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0815 - Die Höllenbestie

0815 - Die Höllenbestie

Titel: 0815 - Die Höllenbestie
Autoren: Jason Dark
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Frau hatte sich gezeigt, und sie hatte ihr Jory präsentiert. Einmal als Baby, zum anderen vor drei Jahren, als Jake zwölf wurde. Da war sie dann ebenfalls mit dem Jungen erschienen, und Jory glich ihrem Jake aufs Haar.
    Es gab sie also. Sie war da. Ihre Existenz lag wie ein Schatten über dem Leben der Amy Lester, auch wenn sie es hin und wieder vergaß, sie erinnerte sich jedoch in langen Nächten daran, wo die Bilder aus der Vergangenheit lebendig wurden.
    Dann fürchtete sie sich vor der Zukunft. Vielleicht würde es irgendwann zu einem Zusammentreffen der beiden Brüder kommen, und dann musste auch die Frau erscheinen, die Amy nicht als normale Person ansah. Für sie war die andere eine Hexe.
    Bei diesem Gedanken fuhr ihr jedes Mal ein Schauer über den Rücken auch jetzt, im Strandkorb. Trotz der Sonne wurde ihr kalt, als hätte ihr ein Ungeheuer gedroht.
    Sie schüttelte sich und schlug ein Buch auf. Es behandelte die Geschichte der Stadt Oxford. Allmählich hatte sich Amy zu einer Expertin entwickelt, was dieses Gebiet anging, doch heute konnte sie sich nicht auf den Text konzentrieren. Immer wieder schaute sie nach vorn, sah dem Treiben zu, ohne es richtig aufzunehmen.
    Viele Menschen. Familien mit kleinen und größeren Kindern. Es wurden Burgen gebaut und Höhlen geschaufelt. War genügend freie Fläche vorhanden, spielten die Urlauber mit dem Ball oder versuchten sich im Badminton.
    Von einem Hochsitz aus beobachteten zwei Bademeister das Treiben. Sie und andere Retter hatten noch nicht einzugreifen brauchen.
    Die See zeigte sich ruhig wie ein träges Raubtier, das einfach satt war und mit sich spielen ließ.
    Bunte Boote tanzten auf dem Wasser. Einige mit, andere ohne Segel. Auch der ziemlich neue Sport, das Surfen, wurde geübt, und die bunten Segel der Boote wirkten zusammen mit dem herrlich blauen Himmel wie ein naives Gemälde.
    Der Strandkorb schützte sie. Wenn Amy sich zurücklehnte, dann drangen die Stimmen nur mehr gedämpft an ihre Ohren. Sie hatte das Gefühl, die andere Welt hinter sich gelassen zu haben, um einzutauchen in die Ruhe.
    Entspannt schloss sie die Augen.
    Die Stimmen verwandelten sich in eine summende Hintergrundkulisse. Amy spürte, dass sie träge wurde. Die Müdigkeit hatte sich an sie herangeschlichen und kroch wie zäher Teer durch ihre Glieder, um sie ganz für sich einzunehmen.
    Sie streckte die Beine aus. Der weiche Sand umspielte die Füße.
    Sonnenstrahlen tupften gegen die Beine und bräunten sie. Amy überlegte, ob sie den Badeanzug aus und den Bikini anziehen sollte, um sich an den Strand in die Sonne zu legen. Sie würde bestimmt herrlich braun werden. Aber sieschreckte davor zurück. Sie wollte nicht, dass andere Augen ihren gesamten Körper sahen, denn sie fand es ihrem toten Mann gegenüber ungerecht und nicht fair. Sie hing noch immer an Sam. Er war ihre große Liebe gewesen, er würde es immer bleiben, auch wenn er nicht mehr an ihrer Seite war.
    Vergessen konnte sie ihn nicht. Oft genug lag sie in der nächtlichen Dunkelheit und redete mit ihm, wobei sie auch das Gefühl hatte, Antwort zu bekommen.
    Auch wenn sie ihren Sohn anschaute, wurde sie wieder an ihn erinnert. Manchmal bewegte er sich wie Sam. Auch wenn er sie anlachte, erinnerte sie das an ihren verstorbenen Mann.
    Amy hatte die Augen geschlossen. Sams Bild, sein Gesicht, sein Lächeln, es schwebte vor ihr. Sie holte es zurück wie einen Film, von dem sie noch einmal bestimmte Szenen sehen wollte.
    Die Frau fiel in einen Zustand zwischen Tag und Traum. Sie schlief nicht tief und fest, sie war auch nicht wach. Sie befand sich irgendwo dazwischen und ließ die Bilder der Vergangenheit vorüberziehen. Manchmal liefen die Szenen wie im Zeitraffer-Tempo ab, dann wiederum sah sie alles sehr lange und intensiv, und all das Sehnen spiegelte sich auf ihrem Gesicht wider.
    Die Lippen hatten sich zu einem Lächeln verzogen. Wegen der Sonnenstrahlen waren sie hell eingecremt worden, deshalb sahen sie aus wie zwei blasse Schläuche, und auf der Oberlippe schimmerten Schweißtropfen.
    Aber die Erinnerung änderte sich.
    Kein Mund lächelte mehr.
    Die Winkel zuckten, die Lippen nahmen einen schmerzlichen Ausdruck an, denn sie sah Sam wieder sterben.
    Der verdammte Ast hatte nicht nur die Scheibe des Fahrzeugs zertrümmert, er hatte auch das Gesicht und den Kopf ihres Mannes brutal zerstört. Amy hatte neben Sam gesessen. Dieses Bild würde sie bis zu ihrem Tod nicht mehr vergessen.
    Etwas Kaltes erschreckte sie. Es

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