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0852 - Feuer, Asche, altes Blut

0852 - Feuer, Asche, altes Blut

Titel: 0852 - Feuer, Asche, altes Blut
Autoren: Jason Dark
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Er streckte die Zunge raus. Sie war lang und schmal und erinnerte an einen vergammelten Schlauch, der jeden Moment brechen konnte. Sie tanzte für einen Moment über den Boden wie die eines Chamäleons, fiel zurück, klatschte auf den aschigen Untergrund.
    Der Geschmack ekelte Beau an.
    Viel lieber hätte er Blut geschmeckt. Das Blut einer jungen Frau, frisch, hell und sprudelnd wie eine Quelle. Davon konnte er nur träumen. Er befand sich zwar in der Vampirwelt, war aber ausgetrocknet wie ein Schwamm, der auf das Wasser wartete.
    Er fühlte sich verdreckt, völlig verschmutzt, und auch seine hellen, beinahe schon gelben Haare hatten einen grauen Überzug aus Asche bekommen. Seine Kleidung war von der Farbe her kaum noch zu erkennen, und sein attraktives, schönes und irgendwie auch engelhaftes Gesicht zeigte nur Erschöpfung und Wut.
    Den Friedhof mußte er erreichen. Dort standen die alten Grabsteine. Dort gab es die Eingänge zur Unterwelt, die Verstecke, wo Vampire auf Nahrung lauerten.
    Die Zunge fuhr wieder zurück. Sie verschwand mit einem schnalzenden Laut im Mund, und der Vampir schloß ihn, so daß auch seine spitzen Hauer nicht mehr zu sehen waren. Er kämpfte sich weiter vor, und er wußte, daß dieser alte Friedhof mit seinen Gräbern und Verstecken noch ziemlich weit entfernt lag. Es würde eine Weile dauern, bis er ihn erreicht hatte, und das wiederum ärgerte ihn. Noch war Dracula II nicht zu sehen, und Beau sah dies als Chance.
    Deshalb raffte er sich auf.
    Es war nicht so einfach für den entkräfteten Blutsauger, auf die Beine zu kommen. Er war halbhoch, als sein Oberkörper noch den Schwung nach vorn bekam, er sich aber abstützen konnte, so daß er nicht wieder lang hinschlug.
    Er stand!
    Er schwankte.
    Die letzte Aktion hatte ihn angestrengt. Er bog den hochgewachsenen Oberkörper durch und preßte für einen Moment die Handflächen gegen sein Gesicht. Dann ließ er sie langsam daran entlang nach unten gleiten. Er hörte dabei ein Geräusch, als würde Papier über Papier schaben. So trocken war seine Haut mittlerweile geworden.
    Er brauchte Feuchtigkeit, Energie – Blut!
    Seine Arme sanken nach unten. Er schaute zum Himmel, der nie hell wurde. Er behielt seine bedrohliche Düsternis stets bei, änderte nur hin und wieder mal die Farbe. Dann war das Schwarz nicht mehr so intensiv, sondern ging in das Grau des Bodens über, als wollten sich beide nicht mehr unterscheiden.
    Beau Lambert schaute nicht mehr zurück. Er wollte keine Enttäuschung erleben, er mußte den Weg nach vorn gehen, und er hoffte zudem darauf, daß die Vampirhexe Assunga, Mallmanns Helferin, nicht plötzlich erschien und über ihn herfiel. Sie stand auf Mallmanns Seite und war ihm treu ergeben. Er und sie bildeten ein Duo, von dem Lambert sich nicht vorstellen konnte, daß es einmal besiegt wurde.
    Nicht zurückblicken, nur nach vorn schauen.
    Und da lag der Friedhof.
    Etwas tiefer, wie gemalt oder eingebettet in eine flache Mulde, die nicht mehr war als ein Tor zur Unterwelt. Er sah von seiner Stelle auch die Grabsteine, wie sie wie klumpige Finger schief aus dem Boden ragten.
    Aus Lamberts halb geöffneten Mund zischte es. Ein Laut der Wut, der Gier nach Blut. Seine Hände bewegten sich. Die langen Finger erinnerten ihn an ausgetrocknete Zweige.
    Die härteste Strecke lag glücklicherweise hinter ihm. Obwohl er zu den Blutsaugern zählte, dachte er oft wie ein Mensch. Von nun an ging es bergab, ein viel leichterer Weg, und er war sicher, ihn schnell laufen zu können.
    Seine Beine bewegten sich. Der Gang war hölzern. Als hätte er eine lange Zeit mit dem Gehen ausgesetzt und wäre erst jetzt wieder dazu gekommen. Mit staksigen Bewegungen nahm er den Rest auf sich. Die alten Grabsteine schienen ihm zuzuwinken, daß er sich beeilen sollte, aber er schaffte es nicht. Sein Gang war und blieb schwerfällig. Hin und wieder mußte er die Arme zu den Seiten hin ausstrecken, um wie ein Seiltänzer das Gleichgewicht halten zu können.
    Die Füße schlurften über den Boden. Sie steckten in Schuhen mit harten Sohlen, die kaum nachgaben. Dunkler Staub wurde in die Höhe gewirbelt, und kleine Wolken begleiteten ihn.
    Sein Gesicht blieb starr. Er kümmerte sich auch nicht um die graue Asche auf dem Gesicht. Der Kopf war gesenkt, der Blick starr auf den Friedhof gerichtet.
    Dabei übersah er einen Stein. Als kantige Stolperfalle ragte er aus dem Boden, und als Lambert mit der Fußspitze dagegen prallte, bekam er das

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