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0856 - Leas Hexenladen

0856 - Leas Hexenladen

Titel: 0856 - Leas Hexenladen
Autoren: Jason Dark
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Ich war aus dem Fenster unseres Hauses in London geklettert und auf den Hof gesprungen. Mein Freund Mike Simpson hatte mir versprochen, für eine gute Landung zu sorgen, und das war auch geschehen. Die alte Matratze lag genau an der richtigen Stelle, so daß ich weich landete und noch nachfederte.
    Ich wälzte mich von der Matratze, kam auf die Beine, und schon stand Mike neben mir. Er grinste mich an. »Hi, John, das hast du stark gemacht, ehrlich.«
    »Hilf mir mal.«
    »Ja, ja, nur keine Hektik.« Mike war ein Jahr älter als ich. Er spielte immer den Erwachsenen, gab sich überlegen, was mich hin und wieder störte. Auf der anderen Seite paßten wir gut zusammen.
    Ich schrieb bei ihm die Matheaufgaben ab, er bei mir Englisch und Französisch. So ergänzten wir uns. Und Mike hatte noch einen großen Vorteil. Seine Eltern besaßen ein Spielwarengeschäft, in dem es alles gab, was das Herz eines Jungen oder Mädchens begehrte. Oft genug konnten wir die neuen Spielzeuge ausprobieren, die der Vater von der Messe mitbrachte, und so manche Autorennbahn war von uns getestet worden.
    Wir schleiften die Matratze gemeinsam zur Seite und stellten sie hochkant gegen die Hauswand. Da war sie durch Büsche vor Blicken geschützt.
    »Das war echt gut«, flüsterte ich und schaute Mike an. »Ist die Frau denn da?«
    Wieder zeigte er sein überhebliches Erwachsenen-Grinsen. »Und ob die da ist. Denkst du denn, ich komme zu dir und habe nichts als Löcher in der Tasche?«
    »Wie meinst du das denn?«
    »Ich habe zuvor nachgeschaut.«
    »Das ist gut.« Ich reckte mich, denn einen Vorteil hatte ich Mike Simpson gegenüber. Ich war größer als er, und ich wußte, daß er sich darüber ärgerte.
    »Haben deine Eltern nichts mitbekommen?«
    Ich tippte gegen meine Stirn. »Wofür hältst du mich? Die schlafen tief und fest. Ich habe extra nachgeschaut. Die werden auch in den nächsten Stunden nicht wach, das weiß ich.«
    Mike grinste, als würde er mir kein Wort glauben. Er sah beinahe aus wie eine Comic-Figur. Sein rotblondes Haar hatte er kurz geschnitten. Es wuchs auf seinem Kopf wie die überlangen Borsten einer Bürste. Dafür konnte er nichts, denn sein Vater sah ähnlich aus. Alle vier Simpson - Mike hatte noch eine Schwester - waren stolz auf ihre irische Abstammung. In seinem Gesicht verteilten sich jede Menge Sommersprossen, und die Nase stand so hoch, daß er immer Angst davor hatte, es würde hineinregnen.
    Den Weg kannten wir.
    Meine Eltern und ich wohnten in einer ruhigen Gegend. Häuser mit Gärten, aber alte Bauten, die noch aus der viktorianischen Zeit stammten, wie mir mein Vater einmal erklärt hatte. In einem dieser Häuser hatte er seine Anwaltspraxis, und in der oberen Etage wohnten wir.
    Zwischen den einzelnen Gärten gab es schmale Wege. Richtige Schlupfwinkel, die besonders im Sommer zuwuchsen, und so einen Sommer hatten wir auch in diesem Jahr. Es war nicht nur eine sehr dunkle Nacht, sondern auch eine sehr schwüle. Im Radio hatten sie für die frühen Morgenstunden Gewitter und eine Abkühlung angekündigt. Noch aber lag die Luft wie eine dicke Schicht über dem Land, und die Mücken tanzten um mich herum. Es gelang mir nicht, sie zu vertreiben.
    Mike hatte an alles gedacht und sogar eine Taschenlampe mitgebracht, die er hin und wieder einschaltete. Dann huschte der Strahl jedesmal wie ein langer Geist über den Weg oder glitt auch am Laub der Büsche entlang, das im Licht fettig glänzte.
    Es war windstill, die Zweige konnten sich gar nicht bewegen. Und doch bewegten sich welche dicht vor uns, kaum daß sie vom Schein der Lampe getroffen wurden.
    Ein Gesicht erschien.
    »Haut ab, ihr kleinen Ärsche!«
    »Laß sie doch«, sagte eine Mädchenstimme.
    Wir huschten an dem Paar vorbei, und Mike konnte es nicht lassen, die beiden noch einmal anzuleuchten. Das Mädchen hatte die Bluse offen und beide Hände vor ihre Brust gepreßt.
    Ich streckte ihnen noch die Zunge raus, rannte hinter Mike her, wobei mich auch das Fluchen des Boyfriends nicht störte.
    »Die haben einen Schreck bekommen«, freute ich mich.
    »Klar.« Mike nickte. Er war am Ende des Weges stehengeblieben. »Bestimmt kriegen auch wir bald einen Schreck.«
    »Wie meinst du das?«
    Er warf mir einen wissenden Blick zu. »Wenn wir bei der Frau sind, denkst du denn, daß die ungefährlich ist? Nein, das ist sie nicht. Sie ist eine gefährliche Hexe, das hat auch mein Vater gesagt. Das sagt er eigentlich immer, wenn er von ihr spricht.«
    »Kennt er

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