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1080 - Hexenwald

1080 - Hexenwald

Titel: 1080 - Hexenwald
Autoren: Jason Dark
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Der Regen hatte nachgelassen und dann aufgehört. Nach wie vor war keine Entwarnung gegeben worden. In den Dörfern pumpten die Männer der Feuerwehr Keller leer und achteten darauf, daß das Wasser nicht durch den Inhalt der Öltanks verschmutzt wurde. Der Einsatz der Männer hielt sich in Grenzen. In anderen Gemeinden war es schlimmer, vor allem im benachbarten Belgien. Hier in der Eifel schlug die Katastrophe nicht voll durch.
    Trotzdem hatte sich die Landschaft verändert. Wiesen standen unter Wasser oder waren zu sumpfigen Flächen geworden. Kleinere Straßen waren ebenfalls unter einem feuchten Film verschwunden, und die wenigen Autos, die trotzdem noch fuhren, wurden von hohen Wasserfontänen begleitet.
    Nicht nur das Wasser war schlimm, auch der verdammte Schlamm, der zurückblieb. Jens hatte seine Großmutter schimpfen gehört, als sie von den früheren Zeiten gesprochen hatte, wie sie und der Großvater einmal das kleine Haus vom Schlamm befreit hatten. Das war eine saumäßige Arbeit gewesen.
    Trotz allem fand der Junge die Situation spannend. Es war mal etwas anderes als nur diesen lahmen Kreislauf des dörflichen Lebens zu erleben. Da brachte für ihn nicht einmal die Schule Abwechslung. Der Kontakt zur großen Welt waren für ihn eben der Computer und die Musik.
    Jens hatte sich mit dem Fahrrad aus dem Ort gestohlen. Er fand es einfach geil, durch das auf den Wegen liegende Wasser zu fahren. Das glich schon einem Abenteuer.
    Vor der Brücke hatte er angehalten. Noch konnte er es sich überlegen. Hin und wieder schaute er sich Gruselfilme in der Glotze an. Da schafften es die Leute immer wieder, eine tolle Atmosphäre zu zaubern. So etwas Ähnliches erlebte er hier.
    Zwar regnete es nicht mehr, doch die Feuchtigkeit hatte sich gehalten. Sie war zu einer mächtigen Dunstschicht geworden, die über dem Land lag. Er begrub mit seinem dünnen Nebelschleier den Boden, aus dem die Bäume und Sträucher nur zu zwei Drittel hervorschauten und so aussahen, als würden sie in der Luft schweben. Auch durch das große Waldstück jenseits der Brücke bewegte sich der Dunst. Er machte das Waldstück, mit seinem immer feuchten und leicht sumpfigen Boden zu einem unheimlichen Gelände, zur idealen Kulisse für einen Gruselfilm.
    Jens wartete noch immer. Er trug Gummistiefel, in die er den unteren Teil seiner Hosenbeine gesteckt hatte. Eine Regenjacke mit Kapuze hatte er ebenfalls übergestreift und darunter trug er einen Pullover, denn es war nicht nur feucht, sondern auch kalt.
    Auf diesem schmalen Weg fuhr um diese Zeit kein Auto. Niemand aus der Gegend würde es wagen, die alte Holzbrücke zu überqueren. Der sonst normale Bach war zu einem reißenden Fluß geworden.
    Er um- und unterspülte die ohnehin schon wackligen Stützen, er hatte die Böschung an den Ufern längst überflutet und an diesen schrägen Stellen ganze Stücke herausgerissen und weggeschwemmt.
    Das Wasser machte sich auch akustisch bemerkbar. Bei normalen Verhältnissen hörte man es höchstens einmal plätschern. Jetzt klang das Rauschen schon gefährlich, und es strömte immer wieder Wasser nach, als gäbe es überhaupt kein Ende.
    Jens Küppers schob sein Mountainbike näher an die Brücke heran. Er zog einige Male die Nase hoch und schaute sich wieder um. Es war niemand in der Nähe, der ihn hätte beobachten können. Er fühlte sich plötzlich sehr allein. Jetzt kamen ihm auch die ersten Zweifel, ob es wirklich sinnvoll war, wenn er mit dem Rad über die alte Holzbrücke fuhr, deren Bohlen sehr brüchig aussahen.
    Keiner seiner Kumpel hatte mit ihm fahren wollen. Sie alle waren zu feige gewesen, aber Jens mußte es einfach tun. Wenn er ihnen berichtete, wie es gewesen war, würden sie dumm glotzen, denn dann war er der King und nicht sie.
    Also doch!
    Er schob das Rad vor. Das Wasser war sehr laut zu hören. Es gurgelte und schmatzte. Es verursachte die ungewöhnlichsten Geräusche, die so gar nicht zum Bach paßten. Vor der Brücke schaute er noch einmal nach rechts und auf die braune, schaumige und schnell dahinfließende Flut, die ungemein stark war und auf ihrem Weg vieles mitgerissen hatte.
    Grassoden aus den Böschungen. Zweige, Äste sogar, Blätter. Auch Unrat, den irgendwer weggeworfen hatte und der nun ans Licht des Tages geschwemmt worden war.
    Er mußte zugeben, daß es sehr gefährlich aussah. Das Wasser schäumte an den Fundamenten entlang. Er drehte sich um die Pfeiler herum, die ebenfalls aus Holz gebaut worden waren. Bisher

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