blieb mir nichts anderes übrig, als die blonde Bestie nur mit den Blicken zu verfolgen.
    Es gab etwas in dieser Umgebung. In der Höhle musste sich etwas versteckt halten. Das las ich aus Justines Bewegungen ab, die keinesfalls locker ging, sondern sehr auf der Hut war.
    Auf ähnliche Art und Weise schlichen auch Raubtiere gegen den Wind an ihre Beute heran. Justine musste die Spannung in jeder Faser ihres Körpers spüren. Sie war immer auf dem Sprung. Wäre jetzt eine Beute erschienen, Justine hätte sofort angreifen können.
    Es war wieder still geworden. Die Kerzenflammen sahen aus wie feurige und

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