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1173 - Der irre Doc

1173 - Der irre Doc

Titel: 1173 - Der irre Doc
Autoren: Jason Dark
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mussten.
    Wie schon in Nebenraum, so herrschte auch hier eine bedrückende Stille. Das sehr helle Licht gab dem Raum hier eine völlige Normalität. Wer nicht wusste, an wem hier gearbeitet wurde, wäre erst gar nicht auf den Gedanken gekommen.
    Ich drehte mich wieder um und ging zurück in die Halle. Es war mir schon aufgefallen, dass es in beiden Räumen kühler war als in der Halle. Im dritten Raum würde es noch kälter sein.
    Ich atmete noch einmal tief durch und konzentrierte mich auf meine wichtigste Aufgabe. Ein leichter Kloß hockte schon in meinem Hals, als ich die Tür zunächst nur spaltbreit öffnete.
    Augenblicklich erwischte mich der Schwall kalter Luft und legte sich wie ein Schleier auf mein Gesicht. Dabei hatte ich das Gefühl, dass mir der Schweiß auf dem Gesicht einfror, aber ich merkte auch die Kälte, die von innen kam.
    Noch machte ich kein Licht. Ich zog nur die Tür weiter auf und spähte in das Dunkel hinein. Auch dieser Raum hatte keine Fenster, und das Licht, das trotzdem hineinfiel, versickerte vom Eingangsbereich her dicht hinter der Schwelle.
    Ich sah einige Gegenstände. Schwache Umrisse nahe der Tür. Sie kamen mir vor wie Betten, die zu beiden Seiten der Wände standen und mit den Fußteilen nach innen ragten.
    Dieser Raum war mindestens doppelt so breit wie die beiden anderen. So hatten die »Betten« genügend Platz, und sie störten auch keinen der Eintretenden.
    Den Lichtschalter fand ich an der linken Seite. Wieder flackerten an der Decke die beiden Leuchten, bevor sie normal brannten und ihr Licht abstrahlten.
    Die Ziele waren klar.
    Hier lagen sie.
    Hier lagen die Toten in Reih und Glied. Umgeben von einer frostigen Kälte, die mir den Atem nahm. Ich hatte Zeit genug gehabt, mich darauf einzustellen, doch ich erlebte so etwas wie einen Schock, der sich noch verstärkte, als hinter mir die Tür mit einem lauten Schwapp ins Schloss fiel.
    Ich war gefangen!
    ***
    Bei diesem Gedanken brach mir Schweiß aus. Ich hatte das Gefühl, in der Tiefe zu versinken.
    Die Tür war zu, daran gab es nichts zu rütteln. Was vor mir lag, interessierte mich im Moment nicht.
    Ich drehte mich um.
    Ja, sie war tatsächlich zugefallen!
    Ob jemand sie zugestoßen hatte, war mir nicht bekannt. Jedenfalls musste ich wissen, ob sie auch von innen zu öffnen war.
    Sie war es nicht!
    Das war der zweite Schock. Ich stand auf der Stelle, ohne mich zu rühren. Über meinen Rücken rieselte ein kalter Schauer. Ich hatte die Tür nicht zugestoßen. Sie hätte von allein zufallen können, alles kein Problem, aber sie hätte sich nicht von allein abschließen können. Da fing das Rätsel an.
    Sicherheitshalber probierte ich es noch einmal und hatte wieder Pech. Die Klinke ließ sich bewegen, aber ich schaffte es nicht, die Tür zu öffnen. Man hatte sie abgeschlossen.
    Sich zwischen zahlreichen Leichen aufzuhalten, bedeutet für die meisten Menschen das Schlimmste, was man sich vorstellen kann. Einen absoluten Horror, das Wahrwerden ihrer Albträume, und auch ich war ein Mensch. Aber ich war schon durch verdammt viele Höllen gegangen, sodass sich der Schreck bei mir in Grenzen hielt.
    Die Tür war verschlossen, daran konnte ich nichts mehr ändern. Ich musste aus der Situation das Beste machen. Es war nicht dunkel. Zum Glück nicht, denn die Stablampe hatte ich nicht mitgenommen. Aber auch das helle und ebenfalls leicht grelle Licht veränderte die Umgebung kaum zum Positiven, denn so war ich praktisch gezwungen, jede Einzelheit haarklein wahrzunehmen.
    In diesem Raum wurden die Leichen gewaschen und für die anschließende Kosmetik vorbereitet.
    Vier Tote zählte ich.
    Zwei lagen auf der rechten, die anderen beiden auf der linken Seite.
    Rechts zwei Männer, links zwei Frauen. Es war alles genau aufgeteilt worden.
    Es waren ein paar Schritte bis zum ersten Tisch. Weitere Tische im Hintergrund waren leer. Dort standen die Wannen, in denen die Leichen gewaschen wurden. An den Wänden hingen große Tücher, mit denen man sie abtrocknete. In der Luft hing ein Geruch nach Chemie, Formalin und andere Gerüche, die ich nicht identifizieren konnte.
    Die beiden Männer lagen völlig nackt und auf dem Rücken auf den Kunststofftischen. Sie waren schon älter. Der erste hatte noch seine Haare. Sie wuchsen wie ein weißer Kranz um seinen Kopf herum. Die Augen standen offen und starrten gegen die Decke, als wollten sie dort etwas Besonderes erkennen. Auch der Mund war nicht geschlossen. Mir schien es so, als wollte der

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