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0987 - Asmodis' Retter

0987 - Asmodis' Retter

Titel: 0987 - Asmodis' Retter
Autoren: Oliver Fröhlich und Manfred H. Rückert
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Das Knistern des Kaminfeuers besaß etwas zutiefst Beruhigendes.
    Professor Zamorra ließ den Whisky im Glas kreisen und beobachtete die Schlieren in dem bernsteinfarbenen Getränk. Weder Wasser noch Eis verschandelten den edlen - und mit einem Flaschenpreis von über einhundertfünfzig Euro sündhaft teuren - Tropfen, einen über zwanzig Jahre alten Bowmore Islay Single Malt, seine Hausmarke.
    Jeder, der so etwas tat, gehörte nach Ansicht des Parapsychologen geköpft, gevierteilt, aufgehängt und anschließend zu Tode gekitzelt. In exakt dieser Reihenfolge!
    Zamorras Gedanken trudelten ziellos umher, stoben auf wie die Funken im Kamin, sanken nieder und wirbelten erneut auf.
    So viel war in der letzten Zeit geschehen. Da brauchte er nur an die Kassette des Blinden Wächters denken, die einen Zipfel ihres Geheimnisses preisgegeben hatte. Oder an den Trip nach New York, der mit dem spurlosen Verschwinden des Bürgermeisters nicht das gewünschte Ende gefunden hatte. Und natürlich an die Sache mit LUZIFERS Tränen. Der Professor besaß keinen Beweis dafür, aber er hegte den starken Verdacht, dass Asmodis nach ihnen suchte.
    So stark wie sein Verdacht war das Verlangen, dem früheren Fürsten der Finsternis zuvorzukommen. Auch, wenn er sich noch keine Vorstellung davon machte, wie er mit einer Träne umgehen sollte. Da brauchte er nur an die Krieger der letzten Morgenröte denken und daran, welchen Aufwand sie betrieben, den magischen Schutzwall um die halbe Träne in Kolumbien aufrechtzuerhalten.
    Doch bei all diesen Geschehnissen handelte es sich längst nicht um die einzigen Felder, die sie in den vergangenen Wochen und Monaten beackert hatten.
    Eine der Sachen, die ihm am schwersten im Magen lagen, war Dylan McMours Tod.
    Dylan McMours mutmaßlicher Tod, erinnerte er sich an den Nachrichtenjargon, den er sich in den letzten Wochen diesbezüglich angewöhnt hatte. Denn noch gab es keinen Beweis dafür. Die Leiche des Schotten zum Beispiel. Trotzdem fragte Zamorra sich, ob er sich damit nicht in die eigene Tasche log.
    »Ein seltener Anblick«, erklang die Stimme von Nicole Duval neben ihm. »So ungewöhnlich, dass ich mich gar nicht sattsehen kann.«
    Mühsam strampelte sich der Parapsychologe aus dem mentalen Gestrüpp frei. »Was meinst du?«
    »Du siehst aus, als würdest du denken. Das verleiht dir einen Anstrich von Intelligenz und Erhabenheit.«
    Als der Professor nicht mit der gespielten Empörung reagierte, die sie offenbar erwartete, setzte sie sich neben ihn auf die Sessellehne und strich ihm mit den Fingerspitzen zart durchs Haar. »Was ist los?«
    »Ich musste gerade an Dylan denken. Vielleicht sollten wir uns doch allmählich an die Möglichkeit gewöhnen, dass er nicht mehr lebt.«
    Nicole schüttelte den Kopf. »Vergiss nicht, dass ich seinen Körper nicht gefunden habe, als ich in Spanien…«
    »Darüber müssen wir sowieso noch reden!«, fiel ihr der Meister des Übersinnlichen ins Wort. »Was hast du dir eigentlich dabei gedacht, in diese Höhle einzudringen?«
    Dylan war vor ein paar Wochen bei einem gemeinsamen Einsatz in Andalusien verschollen, als sie es mit Gosh-Dämonen zu tun bekommen hatten. Bis dorthin hatte Zamorra vermutet, dass diese Widerlinge aus dem alten Lemuria im Laufe der Jahrzehntausende ausgestorben seien.
    Doch dann waren die Dämonenjäger im spanischen Bergdorf Abruceta auf eine Legende gestoßen. Sie erzählte von Wesen, die man Zeitsäufer nannte, weil sie sich von der verbleibenden Lebenszeit ihrer Opfer ernährten. Sie fühlten sich so mächtig, dass sie eines Tages den Teufel beschworen, um ihn zu töten. Ob sie seinen Posten übernehmen oder sich an ihm rächen wollten, und ob es sich bei dem Teufel um Asmodis oder einen anderen Dämon handelte, besagte die Geschichte nicht.
    Genauso wenig verriet sie, woran der Plan der Zeitsäufer gescheitert war. Dass er das getan hatte, war hingegen überliefert. Im letzten Augenblick konnte sich der Teufel nämlich retten. Er bestrafte die Aufständischen, indem er sie in Steinstatuen verwandelte. Für die drei Anführer jedoch reichte ihm das nicht aus. Er goss sie in Zeitlosigkeit und verdammte sie so zu ewiger Regungslosigkeit, während der sie bei vollem Bewusstsein blieben.
    Der Ewigkeit war dann aber doch nicht die vorgesehene Dauer beschieden, und so kamen die Zeitsäufer nach einem Erdbeben vor einigen Wochen frei und hinterließen eine Spur aus Elend und Tod.
    Dylan McMour wurde auf die Vorgänge aufmerksam und reiste

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