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1124 - Aus dem Reich der Toten

1124 - Aus dem Reich der Toten

Titel: 1124 - Aus dem Reich der Toten
Autoren: Jason Dark
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sicher.«
    »Was stört dich?«
    »Er ist raffiniert. Einer wie er geht immer Wege, an die wir nicht denken.«
    »Gratuliere.«
    Sie drehte sich scharf. »Warum?«
    »Du scheinst ihn ja gut zu kennen?«
    »Vielleicht besser als du«, erwiderte sie orakelhaft und ließ den Blick noch einmal über die Fenster gleiten, an denen sich allerdings nichts tat.
    »Das gefällt mir nicht, John. Es ist zu ruhig. Ich hatte ja gedacht, daß er mich besuchen würde, aber…«
    »Hätte er einen Grund gehabt?«
    »Denk selbst darüber nach.«
    Eine Lösung zu finden war nicht schwer, denn sie hielt sich in meiner Nähe auf, und mir wollte der Killer an den Kragen. Die Fenster waren zu klein, es blieb nur die Tür, und genau auf sie deutete Nora. »Wer geht zuerst?«
    »Ich!«
    »Wie du willst!«
    Dazu kam es nicht, denn der Killer bewies uns, daß er nach wie vor in der Nähe steckte. Er selbst meldete sich nicht, dafür seine verdammte Kettensäge.
    Einen Schritt vor der Tür bleib ich stehen. Plötzlich rieselte es wieder kalt über meinen Rücken hinweg. Die Melodie der Kettensäge war etwas, das ich aus dem tiefsten Herzen haßte. Ich hätte sie am liebsten in die Hände bekommen und zertrümmert. Dieses verdammte Brummen und Schrillen zerrte an meinen Nerven, so daß mir kalt und heiß zugleich wurde.
    Auch Nora Thorn war für einen Moment starr geworden. Sie bewegte sich eher als ich und wich von der Tür wieder weg. Dabei hielt sie den Kopf erhoben und streckte auch die rechte Hand aus, mit der sie zum Dach deutete.
    »John, er ist oben!«
    In diesem Fall hatte Nora das perfekte Gehör. Als ich mich auf das Geräusch konzentrierte, mußte ich ihr zustimmen. Wenn überhaupt, dann hockte der Killer mit dem Gesicht meines Vaters auf dem Dach.
    »Hast du ihn auch gesehen?« fragte ich.
    »Nein, noch nie.«
    Ich wußte nicht, ob ich ihr glauben sollte, stellte allerdings keine weiteren Fragen mehr und wartete darauf, daß dieses Dach durchsägt wurde.
    Mir war nicht bekannt, womit man es bedeckt hatte. Dachpfannen waren wohl nicht dafür genommen worden. Wahrscheinlich nur mit Dachpappe und Holz, kein großer Widerstand für eine Kettensäge.
    Ihre Geräusche hörten sich jetzt anders an, denn sie hatte ein Ziel bekommen. Das Brummen war tiefer geworden. Irgendwo schnitt sie ein und wenig später auch durch.
    Holz und Teerpappe regneten tatsächlich nach unten. Es war eine Lücke entstanden, durch die das Tageslicht sickerte, die aber zugleich wie eine offene Tür wirkte, denn in ihrem Ausschnitt zeichnete sich auch die Gestalt des Killers ab.
    Angeblich sah Nora ihn zum erstenmal. Es war schon bewundernswert, wie sie die Nerven behielt.
    Sie schrie nicht, verfiel in keine Panik, sondern blickte konzentriert auf die Lücke und die Gestalt.
    Sie hockte am Rand. Das Blatt der Kettensäge ragte schräg nach unten, und es war blank wie ein Spiegel.
    Ich sah meine Chance gekommen. Mit einer glatten Bewegung zog ich die Beretta. Okay, ich hatte schon einmal auf ihn geschossen und mit der geweihten Silberkugel nichts erreicht. Diesmal aber zielte ich auf sein Gesicht.
    »So kriegst du ihn nicht, John!«
    »Abwarten!«
    Im gleichen Augenblick schrie die Kettensäge wieder los. Das Geräusch klang diesmal so schrill und regelrecht brutal. Es schien uns durchschneiden zu wollen.
    Holzspäne wölkten als Staub in die Höhe, vernebelten die Sicht, und ich feuerte trotzdem.
    Die Kugel traf.
    Leider nicht den Killer, denn der hatte sich blitzartig zurückgezogen, als wäre er kein Mensch, sondern ein Schemen. Begleitet wurde seine Flucht von dem hohen Singen der Kettensäge, und ich wußte, daß dieses teuflische Spiel erst begonnen hatte.
    Der Fluch rutschte mir automatisch über die Lippen. Nora Thorns Reaktion bestand nur aus einem Schulterzucken. »Manchmal läuft es eben nicht so, John.«
    »Du siehst das wohl locker, wie?«
    »Wie man es nimmt. Ich möchte schon gerne leben, aber das ist eine andere Sache. Wir sollten wirklich zusehen, daß wir hier so schnell wir möglich verschwinden. Der Typ zersägt noch die ganze Hütte, und das wäre schade.«
    Auf derartige Antworten wäre ich nie in meinen kühnsten Träumen gekommen. Diese Person war mehr als cool, man konnte sie sogar als abgebrüht bezeichnen.
    Ich wollte noch nicht gehen und untersuchte die unmittelbare Nähe der Dachöffnung.
    Der Killer war nicht zu sehen. Mir fiel plötzlich mein Traum wieder ein. Da hatte ich ihn durch den Nebel über den Steg auf das Haus zugehen

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