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119 - Der Diamantendolch

119 - Der Diamantendolch

Titel: 119 - Der Diamantendolch
Autoren: Dämonenkiller
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Kommandostab vom Fußboden neben dem Bett auf. Das Flüstern wurde deutlicher; kein Zweifel, es mußte aus dem Kommandostab kommen.
    Unga hielt das verdickte Ende mit dem Loch ans Ohr. Jetzt verstand er die Worte.
    „Kommt näher!" sagte die Flüsterstimme. „Kommt mir noch näher! Großes Leid ist über die Erleuchteten gekommen."
    Täuschte sich Unga, oder war es Jeff Parkers Stimme? Jeff galt schon seit einer ganzen Weile als vermißt.
    Unga rüttelte Don Chapman wach.
    „Was ist denn jetzt schon wieder?" fragte Don schlaf trunken.
    Der Cro Magnon tastete nach der Schnur, mit der man das Licht anknipsen konnte, verhedderte sich im Moskitonetz und brauchte eine Weile, um seine Hand aus dem feinen Gespinst zu befreien. Als das Licht endlich brannte, reichte er Don Chapman den Kommandostab.
    „Hör mal, Don! Verstehst du die Worte? Ist das nicht Jeff Parkers Stimme?"
    Don schaute den muskelstrotzenden Cro Magnon, der nur eine knappe kurze Pyjamahose trug, mißbilligend an. „Was soll denn das? Hast du mich etwa deshalb geweckt? Ich höre keinen Ton."
    „Kein Wort? Kein Geflüster?"
    „Nichts. Hörst du denn etwas?"
    Unga führte die Öffnung des Kommandostabs ans Ohr. Jetzt vernahm auch er nichts mehr. „Vielleicht habe ich mich geirrt", sagte er. „Schlaf weiter, Don! Vergiß es!"
    Don Chapmans Blick verriet, daß er sich sehr über den Cro Magnon wunderte und vielleicht sogar ein bißchen an seiner geistigen Verfassung zweifelte.

    Die fünfzig Pilger hatten sich auf dem Dorfplatz von Ellora versammelt. Von hier waren es nur noch wenige Kilometer bis zum berühmten Kailasanath-Tempel, den fünf Jaina-Tempeln und den vierunddreißig Kulthöhlen von Ellora.
    Nach alter Sitte wollten die Pilger zu Fuß von Ellora nach Ajanta wandern, zu dem Höhlenkloster und den Tempelhöhlen, die sich dort befanden. Diese Wallfahrt war eine von den irdischen Taten, die den gläubigen Hindus und Buddhisten nahegelegt wurde, um ihr Karma zu stärken. Ein starkes Karma war die Voraussetzung für eine Wiedergeburt nach dem Tode - eine Wiedergeburt in höherer, geläuterter Form.
    Unga, Don Chapman und die exotisch-schöne Inderin Reena, eine Padma-Anhängerin, befanden sich unter den Pilgern. Unga und Reena trugen helle Roben, wie die anderen Pilger auch. Viele hatten sich die Köpfe kahlgeschoren. Unga und Reena hatten ihre dunkle Haarpracht behalten.
    Der Cro Magnon verbarg Don Chapman unter den Falten seines Gewandes. In Manmad und bei den Tempeln hielten sich nach den letzten Vorkommnissen Polizei- und Militärkräfte auf. Sie hatten aber nichts über die Vorkommnisse im und beim Kailasanath-Tempel herausfinden können und würden bald unverrichteter Dinge wieder abziehen müssen. Die meisten Spuren von dem erbitterten Kampf, der im Kailasanath-Tempel zwischen Chakras, Padmas und Dämonen getobt hatte, waren von den Padma-Anhängern verwischt worden. Die Vermißten und Todesfälle, die sich nicht vertuschen ließen, schoben die Padmas dem Wirken der dämonischen Mächte, denen sie den Garaus hatten machen können, zu. Wenn sie näher befragt wurden, flüchteten sie sich in Schweigen und Meditation.
    Polizei und Militär waren zufrieden, daß der Spuk von Ellora jetzt vorbei war. Sie zeigten sich bereit, die unerklärlichen Vorkommnisse den unlösbaren Rätseln des menschlichen Lebens zuzuschreiben und zur Tagesordnung überzugehen.
    Daß Unga bei den Geschehnissen im Kailasanath-Tempel eine tragende Rolle gespielt hatte, wußte kein Außenstehender. Unga besaß einen echten isländischen Paß auf den Namen Unga Triihaer. Offiziell war er ein Indologe, der eine Studienreise machte und Kultur, Kunst und Folklore Indiens studieren wollte; daß er als Forscher eine Pilgerfahrt mitmachte, war nicht so abwegig.
    Der Guru, der religiöse Lehrer und Führer, sprach die traditionellen Worte zum Aufbruch. Die Pilger warfen ihr Reiseopfer in den Staub, ein paar Körner zu Ehren der buddhistischen und hinduistischen Götter. Dann formierte sich der Zug. Jeder hatte einen Wanderstab und trug ein Bündel auf dem Rücken, das seine Habseligkeiten und den Proviant enthielt.
    Pilger, die die Wallfahrt ganz ernst nahmen, würden sich unterwegs nur von einer Handvoll Reis am Tag ernähren. Unga war kein Fanatiker. Ein paar Dörfer lagen am Weg. Er hatte Geld und beabsichtigte, die Reiskost mit gebratenen Hühnern, Wildbret und dergleichen aufzubessern.
    Ajanta lag in nördlicher Richtung, in der Nähe des Tapti-Flusses. Die Kultstätte war

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