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1119 - Das Satansgrab

1119 - Das Satansgrab

Titel: 1119 - Das Satansgrab
Autoren: Jason Dark
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Er sah die Hochhäuser im Hintergrund wie eine gemalte Kulisse. Erhellte Fenster bildeten Vierecke, die in die Welt der Düsternis hineingrüßten. Sie schienen locken zu wollen, aber Burton wusste genau, dass er keine Chance hatte, so schnell an sie heranzukommen.
    Der Friedhof war dicht und eng. Er passte zu dieser verdammten Stadt, in der eben alles möglich war. Sogar der Freilauf des Teufels.
    Nichts hätte Tim Burton gewundert. In New York war eben alles ein wenig anders, selbst die Friedhöfe.
    Hohe Grabsteine schauten ihm zu wie steinerne Zeugen, die sich nicht bewegten. Hier hatten die Überlebenden ihre Phantasien austoben können und den Steinmetzen oft die verrücktesten Aufträge gegeben. Manche Grabsteine sahen aus wie bucklige Menschen, obwohl sie Engel darstellen sollten. Andere wiederum bildeten komische Figuren, die an alles mögliche erinnerten. Aber es gab auch normale Platten, Kreuze und Steine. Über allem schwebte die Dunkelheit und eine Luft, die kaum mehr als gesund zu bezeichnen war.
    Es lag nicht nur an den Abgasen, die ständig vorhanden waren, es hing auch mit der verdammten derzeitigen New Yorker Schwüle zusammen, die selbst in der Nacht kaum nachgelassen hatte.
    Burton schwitzte stark. Die Kleidung klebte an seinem Körper. Er verfluchte sich selbst, weil er sich auf den Job eingelassen hatte.
    Aber was tat man nicht alles, um gewissen Leuten einen Gefallen zu erweisen, der sich später mal auszahlen würde? Als privater Ermittler gehörte man in dieser Stadt sowieso nicht zu den Großverdienern. Dafür war die Konkurrenz einfach zu groß. Einige seiner Berufskollegen sahnten richtig ab, die Masse aber darbte so dahin, wie Tim stets zu sagen pflegte, wenn er mal wieder in ein Auftragsloch gefallen war.
    Dieser Sommer hatte es in sich gehabt. Keine Jobs. Bis dann der G-Man Abe Douglas gekommen war und ihn aufgefordert hatte, einzusteigen und sich auf einem bestimmten Friedhof umzusehen, der zwar ein guter Platz für die Toten war, jedoch nicht für die Lebenden, denn man hatte auf dem Gelände schon vier Leichen gefunden, und sie hatten nicht eben »nett« ausgesehen.
    Ein Scheißjob. Ein harter dazu. Aber einer, der gutes Geld brachte, und das konnte Burton gebrauchen.
    Beim nächsten Schritt rutschte er aus. Er hätte zu Boden schauen sollen, dann wäre ihm auch nicht die feuchte Stelle entgangen. So aber war er in den Matsch getreten. Den unfreiwilligen Spagat konnte er nur stoppen, indem er sich an der Kante eines Grabsteins festhielt und dort stehen blieb.
    Er atmete ein und fluchte. Diese verdammte Luft. Ein Gemisch aus Wärme und Gerüchen. Dick und zäh wie Kleister. Sie hing zwischen den alten knorrigen Bäumen fest, die niemand abgeholzt hatte. Sie waren es auch, die durch ihre Formen dem Friedhof ein unheimliches Aussehen gaben. Er hasste die Bäume. Er hasste die Grabsteine, und jetzt hasste er auch seinen Job.
    Dicht neben ihm pfiff eine Ratte. Zumindest hielt er das Geräusch dafür. Die Stadt war bekannt für ihre Rattenplage. Sie trieben sich überall herum und waren leider nicht in den Kanälen geblieben.
    Er fluchte einige Male hintereinander und riss sich dann zusammen. Nur nicht durchdrehen. Einfach cool bleiben, selbst bei diesem verdammten Wetter.
    Er hatte den Schatten gesehen. Keine Einbildung. Keine Täuschung durch Licht, das einen Schatten erzeugt hätte. Zudem war er viel dunkler als die Umgebung gewesen. Er musste aus dem Boden oder eben aus der Hölle gekommen sein.
    Tim Burton war mit einer Luger-Pistole bewaffnet. Er wechselte sie jetzt in die linke Hand, weil er die rechte trocken wischen wollte.
    Die Kanone war schon immer sein bester Freund gewesen. Nur kam er sich in dieser Szenerie nicht so gut vor. Auch eine Waffe konnte die dumpfe Schwüle nicht vertreiben.
    An der Rückseite zweier kantiger Grabsteine ging er entlang und blieb stehen, als er einen schmalen Weg erreicht hatte. Mehr Zufall, dass er dort stehen blieb, und er überlegte auch, ob der Weg tatsächlich zum Ausgang führte oder sich nicht erst noch irgendwo verlief.
    Der Schatten war nicht mehr zu sehen. Zuletzt hatte er ihn in seinem Nacken gespürt, und er hatte geglaubt, ein Geräusch gehört zu haben, doch er war sich nicht ganz sicher gewesen. Schatten waren normalerweise stumm, aber in einer abgeschlossenen Welt der Toten wie dieser hier war alles möglich.
    Es hätte ihn nicht gewundert, wenn sich plötzlich die Graberde bewegt hätte, weil sie von unten aufgewühlt wurde, um die

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