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0953 - Der Laser-Mann

Titel: 0953 - Der Laser-Mann
Autoren: Unbekannt
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unterhalten, Vario", erwiderte der femininhumanoide Dienstroboter. „In einer Kokonmaske würde ich dich passieren lassen. Diese Möglichkeit steht dir offen. Warum machst du davon nicht Gebrauch?"
    Nachdem er diesen Hinweis erhalten hatte, brauchte er nicht lange zu suchen, bis er den Zugang zu der „Umkleidekammer" gefunden hatte. Darin hingen in speziellen Halterungen sechs Kokonmasken, die nicht dem Fundus von 867 PVK-Masken entstammten, deren er sich bisher bedient hatte. Jede der Masken war mit Namen und Charakterisation versehen, deren Daten er jedoch nicht speichern konnte. Ein Zusatzkode besagte, daß er sie nur zur besonderen Verwendung benützen durfte. Ohne Genehmigung des stationären Computers konnte er die Gruft der Erkenntnis in keiner dieser Masken-verlassen.
    Er wählte eine Kokonmaske aus, die den Namen „Dr. Henry Jekyll" trug. Und während er auf seinem Antigravfeld hochschwebte, seinen eiförmigen Robotkörper in die Öffnung der Pseudo-Variablen-Kokonmaske schlüpfen ließ und dann Ortungskopf und Teleskopglieder ausfuhr, sagte er wie im Selbstgespräch: „Einen seltsamen Humor hatten die Wissenschaftler, die die Gruft der Erkenntnis erbauten. Fehlt nur noch, daß hier irgendwann auch ein Mr. Edward Hyde auftaucht."
    Wie sich später herausstellte, hatte er damit gar nicht so weit gefehlt.
    Als Dr. Jekyll kehrte er in den Wohnsektor zurück und ließ sich von Lotte, wie sich der weibliche Humanoid-Roboter nennen ließ, durch die drei Rotunden führen. Zwei der Rotunden waren in drei Ebenen und in mit allem Komfbrt ausgestattete Unterkünfte unterteilt. Die Einrichtung war zeitlos und wirkte in keiner Weise veraltet, obwohl die Wohnräume vor über 150 Jahren ausgestattet worden waren.
    „Lotte" war offenbar auf harmlose Konversation programmiert, denn sie erklärte ihm alles im Plauderton einer Gesellschaftsdame, ohne ihn merken zu lassen, daß er ein Roboter wie sie war.
    . Es gab noch eine Reihe weiterer humanoider Dienstroboter, die den hier in Klausur befindlichen Menschen die Zeit kurzweilig gestalten sollten. Aber der Vario begnügte sich mit Lotte.
    Bei der Führung durch den Wohnsektor erfuhr er auch, wer außer ihm noch zu den Auserwählten gehörte.
    Lotte zeigte ihm Atlans und Perry Rhodans Unterkunft, die auf ihre persönlichen Bedürfnisse ausgerichtet waren. Es gab auch noch eine dritte Unterkunft.
    „Ich habe eigentlich gerechnet, daß Julian Tifflor als erster hierherkommen würde", sagte der Lotte-Roboter.
    „Wenn das der Erste Terraner wüßte, dann wäre er längst schon nach Olymp gekommen", meinte der Vario. „Er kann es nicht wissen. Wieso ist er nicht eingeweiht?"
    „Darauf weiß ich keine Antwort."
    Der Vario ging danach immer in der Maske des Dr. Jekyll in eine der Wohn-Rotunden, wenn er Probleme mit dem Schaltplan der Laser-Projektoren hatte, die intensive Geistesarbeit erforderten. Er begründete es damit, daß der egobioplasmatische Teil seines Gehirns die warme Atmosphäre des Wohnsektors für die schöpferische Arbeit benötigte.
    Drei volle Tage benötigte der Vario, bis er glaubte, den Schaltplan für die Projektoren ganz erfaßt zu haben. Dann erst ging er daran, sie einzuschalten. Aber auch danach passierte nichts, abgesehen davon, daß einige Bündel kohärenten Lichts durch die Rotunde geisterten. Aber auch die erloschen gleich darauf wieder.
    Der Vario begab sich in die „Umkleidekammer", schlüpfte in die Maske des Dr. Jekyll und wollte sich in die Wohn-Rotunde 1 begeben, um in exotischer Umgebung den Fragenkomplex von grundauf neu durchzurechnen.
    Auf halbem Weg stoppte ihn jedoeh eine Stimme in seinem Rücken. Sie sagte: „Auf ein Wort, Dr. Jekyll!" Als sich der Vario umdrehte und sich einem würdevollen, älteren Mann gegenübersah, fuhr dieser fort: „Darf ich mich vorstellen, ich heiße Robert Louis Stevenson."
    Der Vario, der sofort eine umfassende Ortung der Erscheinung vornahm, mußte feststellen, daß es sich dabei um keinen Roboter handelte. Die Ortungsergebnisse wiesen den Mann eindeutig als Menschen aus.
     
    *
     
    Sie müssen der Wächter dieser Station sein", stellte der Vario fest und ließ in seiner Jekyll-Stimme Uberraschung mitschwingen. „Hat mein Hiersein Sie aus dem Tiefschlaf geweckt? Aber warum tauchen Sie dann erst jetzt auf?"
    Der Mann war groß und hager, hatte dichtes, dunkles Haar, das von Silberfäden durchzogen und an den Schläfen graumeliert war. Sein von vielen Falten durchfurchtes Gesicht zeugte von hohem

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