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10 - Operation Rainbow

10 - Operation Rainbow

Titel: 10 - Operation Rainbow
Autoren: Tom Clancy
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Prolog
    VORBEREITUNGEN

    John Clark hatte schon mehr Flüge hinter sich als mancher Berufspilot. Er kannte die Statistiken so gut wie jeder andere. Trotzdem mochte er sich nicht damit abfinden, den Atlantikflug in einer zweistrahligen Maschine anzutreten. Vier Triebwerke hielt er für richtig - falls eines schlappmachte, verlor man nur 25 Prozent der Antriebskraft, auf dieser United 777 dagegen die Hälfte. Daß seine Frau, eine der Töchter und ein Schwiegersohn dabei waren, machte ihn wohl ein wenig nervös. Nein, das stimmte nicht ganz. Angst hatte er keine, jedenfalls nicht vorm Fliegen, nur so ein schwaches, Ungewisses - was wohl? Er vermochte es selbst nicht zu sagen. Neben ihm am Fensterplatz saß Sandy und blätterte in einem Krimi, den sie gestern zu lesen begonnen hatte, während er sich auf den Economist konzentrieren wollte und sich über das klamme Gefühl in der Magengrube wunderte. Schon hielt er nach Alarmzeichen in der Pilotenkanzel Ausschau. Aber dann rief er sich zur Ordnung. Da gab's nichts zu sehen; die Crew sollte ihn nicht für einen nervösen Passagier mit Flugangst halten. Statt dessen nahm er einen Schluck von seinem Weißwein, schüttelte den Kopf und vertiefte sich wieder in den Bericht über unsere schöne, neue, ach-so-friedliche Weltordnung.
    Stimmte das denn nicht? Er verzog das Gesicht. Immerhin mußte er zugeben, daß die Weltlage entspannter war als jemals, seit er zurückdenken konnte. Kein nächtliches Auftauchen im U-Boot an der russischen Küste, um jemanden unbemerkt abzuholen, keine Spionageflüge nach Teheran, mit denen man sich bei Iranern unbeliebt machte, kein Schwimmen in nordvietnamesischen Schlammflüssen, um abgeschossene Fallschirmjäger rauszupauken. Eines Tages würde ihn Bob Holtzman noch überreden, seine Erlebnisse niederzuschreiben, bloß - wer würde ihm glauben? Die CIA erlaubte ihm gewiß erst auszupacken, wenn er auf dem Sterbebett lag. Und damit hatte er keine Eile, solange sein Enkel erst unterwegs war... Verdammt, daran wollte er schon gar nicht denken. Patsy hatte sich gleich in der Hochzeitsnacht schwängern lassen, und Ding strahlte mehr noch als sie selbst vor Stolz. John warf einen Blick zurück in die Business Class - der Vorhang war noch nicht geschlossen. Da saßen sie und lauschten händchenhaltend der Stewardeß, die ihnen ihre Lektion über Flugsicherheit erteilte. Sollte im Notfall eine Wasserlandung notwendig werden, holen Sie die Schwimmwesten unter dem Sitz hervor und blasen Sie sie auf, indem sie an der Strippe ziehen...  Das konnte er schon auswendig nachbeten. Die knallgelben Schwimmwesten machten es den Suchtrupps leichter, den Unfallort zu finden - für mehr waren sie doch nicht gut.
    Erneut spähte Clark nach der Pilotenkanzel hin. Noch immer verspürte er dieses Prickeln im Nacken. Die Flugbegleiterin machte ihre Runde, sammelte sein Weinglas ein, während das Flugzeug auf das Rollfeld schwenkte. Zuletzt blieb sie bei Alistair stehen, auf der linken Seite des First-Class-Abteils. Der Engländer warf Clark einen sonderbaren Blick zu, als er seinen Sitz aufrecht stellte. Er auch? War da was? Beide galten ja nicht gerade als Angsthasen. Alistair Stanley war Offizier im Special Air Service der Luftwaffe gewesen, bevor er auf Dauer zum Geheimdienst versetzt wurde. Seine Stellung war der von John nicht unähnlich. Sie mußten eingreifen, wenn sich die Kommandos vor Ort einen Ausrutscher geleistet hatten. Al und John hatten sich bei einem Einsatz in Rumänien kennengelernt, das war acht Jahre her, und er als Amerikaner freute sich, nun wieder regelmäßig mit ihm zu arbeiten, auch wenn er für den Spaß allmählich zu alt wurde. Verwaltung war nicht gerade das, was John beruflich vorschwebte, aber zugegeben, er war schließlich auch keine Zwanzig mehr - oder Dreißig - nicht mal mehr Vierzig! Ein bißchen zu alt, um durch Hinterhöfe zu rennen und über Mauern zu springen. Ganz ähnlich, aber vornehmer, hatte sich Ding vor kurzem ausgedrückt, als sie in Johns Büro in Langley saßen. An Respekt ließ er's auch sonst nicht fehlen - schließlich war John der künftige Großvater seines Erstgeborenen. Teufel auch, schimpfte Clark - daß er sich nichts vormachte, war doch auch schon was. Er fühlte sich wirklich alt - nein, alt war nicht ganz richtig, vielmehr älter geworden. Nicht zu vergessen, daß er als Respektsperson gelten mußte, seit sie ihn zum Direktor des neuen Dienstes ernannt hatten. Direktor. Eine höfliche

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