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121 - Die Jagd nach dem Januskopf

121 - Die Jagd nach dem Januskopf

Titel: 121 - Die Jagd nach dem Januskopf
Autoren: Dämonenkiller
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Kurz vor dem Einbruch der Dämmerung hörte Agni einen durchdringenden Schrei. Der Dämon hob den Kopf, und seine Ohren spitzten sich. Sein rosiges Gesicht begann zu leuchten. Es glühte jetzt dunkelrot, und seine Augen schienen aus Flammen zu bestehen.
    Ein Opfer war in eine seiner zahlreichen Fallen getaumelt. Er durfte keinen Augenblick Zeit verlieren.
    Blitzschnell verließ er die riesige Höhle, trat ins Freie und hob lauschend den Kopf.
    Wieder war der entsetzliche Schrei zu hören. Agni wandte sich nach links, übersprang einen Steinhaufen und eilte eine steil in die Tiefe führende Felsplatte hinunter.
    Im schwindenden Licht der Sonne sahen die Bergwände bizarr und fast unwirklich aus. In dieses einsame Gebiet des Himalaja verirrte sich nur selten jemand. Die verborgenen Täler in Kaschmir waren Agnis Reich.
    Nach wenigen Minuten blieb der gedrungene Dämon vor einer Geröllhalde stehen. Ein zufriedenes Lächeln lag um seine wulstigen Lippen. Er war mit einem flammendroten Umhang bekleidet, der lose um seinen Körper hing.
    Vor dem Sterbenden, der in seiner magischen Falle gefangen gehalten wurde, blieb er stehen.
    Der Gefangene war ein alter Mann. Sein Schädel war kahl, und sein Gesicht war faltig.
    „Befreie mich", keuchte der Alte. „Ich verbrenne!"
    Agni stieß ein höhnisches Lachen aus. „Du Narr!" zischte er. „Ich lasse dich nicht frei. Denn wer sich in mein Gebiet wagt, der ist verloren!"
    „Hilfe!" kreischte der Alte mit versagender Stimme. Sein Körper wurde von winzigen tanzenden Flammen umzüngelt.
    „Dein Tod wird mir neue Kräfte bringen, Alter", sagte Agni zufrieden. Den Namen Agni hatte der Dämon vor vielen Jahren wegen seiner besonderen Fähigkeiten gewählt. In der indischen Mythologie war Agni der Feuergott, und nach ihm hatte sich der Dämon genannt, da auch er das Feuer beherrschte.
    Die Flammen, die den Alten einhüllten, schlugen höher. Agni trat ein paar Schritte näher und hob die Arme. Die Flammen sprangen auf ihn über. Verzückt schloß er die Augen und gab sich dem Genuß hin, den ihm die Flammen bereiteten, die den Alten langsam verbrannten. Die Schmerzensschreie des alten Kaschmiris klangen wie wohltönende Musik in den Ohren des Dämons. Seine Nasenflügel bebten vor Entzücken. Gierig sog er den Gestank des brennenden Fleisches ein.
    Es dauerte nur wenige Sekunden - dann war der Alte verbrannt, und die Flammen erloschen. Nur ein Häufchen Asche war übriggeblieben.
    Agni ließ die Arme sinken. Sein Körper war in rotes Licht getaucht, das langsam schwächer wurde. Der Dämon bückte sich und überprüfte die magische Falle. Sie war intakt.
    Gemächlich drehte er sich um. Er lachte spöttisch und ging langsam zu seiner Höhle zurück. Er fühlte sich wie neugeboren. Schon lange war kein Opfer mehr in eine seiner Fallen gegangen.
    Vor langer Zeit hatte er sich hier niedergelassen. Er war ein unbedeutendes Mitglied der Schwarzen Familie, der sich nur wenig darum kümmerte, was in der Welt vorging. Seine Welt waren die schmalen Seitentäler, die er mit magischen Fallen und Sperren abgesichert hatte. Hier gab es ein halbes Dutzend kleiner Bergdörfer, deren Bewohner ihn fürchteten und wie einen Gott verehrten. Die Zivilisation war ihnen unbekannt - dafür hatte er gesorgt.
    Nur selten bekam er Besuch eines anderen Mitglieds der Schwarzen Familie, das ihn dann über die neuesten Entwicklungen unterrichtete.
    Der neue Herr der Schwarzen Familie war Luguri. Ihm hatte er auch sofort seine Ergebenheit versichert, so wie er es vorher bei Asmodi, Olivaro und Hekate getan hatte. Die Intrigen und Streitereien innerhalb der Familie kümmerten ihn nicht.
    Er war ein Eremit, der sich wochenlang meditierend in seiner Höhle aufhielt und sie nur verließ, wenn ein Opfer in eine Falle gegangen war oder wenn er seine Dörfer besuchen mußte.
    In der Höhle war es warm und behaglich. Er legte sich auf ein paar dicke Felle, schloß die Augen und verschränkte die wulstigen Hände über dem feisten Bauch. Zufrieden rülpsend döste er vor sich hin, träumte von neuen Opfern und schlief endlich ein.
    Nichts störte seinen Schlaf. Nach drei Wochen erwachte er. Er war hungrig.
    Er trat vor die Höhle. Es war eine wolkenlose Nacht, und der Mond stand hoch am Himmel.
    Zeit, eines der Dörfer zu besuchen, dachte Agni.
    Er kniff die Augen zusammen, konzentrierte sich und riß sie ruckartig auf.
    Seine Augen rotierten jetzt wie feurige Wagenräder. Sie wurden immer größer und glühender.

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